Düren: Eine Sache des Kopfes: Evivo spielt sich an die Tabellenspitze

Düren: Eine Sache des Kopfes: Evivo spielt sich an die Tabellenspitze

Ist Volleyball Kopfsache? Volleyball ist Kopfsache! Nicht nur, aber eben in entscheidenden Situationen - so wie am Samstagabend in der Arena Kreis Düren. Die Volleyballer von Evivo Düren trafen auf Aufsteiger VC Dresden. Und gewannen schließlich 3:0 (25:23, 25:18, 25:17).

Aber zu Beginn trumpfte Dresden groß auf, ließ sich von der Ausgangslage - der Spitzenreiter empfing den Tabellenletzten - nicht irritieren, sondern „machte sein Ding”. Die Annahme erreichte Zuspieler Santino Rost präzise, und der setzte seine Angreifer geschickt ein. Schließlich führte Dresden 21:16 und schien unaufhaltsam auf den Satzgewinn zuzusteuern.

„In der Phase hat Dresden das richtig gut gemacht”, lobte auch Dürens Trainer Michael Mücke den Gast. „Wir haben dagegen keinen Druck in die Aufschläge bekommen.” Düren wirkte insgesamt gehemmt. Sebastian Gevert brachte kaum einen Angriffsschlag durch und wurde - wie schon in Moers - von Peter Lyck Hansen ersetzt. Und Volleyball ist eben Kopfsache!

„Die Erwartungshaltung war natürlich, dass wir Dresden schlagen müssen”, sah Mücke sein Team mental unter Druck. Dresden dagegen hatte nichts zu verlieren - verlor dann aber in wenigen Minuten alles. Denn nach dem 16:21 legte Düren plötzlich den Schalter um. Kämpfte sich heran. Bei 18:21 sah Dresdens Trainer Sven Dörendahl die Gefahr, dass die Partie kippen könnte. Er nahm eine Auszeit.

Der Vorsprung hielt bis zum 23:21, dann brachen alle Dämme. Dürens Aufschläge fanden in Dresdens Annahmespieler Eric Grosche ein Opfer, das die Gastgeber immer wieder unter Druck setzten. Dresden brach auseinander. Peter Lyck Hansen setzte den finalen Schmetterball zum 25:23.

„Das ist das, was mir besonders gefallen hat. Dass wir die Kurve bekommen haben. Der fighting spirit”, beschrieb Mücke die entscheidende Phase des Spiels. Und Hallensprecher Helli Schmitz brachte die Stimmung der 1600 begeisterten Zuschauer auf den Punkt: „Das ist Evivo 2012. Hier wird nichts verschenkt”, röhrte er in sein Mikro. Wie sich nach dem Spiel herausstellte, war die Partie mit diesem Satzgewinn entschieden. Dresden war angeknockt.

Düren nahm dagegen den Schwung mit und führte im zweiten Satz binnen Minuten mit 7:1. Die Körpersprache auf Dresdener Seite war deutlich. Die Köpfe gingen nach unten. Dörendahl sah es, konnte aber nichts mehr ausrichten. „Man kann sich Schwächephasen erlauben. Aber man muss auch wieder aus dem Loch herauskommen. Und das ist uns heute nicht gelungen”, analysierte er den den weiteren, einseitigen Spielverlauf.

Denn außer dem mentalen Vorteil hatte Düren auch die besseren spielerischen Argumente. „Düren ist keine Übermannschaft. Aber den Unterschied heute hat die Annahme ausgemacht”, erkannte Dörendahl an. Libero Blair Bann und der Belgier Dennis Deroey schoben in der Tat einen präzisen Pass nach dem anderen zu Zuspieler Merten Krüger, der nach Herzenslust variieren konnte.

Höhepunkt war Deroeys Ausflug auf die Tribüne - mitten unter die Moskitos - wo er einen Ball rettete, den Evivo nach etlichem Hin und Her dann auch noch per Block zum Punktgewinn veredelte. Keine Frage, dass Dörendahl den Belgier zum „MVP”, zum wichtigsten Spieler des Abends auf Dürener Seite kürte.

Und Michael Mücke? Der freute sich über den vierten Sieg im vierten Spiel und ärgerte sich nur einmal - als sich der von Düren so gebeutelte Eric Grosche rächte, aus dem Stand (!) einen Ball auf die Dürener Seite schlug, der zwischen mehrere verdutzte Dürener auf den Boden fiel. Aber das wird Mücke seinen Spielern noch austreiben - alles nur Kopfsache!