Rückkehr vom MTV Stuttgart: Jana-Franziska Poll kommt zu den Ladies zurück

Rückkehr vom MTV Stuttgart : Jana-Franziska Poll kommt zu den Ladies zurück

Jana-Franziska Poll, Aachener Spielerin der ersten Bundesliga-Stunde, kehrt vom Deutschen Meister MTV Stuttgart zurück zu den Ladies in Black. Die 31-jährige Nationalspielerin ist ein wichtiger Stabilitätsfaktor.

Jana-Franziska Poll hat viel gesehen von der (Volleyball)-Welt: Die Nationalspielerin schnupperte vier Jahre lang Bundesliga-Luft mit Alemannia-Aachen, spielte anschließend für Vilsbiburg, Hamburg und Schwerin, feierte anschließend bei den griechischen Topklubs in Piräus und Athen auch internationale Erfolge. Nach Meisterschaft und Vize-Pokalsieg mit dem MTV Stuttgart kehrt die Außenangreiferin zurück nach Aachen. Mit der 31-Jährigen sprach Roman Sobierajski.

Frau Poll, sie gehörten 2008 dem ersten Bundesliga-Team an, damals noch Alemannia Aachen, und haben da bereits mit Mareike Hindriksen zusammen gespielt. Schließt sich für Sie nach elf Jahren ein Kreis?

Jana-Franziska Poll: Das kann man durchaus so sehen. Aber Kreise haben doch auch etwas Schönes.

Sie kommen vom amtierenden Meister und Vize-Pokalsieger MTV Stuttgart zu den Ladies in Black. Verbessern kann man sich bei einem Wechsel innerhalb der Bundesliga sicher nicht, oder?

Poll: Aachen hat auf jeden Fall andere sportliche Zielsetzungen als Stuttgart, auch wenn die Ladies in den letzten beiden Jahren jeweils die Bronzemedaille geholt haben. Ich hatte  ja schon vor der vergangenen Saison mit dem Gedanken gespielt, wieder nach Aachen zurückzukehren. Doch dann kam das Angebot aus Stuttgart, die um die Deutsche Meisterschaft mitspielen wollten. Und der Titel des Deutschen Meisters hat mir noch in meiner Sammlung gefehlt. Das hat sich nun geändert.

Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen den beiden Klubs?

Poll: In Stuttgart muss man in jedem Training alles geben, um überhaupt in der Startformation dabei zu sein. Der Konkurrenzkampf innerhalb des Kaders ist viel größer. Ich bin immer noch ehrgeizig, schaue nun aber  nicht unbedingt nur danach, wo sich die größten sportlichen Ziele verwirklichen lassen, sondern auch, wo das Gesamtpaket für mich stimmt.

Zählen für Sie auch weiche Faktoren wie die Fankultur?

Poll: Es ist immer schön, die Fans im Rücken zu haben. In Aachen ist es toll, in die Halle zu kommen und die tolle Atmosphäre zu spüren. Aber guten Support gibt es auch in anderen Vereinen.

Dass haben Sie sicher auch gespürt, wenn Sie für Vilsbiburg, Schwerin oder Stuttgart aufgelaufen sind.

Poll: Stimmt. Da scheine ich in meinen ersten vier Jahren in Aachen ja nicht viel falsch gemacht zu haben.

Sie kamen 2008 als 20-Jährige, nun mit 31 dürfte Ihnen sicher eine Führungsrolle im Kader zukommen.

Poll: Ich hoffe, ich kann diese Erwartungen erfüllen, dem Team weiterhelfen und für mehr Stabilität sorgen. Aber ich habe selbst auch noch genug Felder, die man noch verbessern und an denen man arbeiten kann.

Wie ausschlaggebend waren denn ihre zukünftigen Teamkolleginnen für die Entscheidung pro Aachen?

Poll: Ich hatte nur eine grobe Vorstellung bekommen, wer alles kommen soll. Das war also nicht unbedingt der entscheidende Faktor.

Aber Ihre neue Trainerin stand ja sicher fest.

Poll: Dies ist allerdings ein wichtiger Faktor. Man verbringt ja sehr viel Zeit mit diesem Menschen. Wenn man sich dann nicht wertgeschätzt fühlt, wird es schwierig. Aber ich kannte Saskia van Hintum ja schon von ihrer Zeit bei der Nationalmannschaft, wo wir gut miteinander gearbeitet haben.

Trotz Ihrer vielen Stationen innerhalb der Bundesliga und auch in Griechenland hatten Sie die Entwicklungen in Aachen immer im Blick, auch weil Sie privat hier gebunden sind. Wie lautet Ihr Fazit?

Poll: Sportlich haben sich die Aachener deutlich weiterentwickelt, wie auch die Resultate und Platzierungen der vergangenen Jahre gezeigt haben. Von der Professionalität des Umfeldes rund um das Team herum hinkt Aachen noch hinterher. Und eine eigene Halle fehlt immer noch.

Bezüglich Hallenbau scheint sich aber eine positive Entwicklung abzuzeichnen…

Poll: Ich wünsche mir dringend, dass das funktioniert. Ich habe ja selbst vier Jahre in der Halle an der Neuköllner Straße gespielt. Und wenn man lange nicht mehr hier war, lernt man den Vorteil einer eigenen Halle durchaus zu schätzen. Zudem grenzt die niedrige Decke an Unfairness den Gegnern gegenüber, die es gewohnt sind, viel höher zu agieren. Aachen spielt jetzt seit 2008 in der Bundesliga, und es kann einfach nicht sein, dass sich in dieser Zeit bei dem Thema Halle nichts getan hat.

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