Aachen: „Ladies in Black“ suchen „Weißen Ritter“

Aachen: „Ladies in Black“ suchen „Weißen Ritter“

Noch am Mittwochabend tagte der Vorstand des PTSV Aachen drei Stunden lang und beriet sich. Bastian Heckert, Geschäftsführer der „Ladies in Black“ Spielbetriebs-GmbH, erstattete Bericht über die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Aussichten des Volleyball-Bundesligisten, dann fiel die wohl nicht selbstverständliche Entscheidung.

Der Verein beantragt am Freitag zum Stichtag bei der Volleyball-Bundesliga die Erteilung der Spiellizenz für die kommende Spielzeit.

„Aber die wirtschaftliche Lage ist noch nicht rosig“, sagt Frank Schidlowski, Vorsitzender des PTSV, „wir haben immer noch eine Lücke zu schließen, die im untersten sechsstelligen Bereich liegt. Und für uns lautete die Entscheidung, entweder starten wir mit einer Perspektive, oder wir lassen es sein“.

Der Antrag auf Erteilung der Bundesliga-Lizenz ist nur der erste Schritt in einem mehrstufigen Verfahren, doch schon hier muss eine wichtige Entscheidung getroffen werden. Bereits im zweiten Punkt müssen die Vereine erklären, ob der Lizenzantrag hilfsweise auch für die zweite Bundesliga gelten soll, falls die Mannschaft sportlich nicht qualifiziert ist oder die Lizenzvoraussetzungen nicht erfüllt werden, oder ob der Klub dann komplett verzichtet und die Mannschaft vom Spielbetrieb abmeldet. „Wir werden sicher nicht in der zweiten Bundesliga starten“, erklärt Schidlowski, „das wäre wirtschaftlich nicht darstellbar“.

Geschäftsführer Bastian Heckert sieht das Problem auch aus sportlichen Gründen: „Damals ist unsere Mannschaft in die Bundesliga hineingewachsen, aktuell fehlt uns der Unterbau, um ein Zweitliga-Team stellen zu können“, erklärt Heckert. „Sollte es nicht gelingen, eine Bundesliga-Mannschaft zu stellen, wollen wir in der Regionalliga antreten.“ Aufgrund der Lage stocken auch die Vertragsverhandlungen mit den Spielerinnen, da der Verein momentan seriös kein Angebot unterbreiten kann.

Entscheidung bis Mitte April

So dürfte die Entscheidung, ob auch in Zukunft in Aachen Profi-Volleyball gespielt wird, bis Mitte des Monats fallen, denn bis zum 15. April müssen die Vereine gegenüber der Liga die wirtschaftlichen Lizenzierungsunterlagen einreichen, die belegen, dass die finanziellen Mittel reichen, um die Saison auch zu Ende spielen zu können. „In eine Lage wie zu Beginn der vergangenen Saison wollen wir nicht noch einmal kommen“, blickt der PTSV-Vorsitzende auf Anfang Dezember zurück, als die „Ladies“ eine breit angelegte Hilfsaktion starteten, weil im Etat eine Lücke von 265.000 Euro klaffte.

Als aussichtslos schätzt Schidlowski die Lage nicht ein, den oder die „Weißen Ritter“ für die „Ladies in Black“ zu finden und das Loch stopfen zu können: „Wir sind in Gesprächen und guter Hoffnung, bis Mitte April noch eine Lösung zu finden. Aber es wird voraussichtlich nicht darauf hinauslaufen, den einen Retter zu finden, sondern eher ein gemeinsames Konstrukt aus Sponsoren sein.“

Auch wenn durchaus Optimismus besteht, dass Aachen auch in der kommenden Spielzeit ein Standort für Erstliga-Volleyball sein wird, kämpfen die Verantwortlichen weiter mit den Verschärfungen, die der (verbindliche) Masterplan der Volleyball-Bundesliga mit sich bringt. So muss für die Saison 2016/17 nun definitiv der geforderte farblich abgesetzte und linienfreie Boden angeschafft werden — bislang zahlten die „Ladies“ an jedem Heimspieltag eine Geldstrafe an die Liga, weil die Auflage nicht erfüllt werden konnte.

Der Grund: Die Anschaffungskosten für den sogenannten Gerflor-Boden liegen bei rund 30.000 Euro, zudem muss der sechs Tonnen schwere Untergrund bereits am Abend vor den Heimspielen verlegt und im Anschluss wieder entfernt werden. „Wir müssen den Boden irgendwo zwischenlagern, wissen aber noch nicht, wo“, schildert Schidlowski die eine Hälfte des Problems, „und wir müssen eine Spedition für den Transport und einen Dienstleister für die Verlegung beauftragen.

Das ist mit ehrenamtlichen Kräften nicht zu schaffen“, die andere Hälfte, weshalb er resümiert: „Hier ist der Punkt erreicht, wo man vielleicht sagen muss, Aachen ist nicht masterplanfähig.“

Die gesamten Zusatzkosten, die die Erfüllung der einzelnen Schritte des Masterplans den „Ladies“ in den letzten drei Jahren aufbürdete, beziffert Schidlowski auf 250.000 Euro — Geld, das investiert werden musste, ohne sich sportlich zu verbessern. „Ich sehe die ganze Situation dennoch positiv“, wirft Frank Schidlowski als Vorsitzender des Gesamtvereins den Blick auf das Aushängeschild Profi-Volleyball, „wenn das nicht mehr funktionieren sollte, wäre es sehr, sehr bitter“.