Aachen: „Ladies in Black“: Entscheidung im Lizenz-Drama

Aachen: „Ladies in Black“: Entscheidung im Lizenz-Drama

Mehr als acht Stunden dauerte das zähe Ringen, die Telefone glühten zwischen den Verantwortlichen des Volleyball-Bundesligisten „Ladies in Black“ Aachen, der Liga und den Sponsoren. Um Mitternacht stand schließlich fest: Die „Ladies in black“ halten den Lizenzantrag für die kommende Spielzeit aufrecht.

Auch am ersten Spieltag der Saison 2016/17 wird es Erstliga-Volleyball „made in Aachen“ geben. Die Liga hatte dem PTSV Aachen als Lizenzinhaber im Nachlizenzierungsverfahren erhebliche Auflagen gemacht, darunter das Beibringen einer Bankbürgschaft über 200.000 Euro und den 100-prozentigen schriftlichen Nachweis der Sponsorenzusagen bis Ende August.

Forderungen, die die Spielbetriebs-GmbH, die Insolvenz beantragt hat und das Insolvenzplanverfahren anstrebt, als „nicht darstellbar“ einstufte. Offenkundig scheint ein Kompromiss gefunden worden zu sein, um nicht noch einen weiteren, mittlerweile renomierten Verein in der Frauen-Bundesliga zu verlieren.

Auch wenn sich zwischenzeitlich der Daumen senkte und das Ende des Profi-Volleyballs in Aachen absehbar schien: Am Ende des Marathons stand fest, dass sich die intensive Arbeit der letzten Wochen auch unter der Ägide des vorläufigen Insolvenzverwalters Martin Dreschers bezahlt gemacht hat. Dennoch müssen die Aachener Verantwortlichen darauf bedacht sein, den eingegangenen Kompromiss akribisch zu erfüllen, sonst droht die übliche Sanktionierung: Geldstrafe, Punktabzug oder Lizenzentzug — je nach Schwere des Vergehens.

Finanziell muss das Ziel sein, schnell eine Sanierung unter Zustimmung von Schuldner und Gläubigern zu erreichen — und dann wieder die Handlungsfreiheit zurückzuerlangen. Für das Gelingen spricht, dass die Verantwortlichen der Spielbetriebs-GmbH bekräftigt haben, nur mit einem vollständig gedeckten Etat in die Saison gehen zu wollen. Branchenüblich ist das Einwerben weiterer Mittel in der laufenden Spielzeit. Erschwert wird die Arbeit dadurch, dass eine Spielbetriebs-GmbH nicht laufend produziert und dadurch Einnahmen erzielt, sondern das Produkt Profisport „herstellt“.

Der erreichte Endpunkt ist zugleich der Startschuss für die nächste Phase: „Wir haben mündliche Zusagen, müssen das Vereinbarte aber auch mit der Liga schriftlich fixieren“, sagte PTSV-Vorsitzender Frank Schidlowski, als Rechtsanwalt naturgemäß ein vorsichtiger Mensch. „Zudem war der Insolvenzverwalter in den letzten Stunden nicht mehr an den Verhandlungen beteiligt, auch er muss grünes Licht für das ausgehandelte Paket geben. Dennoch bin ich optimistisch, dass wir in Aachen weiterhin erstklassigen Volleyball sehen werden“.

Ziel ist es nun ein schlagkräftiges Team für die kommende Spielzeit auf die Beine zu stellen. Das ist ebenfalls eine große Herausforderung. In der Regel sind die Wunschspielerinnen auf den Schlüsselpositionen Ende Mai bereits festgemacht. Wegen der Insolvenz und der Verzögerung im Lizenzierungsverfahren konnten jedoch keine Verträge geschlossen werden.

Ohnehin müssen sich die Zuschauer an sehr viele neue Gesichter gewöhnen: Keine einzige Spielerin aus der Vorsaison wird auflaufen, ein neuer Trainer muss gefunden werden, Sebastian Gutgesell tritt die Nachfolge von Reinhard Strauch als Sportdirektor an. Bleibt ein einziges bekanntes Gesicht: Hallensprecher André Schnitker. Kreative Ideen sind gefragt.

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