Aachen: Trainer Kilic nimmt sein Team ins Gebet

Aachen : Trainer Kilic nimmt sein Team ins Gebet

Wenn denn die Rolle des „12. Mannes“ nicht traditionell an das Publikum vergeben würde, wäre die Rolle auch Tobias Lippold auf den Leib geschneidert. Alemannias Mittelfeldspieler ist seit Saisonbeginn ein Grenzgänger zwischen Ersatzbank und Spielfeld. Gegen Borussia Dortmund II nutzte er zuletzt einen vierminütigen Einsatz zu einem feinen Tor.

Und da der zentrale Mittelfeldspieler David Pütz am Samstag beim Wuppertaler SV (14 Uhr) gesperrt ausfällt, könnte der „12. Mann“ beim Verfolgerduell wieder in die Startformation rutschen. Zumal Lippold im Hinspiel den wohl schönsten Saisontreffer mit einem fulminanten Weitschuss erzielte. Es ist bislang keine einfache Saison für den 24-Jährigen: Mal stören eigene Verletzungen, mal verhindert die konstant gute Form der Konkurrenten im Mittelfeld den Startplatz.

„Zuletzt gegen Oberhausen habe ich dann die Chance auch nicht so genutzt“, ist er selbstkritisch. Lippold hat bei seinen 15 Einsätzen bislang sieben Gelbe Karten eingesammelt. Die Strafmandate seien kein Ausdruck des Frustes, sagt er. „Ich bin mir nicht zu schade für ein taktisches Foul, wenn es der Mannschaft nutzt. Mir ist es egal, ob ich vier, sieben oder 13 Gelbe Karten am Ende der Saison gesammelt habe, wenn wir Erfolg haben.“

Ob Lippold Samstagnachmittag beim Anpfiff im Stadion am Zoo auf dem Platz steht, ist offen, sagt sein Trainer. Denn das Training am Donnerstagnachmittag hat für einige Konjunktive gesorgt, nach der Larifari-Einheit ist Fuat Kilic ins Grübeln gekommen. „Wer selbstzufrieden davon ausgeht, dass wir ohne entsprechende Zweikampfführung bestehen können, ist auf dem Holzweg.“ Alemannias enttäuschter Trainer nahm seine Spieler noch am Abend ins Gebet.

Er verstand das als Weckruf für eine Mannschaft, die seit Saisonbeginn durchaus seriös unterwegs ist. „Wir müssen uns straffen“, warnt Kilic eindringlich vor einem Gegner, der noch am vergangenen Wochenende Ligakrösus Viktoria Köln fast eine verdiente Niederlage beigebracht hatte. Kilic will die Sinne schärfen vor den entscheidenden Wochen. Denn plötzlich ist ein bisschen Fantasie aufgekommen. Die in großer finanzieller Not zusammengestellte Mannschaft entdeckt unerwartet den Norden der Tabelle. „Wer nicht versteht, dass wir eine einmalige Chance haben, dem ist nicht zu helfen“, sagt der Trainer des Tabellendritten. Schon ein Platz auf dem Podest am Saisonende wäre ein überragender Erfolg, sagt Kilic, der bis Mitte April die Rückmeldungen der Spieler erwartet, wie sie ihre berufliche Zukunft planen.

Lippold & Co. mögen die Verfolgerrolle. „Es macht Spaß, die anderen zu ärgern“, sagt der Mittelfeldspieler, der vor der Saison von Fortuna Düsseldorf II nach Aachen wechselte. Die Aufstellung der bislang besten Rückrundenmannschaft ist diesmal ein Rätsel. Mergim Fejzullahu kehrt in die Startformation zurück, so viel steht fest. Die übrigen Patienten Tobias Mohr, Marcel Damaschek, Junior Torunarigha und Karim Kucharzik trainieren wieder dosiert mit dem Team, ein Einsatz ist auch in der nächsten Woche noch nicht vorgesehen. Kurzfristig fällt für die Wuppertal-Partie auch noch Severin Buchta mit Knöchelproblemen aus.

Mögliche Aufstellung: Depta - Heinze, Hackenberg, Fiedler - Pluntke - Fejzullahu, Kühnel, Lippold, Azaouaghi - Mickels

Schiedsrichter: Alexander Busse (Leichlingen)

Bilanz: 47 Spiele/24 Siege/10 Remis/13 Niederlagen/ 78:62 Tore

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