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Länderspiel am Tivoli: U21-Trainer Antonio Di Salvo muss improvisieren

Länderspiel am Tivoli : U21-Trainer Antonio Di Salvo muss improvisieren

U21-Trainer Antonio Di Salvo muss im Länderspiel gegen Lettland auf dem Aachener Tivoli vor allem eines: improvisieren. Gleich neun Neulinge stehen im Kader.

Vorsorglich hatte Antonio Di Salvo, Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft, vor ein paar Wochen 25 Spieler nominiert. Das schien ein reichhaltiges Angebot zu sein für einen Lehrgang, in dem zwei EM-Qualifikationspiele stattfinden. Am Freitagabend, 18.15 Uhr, steht auf dem Aachener Tivoli die Partie gegen Lettland an, am Dienstag läuft sein Team bei der punktgleichen Auswahl Israels auf.

Vor dem Anpfiff in Aachen hat der junge Trainer aber schon längst nicht mehr die große Auswahl. Aus dem Trainer ist vor allem ein Telefonierer geworden. In den letzten Tagen gingen so viele Abmeldungen beim DFB ein wie damals unter Bundestrainer Erich Ribbeck. Immer mehr Spieler müssen corona- oder verletzungsbedingt verzichten. Armel Bella Kotchap, Patrick Osterhage (beide VfL Bochum) und Jordan Beyer (Borussia Mönchengladbach) wurden positiv getestet, dessen Mannschaftskollege Luca Netz sagte wegen einer Muskelblessur ab, Kevin Schade (SC Freiburg) und Angelo Stiller (TSG Hoffenheim) fallen angeschlagen aus.

Und das waren nur die Personalien der letzten Stunden. Beim Mittwochstraining fanden sich nur noch 14 Feldspieler ein, so dass der Improvisationstrainer kurzfristig noch Jean-Manuel Mbom (Werder Bremen), Yann Aurel Bisseck (Aarhus GF) und Kilian Fischer (1. FC Nürnberg) auf die Gästeliste schrieb.

Wenn jeder Spieler, der zum ersten Male eine Einladung erhalten hat, am Donnerstagabend ein Lied zur Begrüßung hätte vortragen müssen, wäre der Zapfenstreich durchaus gefährdet gewesen. Im Notkader finden sich gleich neun Neulinge. Di Salvo kann sich an eine solche Absageflut auch nicht erinnern, er bleibt aber zuversichtlich. „Neue Spieler bedeuten auch immer neue Energie, für viele Jungens ist das auch eine Chance, sich zu beweisen. Unser Kader ist stark genug, um die beiden Spiele zu gewinnen.“ Das Team um dem Mainzer Kapitän Jonathan Burkardt ist zumindest gegen Lettland bei den Buchmachern deutlich favorisiert. Auf dem Weg zur EM 2023 darf sich der Titelverteidiger in den letzten vier Partien ohnehin keine Niederlage mehr erlauben.

Ein Spielertyp fehlt im Aufgebot, er würde sich auch nicht nominieren lassen, selbst wenn der Di Salvo noch zwei Dutzend Profis einladen dürfte. Der klassische Mittelstürmer ist beim weltgrößten Sportverband komplett aus der Mode gekommen. Viel zu sehr haben sich die Ausbilder am erfolgreichen spanischen Vorbild orientiert, an Angreifern, die jede Position ausfüllen können. Solche Schulungen der Polyvalenz waren wichtiger als ein Meisterbrief als Strafraumstürmer. „Wir haben diesen Stürmertyp in den letzten Jahren vernachlässigt“, sagt Di Salvo, der selbst früher auch für den FC Bayern auf Torejagd gegangen ist.

Der klassische deutsche Strafraumstürmer fehlt in der Bundesliga, wo die treffsichersten Angreifer wie Robert Lewandowski, Anthony Modeste oder Erling Haarland aus dem Ausland kommen. Und damit fehlt er auch in den Nationalmannschaften. Bundestrainer Hansi Flick testet bei den anstehenden Länderspielen Lukas Nmecha vom VfL Wolfsburg. Der 23-Jährige hat im letzten Jahr die U21 zum EM-Titel geschossen, jetzt soll er im A-Team heranreifen.

In der Nachwuchsmannschaft von Di Salvo könnte nun erstmals sein Bruder Felix starten. Der gebürtige Hamburger ist seit Ende Februar wieder für Deutschland spielberechtigt, nachdem er wie sein Bruder zwischenzeitlich für Englands Nachwuchs-Nationalteams aufgelaufen war. Aber auch seine Premiere ist nach einem Trainingskollision gefährdet. Sein Einsatz entscheidet sich wie so vieles eher kurzfristig. Di Salvo will auf weitere Nachnominierungen verzichten. Vorerst. „Wir bewerten die Lage am Wochenende neu.“