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Aachen/Stolberg: Triathlon-WM auf Hawaii: Ein Wettkampf, der Lohn für alle Strapazen ist

Aachen/Stolberg : Triathlon-WM auf Hawaii: Ein Wettkampf, der Lohn für alle Strapazen ist

Ein Triathlon besteht aus Schwimmen, Radfahren und Laufen, das ist schon immer so, seit den Anfängen des Sports in den 70er Jahren. Und wahrscheinlich gehört es genauso lange zu diesem Sport, dass sich Triathleten vor einem Rennen überlegen, wie sie sich denn belohnen können, wenn sie die Strapazen wieder einmal überstanden haben.

Mit Süßem, einem Bier, einem Urlaub, solchen Sachen. Hat auch Arndt Bleimann schon gemacht. Nach 3,86 Kilometern im Wasser, 180 Kilometern auf dem Fahrrad und dem Marathon über 42,2 Kilometer; nach neun, zehn oder auch elf Stunden, so lange dauert eine Langdistanz. Da ist eine Belohnung ja auch angebracht.

Bleimann, 45 aus Stolberg-Mausbach, hat bereits 13 Triathlons über die Langdistanz bestritten, am Samstag steht sein 14. an, aber diesmal ist etwas anders. Er hat sich keine Gedanken machen müssen, was er sich nach dem Wettkampf denn gönnen könnte.

Das hat nichts damit zu tun, dass er sich nicht belohnen will, es liegt am Rennen, das ansteht: die Triathlon-WM auf Hawaii. Bleimann sagt: „Die größte Belohnung ist es, bei diesem Rennen dabei zu sein.“ Der Athlet des Brander SV geht zum ersten Mal beim Ironman auf Hawaii an den Start, dem sogenannten Mekka der Triathleten.

Für die Ausdauersportler ist der Wettkampf auf der Insel im Pazifik das größte, was sie in ihrer Karriere erreichen können, jeder will mal dabei gewesen sein. Profis wie der Deutsche Jan Frodeno, aber auch Amateure wie Bleimann und drei andere Athleten aus der Region ( Infobox). Insgesamt werden rund 2000 Sportler an den Start gehen. Bleimann sagt: „Ein Mythos.“

Seit 2007 ist er Triathlet und trainiert eigentlich in jeder freien Minute. Bevor er zur Arbeit bei der Stadtverwaltung Baesweiler fährt, nach Feierabend, bevor er Zeit mit der Familie verbringt. Bleimann sagt: „Triathlon ist nicht nur eine Sportart, es ist so etwas wie eine Lebenseinstellung.“ Zu der eben auch der Traum vom Start auf Hawaii zählt. Ein Traum, der in den vergangenen Jahren für Arndt Bleimann auch schon mal geplatzt ist.

Er hat seit 2013 mit strukturiertem Training versucht, sich zu qualifizieren, das war das große Ziel. Einfach ist das nicht, in keiner der einzelnen Altersklassen: Triathlon ist beliebter geworden, die Zahl der Qualifikationsrennen gestiegen, aber die Zahl der Startplätze auf Hawaii ist gleichgeblieben. Was bedeutet, dass ein Sportler bei einem Rennen in der Regel mindestens unter die besten Zehn seiner Altersklasse kommen muss, um teilnehmen zu können. Drei Jahre in Folge ist Bleimann gescheitert, einmal haben weniger als fünf Minuten gefehlt, einmal weniger als drei. „Das war frustrierend“, sagt er. „Aber die Freude ist geblieben.“

Erst der Einbruch, dann die Quali

Auch nach dem Ironman in Südafrika im Frühjahr: Da lag Bleimann zur Hälfte des Marathons auf Platz zwei seiner Altersklasse 45, er hatte das ungebliebte Schwimmen ganz gut absolviert, danach hatte sich der starke Radfahrer an die Spitze herangefahren. Die Qualifikation war ganz nah — bis Bleimann einbrach. Am Ende wurde es Platz 12, wieder nur zwei Plätze und wenige Minuten am WM-Ticket vorbei. „Unglaublich bitter“, sagt er.

Und dennoch fand Bleimann noch einmal die Motivation für einen erneuten Versuch, meldete sich für den Wettkampf in Zürich an, trainierte wieder für sein Ziel. Doch dann zwickte ein paar Tage vor dem Rennen die Wade. Bleimann fuhr trotzdem in die Schweiz, „obwohl ich dachte, dass es keinen Sinn machen würde“. Ohne Druck, aber „mit freiem Kopf“ schaffte er es auf Platz zehn in seiner Altersklasse. Plötzlich qualifiziert. Bleimann sagt: „Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.“

Jetzt also Hawaii. Viel hat sich Bleimann nicht vorgenommen; er will das Rennen genießen. Und ins Ziel kommen, am liebsten wenn es noch hell ist, gut elf Stunden hat er dafür Zeit. Könnte klappen, Bleimann wird alles geben. Danach macht er noch zwei Wochen Urlaub auf Hawaii, mit der Familie. Eine „unsportliche“ Belohnung.