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Freiburg/Köln: Trauer, Stolz und Zukunftsplanung beim 1. FC Köln

Freiburg/Köln : Trauer, Stolz und Zukunftsplanung beim 1. FC Köln

Als der Abstieg nach der am Ende dramatischen 2:3-Niederlage beim SC Freiburg besiegelt war, gingen die Kölner Spieler unterschiedlich mit dem Schicksal um, das sich seit Wochen oder Monaten mehr als angedeutet hatte. Jonas Hector und Marco Höger sanken nach dem Schlusspfiff zu Boden, ihnen standen wie Dominic Maroh oder Dominique Heintz Tränen in den Augen.

Claudio Pizarro, Yuya Osako und Jhon Córdoba stürmten sofort in Richtung Kabine, doch alle anderen Spieler schlurften schweren Schrittes in Richtung des Kölner Fanblocks. Dort wurden sie aber nicht mit Beschimpfungen und Pfiffen empfangen, das Gegenteil war der Fall. Für die Absteiger gab es Applaus, und kölsches Wohlfühl-Liedgut war zu hören.

Kämpft nach dem Schluspfiff mit seinen Tränen: Marco Höger.
Kämpft nach dem Schluspfiff mit seinen Tränen: Marco Höger. Foto: dpa

Abschied mit Würde

„Nach dem Spiel ,En unserem Veedel‘ zu hören, ist kaum in Worte zu fassen. Sowas gibt es in Fußball-Deutschland nur noch ganz selten“, zeigte sich Torwart Timo Horn bewegt. „Das hätte ich so nie erwartet. Das war sehr schön. Davor kann man nur den Hut ziehen. Das müssen wir zurückzahlen“, befand Mittelfeldspieler Höger. Und Trainer Stefan Ruthenbeck war stolz auf Anhänger: „Die Fans sorgen dafür, dass wir mit Würde abgestiegen sind.“

Einen Tag nach dem feststehenden Abstieg lobte Armin Veh das Verhalten der Kölner Anhängerschaft. „Das tat uns allen gut. Diese Reaktionen sind sicherlich nicht der Normalfall und machen diesen Klub aus. Es geht dem Klub besser, wenn wir eine echte Einheit sind. Wir können darüber glücklich sein, aber für uns ist das auch eine große Verpflichtung. Wir müssen das den Fans zurückzahlen“, sagte der Geschäftsführer Sport. Dass die Kölner den Untergang zelebrieren, dieses Gefühl habe Veh auf keinen Fall. „Überhaupt nicht. Wenn man Romantiker ist, dann ist das doch genau das, was man sich in solch einer Situation wünscht.“

Aber die Verantwortlichen wollen auch ihre Lehren aus dem Absturz nach Platz fünf in der vergangenen Saison ziehen. „Natürlich analysieren wir das ganz genau. Aber ich lebe im Jetzt und denke an die Zukunft und will mich nicht zu lange mit der Vergangenheit aufhalten. Ich bin auch erst seit Dezember hier“, will sich Veh nicht an der Suche nach Schuldigen beteiligen. Aber natürlich sei es logisch, dass es nicht einfach so weitergehen könne. „Ein Umbruch wäre auch verkehrt, aber wir wollen nicht alle Spieler halten. Wir brauchen frisches Blut“, kündigte Veh an.

Vier Neuzugänge gehandelt

Vier Neuzugänge werden beim FC bereits gehandelt: Mittelfeldspieler Louis Schaub (23, Rapid Wien), die Innenverteidiger Lasse Sobiech (27, St. Pauli) und Rafael Czichos (27), der unter dem neuen FC-Trainer Markus Anfang bei Holstein Kiel Kapitän ist. Und von RB Leipzig soll Rechtsverteidiger Benno Schmitz (23) kommen. Zwei weitere Transfers dürfte es zudem noch geben, im Gegenzug werden mindestens sieben Spieler Köln verlassen.

Die Verträge von Claudio Pizarro und Dominic Maroh laufen aus und werden nicht verlängert. Pawel Olkowski spielt seit Wochen keine Rolle mehr. Frederik Sörensen kann bei einem passenden Angebot gehen, Lukas Klünter offenbar auch. Bei Yuya Osako deutet ganz viel auf Abschied hin. „Ich muss erst mit Armin Veh sprechen, dann sehen wir weiter. Ja, ich habe auch andere Optionen“, sagte der Japaner nach der Partie in Freiburg. Dominique Heintz könnte seine Ausstiegsklausel ziehen, Leonardo Bittencourt ebenfalls. Um den Flügelspieler will Veh allerdings kämpfen, doch bei Anfragen wie des von Champions-League-Aspirant Hoffenheim dürfte das aber schwierig werden. Jannes Horn liebäugelte zwar bereits mit einem Wechsel, könnte aber vielleicht doch bleiben. Sein Vertrag beim FC läuft jedenfalls noch bis 2022.

Timo Horn, Jonas Hector und Marco Höger haben sich bereits zum FC bekannt — ein erstaunliches Signal. Marcel Risse wird dies voraussichtlich in dieser Woche ebenfalls tun. „Wir haben in der nächsten Saison gute Voraussetzungen“, sagt Veh, mahnt aber auch: „Ein Selbstgänger wird die Zweite Liga ganz sicher nicht.“