Düren: Evivo trennt sich vorzeitig von Söhnke Hinz

Düren: Evivo trennt sich vorzeitig von Söhnke Hinz

„Es kann sein, dass ich mich jetzt vom Spitzensport verabschiede und dass ich deshalb in Zukunft nicht mehr Trainer sein werde”, sagte Söhnke Hinz am Dienstagmittag. Zu diesem Zeitpunkt stand fest: Die Ära des früheren Trainers der deutschen Junioren-Nationalmannschaft dauerte an der Rur nur eine Saison.

Volleyball-Bundesligist Evivo Düren gab am Dienstag bekannt, dass er das Arbeitsverhältnis mit seinem Trainer beende. Sogar vorzeitig, denn der Vertrag zwischen dem dreifachen deutschen Vizemeister und dem Nachfolger von Sven Anton lief noch bis zum Jahr 2014. „So sind die Gesetze im Spitzensport. Die muss man halt akzeptieren”, sagte Hinz. Rüdiger Hein, der Geschäftsführer von Evivo, sprach von „harten, aber sehr fairen Verhandlungen”, die zur vorzeitigen Vertragsauflösung geführt hätten.

Sie war das Ergebnis der wenig befriedigenden Spielzeit 2011/2012. Das Saisonziel lautete Halbfinale, erreicht wurde im letzten Moment die Play-off-Runde. Und in ihr schied das Team mit seinem neuen Trainer im Viertelfinale aus. Der VfB Friedrichshafen war halt eine Nummer zu groß. So war Zeit für die „schonungslose Analyse” gekommen, die Rüdiger Hein nach der Saison mit ihren zahlreichen Enttäuschungen angekündigt hatte.

Es gibt etliche Gründe für die nicht befriedigende Spielzeit. Verletzungspech zog sich wie ein roter Faden durch die Pflichtspielrunde. Die schwerwiegendste betraf Stefan Hübner und führte zum Ende seiner Laufbahn. Sie machte eine Überlegung der Evivo-Verantwortlichen zunichte: Hübner, in seiner besten Zeit einer der besten Mittelblocker der Welt, routinierter Nationalspieler mit vielen Jahren Italien-Erfahrung, sollte nach ihren Vorstellungen dem Trainer-Neuling im Senioren-Bereich mit Rat und Tat zur Seite stehen und auf dem Feld das junge Team führen.

Dieser Plan ging wegen Hübners Verletzung nicht auf. Doch es waren nicht nur die gesundheitlichen Probleme der Spieler, die Hinz immer wieder zu anderen Startformationen zwangen. Hinz erreichte, so belegen Aussagen, an seiner ersten Stelle im Seniorenbereich mit seiner Art die Spieler nicht. Und die Evivo-Verantwortlichen sahen wohl keine Besserung für die Zukunft. Deshalb jetzt die Trennung. Doch auch die Spieler stehen auf dem Prüfstand. Vier haben noch einen Vertrag. Fabian Kohl konzentriert sich nur noch auf das Studium.

Den anderen Akteuren haben die Evivo-Macher gesagt, dass der Kader der kommenden Saison aus zehn Spielern plus zwei Talenten bestehen soll. Wenn der neue Trainer in vier bis fünf Wochen feststeht, wird am Kader gebastelt. Wenn aktuelle Spieler bis dahin einen neuen Verein gefunden haben sollten, „dann sind wir halt zu spät”, sagte ein Evivo-Verantwortlicher. Die Saison hat bei den Verantwortlichen des Klubs, der seit 15 Jahren der Bundesliga angehört, Spuren hinterlassen. Auch wegen der Finanzen.

Der Klub verspürt immer noch die negativen finanziellen Auswirkungen der Champions-League-Teilnahme. Hinzu kommen die finanziellen Aspekte der aktuellen Spielzeit inklusive Vertragsauflösung. Neuer Trainer und neuer Kader müssen in diesen eingeschränkten finanziellen Rahmen passen. Das neue Team soll dennoch die Zuschauer mit seiner Spielweise begeistern. Zu ihnen könnte Björn-Arne Alber gehören: Denn auch der Co-Trainer wird 2012/13 nicht mehr für den Erstligisten tätig sein.