Düren: Kapitän Zachrich kündigt leidenschaftliches Team an

Düren: Kapitän Zachrich kündigt leidenschaftliches Team an

Irgendwann Mitte Februar beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Jaromir Zachrich. So wie der Spielplan gestaltet ist, könnte rund um das Auswärtsspiel in Lüneburg das erste Kind des 31-Jährigen und seiner Lebensgefährtin Marie zur Welt kommen.

„Dann werde ich wohl mit dem eigenen Auto nach Lüneburg fahren“, sagt der Kapitän der SWD powervolleys. Dass er die Begegnung aufgrund des erfreulichen privaten Termins verpassen könnte, scheint in den Gedanken des Mittelblockers aktuell keine Rolle zu spielen.

„Volleyball bewegt mich derzeit einfach am meisten“, sagt er. Nun wäre es ziemlich überraschend, wenn ein Mannschaftskapitän vor der Saison nicht Optimismus und Vorfreude verbreiten würde. Aber wer Jaromir Zachrich zuhört in diesen Wochen vor seiner siebten Spielzeit an der Rur, dem schwappen so viel Zuversicht und Begeisterung entgegen, dass man es mit professioneller medialer Pflichterfüllung kaum erklären kann. „Bei uns entstehen viele spannende Sachen“, berichtet der Mann mit der Trikotnummer 14. „Es fühlt sich anders an als in den Vorjahren.“

Zachrich ist erfahren, seit vielen Jahren Kapitän, im Sommer hat er bei der Nationalmannschaft sogar als Assistent des damaligen Bundestrainers Vital Heynen fungiert. Man darf ihm zutrauen, dass er beurteilen kann, ob eine Mannschaft das Potenzial hat, wirklich gut zu funktionieren.

Zu spüren, ob sie in der Lage ist, in den entscheidenden Momenten die paar Prozent extra herauszukitzeln, die im Hochleistungssport den Unterschied machen. Bei Zachrich hört sich das so an: „Wir werden auf jeden Fall anders spielen. Und das wird man schon im ersten Spiel sehen können.“

So klingt jemand, der ziemlich überzeugt ist. Woher rührt die Sicherheit? Zachrich spricht von der „Energie, die wir in jedem Training aufbringen“, benutzt Begriffe wie Freude und Spaß. Bei der Suche nach dem Grund für so viel Positiv-Vokabular führt das Gespräch schnell zu einem Mann: Tommi Tiilikainen. Der neue Trainer habe ihn schon vor dessen Verpflichtung angerufen, um sich ein Bild von Düren zu machen, um Rückmeldungen aus erster Hand zu sammeln. So etwas, sagt der alte Hase Zachrich, habe er in all den Jahren noch nicht erlebt.

„Sein Konzept ist sehr, sehr stimmig. Er hat unheimlich viel Ausstrahlung, lässt uns Freiheiten, Dinge zu entwickeln“, sagt der Spielführer der powervolleys über den finnischen Coach. Nun werden Spielzüge im Volleyball oft wie auf dem Reißbrett geplant, in kaum einem Sport spielt Datenerfassung über den Gegner eine so große Rolle.

Trotzdem spricht Zachrich von „überraschenden Lösungen“ und „Variationen“, die das Team auf dem Spielfeld finden wolle. Vor allem aber soll Leidenschaft das Auftreten der powervolleys prägen. „Wir wollen noch mehr zeigen, dass wir Bock haben, uns jedem Ball hinterherzuschmeißen“, sagt der Kapitän.

Apropos Kapitän: Als die Mannschaft jüngst den Sponsoren vorgestellt wurde, sparte Gesellschafter Erich Peterhoff nicht mit Lob für Zachrich und dessen Rolle. Er sei eine Galionsfigur des Clubs, „das Gesicht dieser Mannschaft“. Tatsächlich ist der 31-Jährige ein perfekter Repräsentant des Vereins, wird von allen Seiten geschätzt. „Das sind Selbstverständlichkeiten, die das Kapitänsamt mit sich bringt“, sagt er bescheiden.

Im Gegensatz zur Außendarstellung schienen seine sportlichen Fähigkeiten in der vergangenen Saison allerdings nicht mehr so gefragt zu sein. Allzu oft setzte der ehemalige Trainer Anton Brams auf andere Mittelblocker, von denen sich im Laufe der Runde einige im Dürener Kader „ansammelten“. Rudy Verhoeff, Michael Parkinson, Oskar Klingner, Bas van Bemmelen - Auswahl und Fluktuation waren groß auf der Mittelposition.

„Ein wunder Punkt“ sei die vergangene Saison, gibt Zachrich zu. „Die Hauptsache ist immer noch der Sport.“ Und gerade da durfte der Routinier sein Können viel zu selten unter Beweis stellen. Viel reden will Zachrich nicht mehr über das letzte Jahr, schließlich steht die neue Runde schon vor der Tür.

Und mit den Neuzugängen Michael Andrei und Tim Broshog sind Mittelblocker nach Düren gekommen, die man im obersten Regalfach einordnen darf. Konkurrenz? Zachrich mag den Begriff nicht hören. „Wir drei kennen uns seit über zehn Jahren. Das ist eine sehr, sehr schöne Symbiose.“ Es fällt tatsächlich schwer, aus Jaromir Zachrich etwas Negatives herauszuholen.

Vielleicht liegt es daran, dass er so gut vorbereitet in die Saison gehen wird wie schon lange nicht mehr. In seinem Lehramtsstudium in Köln hat er alle Scheine gemacht. In der Vorbereitung entfiel damit das zeitraubende Pendeln zwischen Trainingshalle, Hörsaal und Kraftraum. Zwischen den Einheiten einfach mal ausruhen, in Ruhe Mittagessen, regenerieren - Zachrich hat das genossen.

Die Kombination Volleyball/Studium („Mir fällt kein Verein außer Düren ein, wo das besser möglich wäre“) ist für den Moment aufgelöst. Mit Examensarbeit und Referendariat will der 31-Jährige sich Zeit lassen. An irgendeiner Dürener Schule wird der junge Lehrer Jaromir Zachrich dann ins Berufsleben starten. Aber das ist Zukunftsmusik. Im Oktober 2016 steht Volleyball auf Platz 1 der Prioritätenliste. Wie ernst ihm das ist, wird spätestens bei der Frage nach den Saisonzielen deutlich: „Unabhängig davon, was der Verein ausgibt: Ich will in irgendein Finale. Lasst uns Gas geben.“