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Hannover: „Staatsfeind” Boll fordert China heraus: WM-Medaille fehlt mir noch

Hannover : „Staatsfeind” Boll fordert China heraus: WM-Medaille fehlt mir noch

Europameister Timo Boll plant den Angriff auf die Tischtennis-Weltmacht China. Der Weltranglisten-Dritte aus Gönnern, der die Zelluloidball-Künstler aus dem Reich der Mitte schon mehrfach ärgern konnte, will bei der Weltmeisterschaft in Zagreb auf das Siegerpodest.

„Eine WM-Medaille fehlt mir noch, das ist mein Ziel”, sagte Boll vor dem Turnier-Auftakt am Montag. Mutig schickte Chinas „Staatsfeind” ein Signal an die favorisierten Asiaten: „Ich bin fit, motiviert und guter Dinge.”

Die 50 Tage nach seinem dreifachen EM-Triumph in Belgrad hat der 26-jährige Linkshänder zu einer individuellen WM-Vorbereitung genutzt. Im heimischen Höchst im Odenwald waren unter anderem Ex- Weltmeister Werner Schlager (Österreich) und der WM-Dritte Michael Maze (Dänemark) seine Trainingspartner.

Im Düsseldorf Tischtennis- Zentrum übte Boll auch mit dem EM-Zweiten Wladimir Samsonow aus Weißrussland. Allerdings hat der deutsche Meister seit Wochen keinen Wettkampf mehr bestritten. „Ein kleines Turnier vor der WM wäre nicht schlecht gewesen”, meinte der Europameister.

„Die chinesische Mauer wird massiv sein und aus mehr Steinen als bei Olympia bestehen”, betonte Dirk Schimmelpfennig, Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Sowohl bei den Herren als auch bei den Damen darf China, das 2005 alle fünf WM-Titel holte, jeweils sieben Aktive ins Rennen schicken.

Auch die Südkoreaner, die noch nie einen Einzel-Champion stellten, und die Japaner sind zu beachten. „Ich gehe mit größtem Respekt gegen jeden Gegner an den Tisch”, versicherte Boll. Ein Fiasko wie bei der WM 2003 in Paris, als er in Runde zwei scheiterte, will er unbedingt vermeiden.

Auch die Chinesen haben großen Respekt vor Boll. Dem DTTB fällt es immer schwerer, geeignete Sparringspartner zu verpflichten. Der gebürtige Chinese Tan Rui Wu vom Bundesligisten Würzburg, der international für Kroatien spielt, fehlte als einziger Kroate beim gemeinsamen WM-Vorbereitungslehrgang mit dem DTTB-Team in Rotenburg/Fulda.

„Möglicherweise gab es da einen Anruf aus Peking”, vermutete Herren-Bundestrainer Richard Prause. Das DTTB-Trainerteam ist auf mögliche Duelle gegen die Top-Chinesen Wang Liqin, Wang Hao und Ma Lin bestens vorbereitet. „Wir reisen mit voll gepackter Festplatte nach Zagreb”, erklärte Schimmelpfennig.

Medaillenchancen besitzt Boll, der an diesem Samstag einen Tag später als die anderen Team-Mitglieder anreist, auch im Doppel mit Christian Süß (Düsseldorf). Vor zwei Jahren gewannen sie bereits WM- Silber, vor sieben Wochen in überzeugender Manier EM-Gold.

„Ein spezielles Doppel-Training brauchen wir nicht, wir harmonieren auch so ganz gut”, unterstrich Süß großes Selbstvertrauen. Der EM-Dritte Dimitrij Ovtcharov (Tündern) schaut wie die meisten der elf deutschen WM-Teilnehmer von Runde zu Runde. „Ich möchte besser als mein Platz in der Setzliste abschneiden”, sagte der 18-Jährige.

Für die DTTB-Damen um Nicole Struse, Wu Jiaduo (beide Kroppach) und Elke Wosik (Busenbach) hängt die Messlatte sehr hoch. Die besten 20 Spielerinnen der Weltrangliste sind gebürtige Asiatinnen.

„Es wird schwer, überhaupt die Runde der letzten 16 zu erreichen. Aber wir wollen ein gutes Turnier spielen”, sagte Damen-Coach Jörg Bitzigeio. Er bereitete sich mit seinem Team in Kroatien auf das WM-Turnier vor, das am Pfingstsonntag in Zagreb endet.