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Istanbul/Mönchengladbach: Ter Stegen&Co. müssen noch nicht zittern

Istanbul/Mönchengladbach : Ter Stegen&Co. müssen noch nicht zittern

Um 20.48 Uhr am Donnerstagabend begann in Mönchengladbach das große Zittern. Dafür war aber nicht das „Tief Karin“ verantwortlich. Eher die Hochs von Christofer, Amin, Tolga und Julian. Mönchengladbachs Torhüter Marc-André ter Stegen, Juan Arango, Havard Nordtveit und Tony Jantschke hatten den famosen 3:0-Sieg ihrer weniger namhaften Kollegen bei Fenerbahce Istanbul im Fernsehen verfolgt: Waren die Stammplätze der „Zurückgebliebenen“ in Gefahr?

In Wirklichkeit natürlich nicht. Ter Stegen & Co. müssen die Konkurrenz von Heimeroth, Younes, Cigerci und Korb nicht fürchten. Der überraschend glatte Erfolg am Bosporus war für die Beteiligten vor allem aus Borussias zweiter Reihe zwar ein Märchen aus 1001 Nacht. Sportlich aber ist das Spiel, in dem es tabellenmäßig um nichts mehr ging, nur schwer zu bewerten. Auch Aykit Kocaman würfelte sein Team bunt durcheinander. Sein Mönchengladbacher Kollege aber verkündete sibyllinisch: „Ich habe interessante Dinge gesehen.“

Vielleicht meint Lucien Favre ja den Auf- und Antritt von Amin Younes als perfekte Vorbereitung zum 3:0 durch den eingewechselten Luuk de Jong. Der 19-Jährige bringt an guten Tagen die Leichtigkeit ins Spiel, die der Borussia seit dem Weggang von Marco Reus so oft fehlt. Doch für das Leichtgewicht (67 kg/1,68 m) könnte mangelnde Spielpraxis ein Hindernis sein, um ein Fußball-Schwergewicht zu werden. Sein Vertrag läuft aus, und wie bei derartig hoch veranlagten Nachwuchsspielern üblich, denkt Sportdirektor Max Eberl an eine Vertragsverlängerung mit Ausleihe.

23,8 Jahre betrug der Altersdurchschnitt der Gladbacher Startelf. Wenn das 3:0 denn also ein Beweis für Qualität war, dann für die gute Jugendarbeit des Traditionsvereins. Diese auf Europa-Ebene zu testen, war nicht ohne Risiko. Und so darf man Max Eberl glauben, wenn er bemerkt: „Auch ich war gespannt.“

Glücklich mit der Aussicht, dieses Gefühl in den nächsten Spielen (anders als viele Mit-Sieger) ausbauen zu können, ist Luuk de Jong. Nur elf Minuten nach seiner Einwechslung scorte der Niederländer in bester Torjägermanier. „Ich habe mein Knie nicht gespürt und konnte beschwerdefrei spielen“, frohlockte der 22-Jährige. „Dass ich ein Tor gemacht habe, ist natürlich umso schöner. Mir geht es gut — ich bin einfach glücklich.“

Der überzeugende Sieg nach einem verkorksten Start in die Europa League vertrieb denn auch letzte Zweifel, auf dieser Ebene (noch) nichts zu suchen zu haben. „Wir haben die direkten Vergleiche mit allen drei Gegnern gewonnen“, wertet Eberl den zweiten Tabellenplatz noch auf.

Das dürfte auch eine Warnung für die künftigen Gegner vom Schlage FC Liverpool oder FC Chelsea sein (siehe Info-Kasten). Der FSV Mainz 05 benötigt diese nicht — Trainer Thomas Tuchel ist bekannt für seine gute Vorbereitung, die allwöchentlich in einen ausgefeilten Matchplan mündet. Der kann aber für das Spiel am Sonntag (15.30) nicht von ermatteten Helden ausgehen. Vorsorg-lich gönnte Tuchel denn seinen Spielern am Dienstag auch noch einen zusätzlichen freien Tag.

Er selbst blieb geistig zumindest sehr aktiv, was sich in gekonnten Formulierungen niederschlägt: „Wir können uns wünschen, Sechster zu bleiben, aber das hilft uns nicht. Nur Willensziele helfen.“

So könnten sie spielen: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Marx - Ring, Arango - Herrmann, de Camargo

(bsc)