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Aachen: Trottel oder Bösewicht? Neue Doping-Regeln nach Olympia-Desaster

Aachen : Trottel oder Bösewicht? Neue Doping-Regeln nach Olympia-Desaster

Dem Jubel von Athen folgte der Schock im Oktober. Positive Doping-Proben beim irischen Gold-Gewinner Cian O´Connor und beim deutschen Team-Olympiasieger Ludger Beerbaum erschüttern den Reitsport.

In den folgenden Monaten zeigte sich besonders drastisch, wie schlecht und ungerecht das Regelwerk und wie überfordert der Weltverband FEI mit dem Problem war.

Geklaute B-Proben, fragwürdige Freisprüche und Maßregelungen durch den Internationalen Sportgerichtshof sorgten für Verwunderung und Verdruss.

Spät hat die FEI reagiert. Die Pferdesport-Weltmeisterschaft in Aachen ist die erste Groß-Veranstaltung, bei der die neuen Doping- Regeln gelten. Sie sind zum einen differenzierter, unterscheiden zwischen Doping und zwei Klassen von verbotener Medikation. Zum anderen sind die Strafen verschärft.

„Wir greifen die Spitzen des Ehrgeizes ab”, sagt Günter Eisenhardt, der in Aachen als Veterinär für die Dopingproben zuständig ist. Mehr als fünf Prozent der Pferde werden bei der WM kontrolliert. Auf jeden Fall in die Kontrolle kommen die drei Medaillengewinner jedes Wettbewerbs.

Die ausgewählten Pferde werden in eine abgetrennte Box geführt. Der Tierarzt geht mit, ausgerüstet mit einem großen Plastikbecher an einem Stab für die Urinprobe.

Das geht nicht immer auf Kommando. „Bis zu einer Stunde warten wir”, erklärt Eisenhardt. Wenn dann nichts kommt, bleibt es nur bei der Blutprobe. Um es Betrügern möglichst schwer zu machen, werden die Zugänge zu den Stallungen rund um die Uhr streng bewacht. Die Pferde dürfen das Turniergelände nicht verlassen.

Jede Behandlung während der WM muss von einer Kommission genehmigt werden. Hätte zum Beispiel Ludger Beerbaum die Behandlung seines Pferdes Goldfever bei den Olympischen Spielen in Athen angemeldet, hätte das deutsche Team die Goldmedaille nicht verloren.

So stand er später zwar nicht als Betrüger, aber als Trottel da. Ein klassischer Fall von Sportbetrug war hingegen der Ire O´Connor, der seine Goldmedaille wegen des Einsatzes von Psychopharmaka aus der Humanmedizin zurückgeben musste.

Bei der Behandlung von leicht angeschlagenen Pferden zeigt sich eine Besonderheit des Reitsports: Es gilt die Null-Lösung. Kranke oder verletzte Pferde dürfen behandelt werden, aber im Wettkampf darf keine Spur von Medikamenten im Körper sein. Es gibt, anders als im Humansport, keine Grenzwerte.

Sieben bis vierzehn Tage dauert es, bis das Ergebnis aus dem FEI- Labor in Paris vorliegt. Erfahrungsgemäß sind im Schnitt drei Prozent der Proben positiv. Ein Beispiel, welche Mittel die reitenden Betrüger nutzen, erklärt Tiermediziner Eisenhardt: „Ein Pferd, das im Wettkampf übernervös ist, wird mit Tranquilizern beruhigt, damit es sein Programm abspulen kann.” So war es auch bei O´Connor.

von der Reit-WM