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Ursula Ramge vor dem EM-Start: Lernen von der Konkurrenz

Ursula Ramge vor dem EM-Start: Lernen von der Konkurrenz

Der deutsche Voltigiersport hat in der Vergangenheit vielfach international Akzente und neue Maßstäbe gesetzt. So wie Kai Vorberg für eine neue Art der Interpretation der Musik in der Kür steht, hat die Bundestrainerin Ursula Ramge mit ihrem Team in den vergangenen Jahren verstärkt das Augenmerk darauf gelenkt, die Pferde übers Jahr optimal zu trainieren, damit sie bei den Championaten nicht nur topfit sind, sondern auch noch Bestnoten für ihre Athleten abholen.

Denn die Pferde erhalten eigene Noten, die Teil der Gesamtnote sind. Doch in einem Aspekt waren die Franzosen in den vergangenen Jahren pfiffiger: „Sie haben für ihre Küren mit einem hauptberuflichen Choreographen zusammengearbeitet. Die Franzosen haben ihre Präsentationen damit wirklich auffällig verbessert“, hat Ramge beobachtet. Während der Know-how-Transfer vorher eher in andere Richtungen stattgefunden hatte, übernahmen diesmal Ramge und Co., was sich bewährt hatte: Mit Mirela Cindric, einer freiberuflichen Tänzerin und Schauspielerin, fanden sie eine Pferdesport-interessierte Fachfrau, die mit den Einzelvoltigierern und den Pas-de- Deux-Sportlern die Küren akribisch überarbeitete und weiterentwickelte. „Da haben alle Beteiligten eine Menge Zeit reingesteckt. Das Ergebnis hat man bei den Weltreiterspielen 2014 in Caen zum ersten Mal sehen können. Ich denke, das hat sich unbedingt gelohnt.“ Alle Athleten waren begeistert, solche Unterstützung zu erhalten, und feilten an ihren Programmen, bis die Köpfe qualmten.

Wird die Choreographie immer ausgefeilter, die Akzentuierung der Musik noch betonter, steigt allerdings auch das Risiko, dass Fehler zu offenkundig werden. Die Voltigierer sind darauf angewiesen, dass das Pferd sich ständig ausbalanciert und sich mit ihnen im Gleichgewicht befindet. Gelingt das nicht, können sich die Höhepunkte in der musikalischen und sportlichen Darbietung verschieben, selbst für den Laien gut sichtbar. Trotzdem versichert die Bundestrainerin: „Unsere Sportler sind immer situativ handlungsfähig. Selbst im Team. Da gibt es Kurzcodes, Absprachen sind während des Wettkampfes immer möglich und auch üblich.“

Die Kunst ist allerdings, dies für den Betrachter so unsichtbar wie möglich zu tun. Das beherrscht das Team aus Neuss-Grimlinghausen in Perfektion. Der amtierende Weltmeister und EM-Titelverteidiger hat seine Kür seit der WM im vergangenen Jahr leicht verändert. Diese war übrigens von Beginn an choreographisch inspiriert durch den französischen Ausnahme-Voltigierer Jacques Ferrari. Die Reise durchs Weltall zurück auf den Heimatplaneten zur Musik der britischen Rockband Muse ist noch ausgefeilter und mit noch mehr Schwierigkeiten gespickt als zuvor. Eigentlich mag die Bundestrainerin gar nicht darauf hinweisen, an welcher Stelle noch mehr „Atem anhalten“ angesagt ist. „Das ist sowieso schon eine Kombination aus wahnsinnig schwierigen Elementen, hervorragenden Wechseln und Aufbauten und insgesamt eine tolle, sehr futuristische Choreographie.“ Dann schiebt sie doch, fast hinter vorgehaltener Hand, hinterher: „Im letzten Block.“

(ust)