Düren: Hinz muss die Koffer packen

Düren: Hinz muss die Koffer packen

Über Wochen herrschte tiefes Schweigen. Am Dienstag wurde offiziell, was lange als Gerücht kursierte: Der Volleyball-Bundesligist Evivo Düren entlässt Trainer Söhnke Hinz aus seinem noch bis 2014 laufenden Vertrag.

Die erste Trainerentlassung überhaupt ist perfekt. Seitdem Düren permanent im Oberhaus spielt - 1997 - hat der Verein einen anderen Kurs gefahren. Nämlich den, dass auch bei Misserfolg kein Trainer gefeuert wird und stattdessen aufsässige Spieler notfalls in die Wüste geschickt werden. Die zurückliegende Saison hat die Sichtweise offenbar geändert.

Evivo beendete sie auf Platz sieben und blieb über weite Strecken der Saison hinter den Erwartungen zurück. Konsequenz Nummer eins: Söhnke Hinz muss seine Koffer packen. Dem 43-Jährigen war es nicht gelungen, aus einer Mannschaft mit viel Talent eine Einheit zu formen, die sicher in der oberen Tabellenhälfte mitspielt. Über die exakten Gründe, die zur Trennung führten, schweigen die Macher und der Trainer sich aus.

Fakt ist: Hinz trägt nicht die Alleinschuld an der schwachen Saison. Das Verletzungspech hat die Mannschaft überproportional häufig und empfindlich getroffen. Und weil mit Tim Elsner und Stefan Hübner die beiden Erfahrensten zu lange gefehlt haben, fehlte der Mannschaft in vielen Situationen die Routine. Das Problem: Sie ist nicht gewachsen. Einzig Neuzugang Georg Klein machte Fortschritte. Alle anderen jungen Spieler sind auf der Stelle stehen geblieben. Ausgesprochen hat es niemand: Zur Rückrunde schien der Graben zwischen Trainer und weiten Teilen der Mannschaft tief zu sein. Einer für alle und alle für einen - dieser Spruch hat für die Dürener Mannschaft nicht mehr gepasst.

Vieles bleibt öffentlich unausgesprochen. Die Dauer des Schweigens nach der Saison dürfte unter anderem daran gelegen haben, dass Verein und Trainer lange brauchten, bis sie eine finanzielle Lösung für das vorzeitige Ende gefunden haben. Auch, weil Evivo derzeit ohnehin Geld sparen muss und die Auslöse eine zusätzliche Last sein könnte. „Wir haben hart, aber sehr fair verhandelt”, war der einzige Kommentar, den Geschäftsführer Rüdiger Hein am Dienstag abgeben wollte. Söhnke Hinz war zu keiner Stellungnahme bereit. Hein machte lediglich einen kurzen Ausblick: „Wir werden die Suche nach einem Nachfolger jetzt zügig angehen. Das darf nicht so lange dauern.” Kandidaten könnten die beiden ehemaligen Evivo-Trainer Bernd Werscheck und Michael Mücke sein.

Dass die Vereinsführung trotz Entlassung die Alleinschuld nicht bei Hinz sieht, wird an einer anderen Tendenz deutlich: Von der derzeitigen Mannschaft dürfte nach aktuellem Kenntnisstand im Herbst nur der kleinste Teil übrig sein.

Erfolgreicher Nachwuchstrainer

Söhnke Hinz kam mit großen Vorschusslorbeeren nach Düren. Der 43-Jährige hatte als Trainer der deutschen Junioren gearbeitet. 2008 wurde er mit dem Team Zweiter bei der Europameisterschaft.

Aus Hamburg stammt der Mann, der Sport und Chemie auf Lehramt studiert hat. Hinz ist verheiratet. Über seine Pläne wollte er sich nicht äußern. Allerdings deutete er an, möglicherweise aus dem Spitzensport-Bereich aussteigen zu wollen.

Im Fall von Co-Trainer Björn-Arne Alber stehen die Zeichen auf Abschied von Evivo.