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Aachen: Springreiterin Laura Klaphake überzeugt mit Leistung und Ausstrahlung

Aachen : Springreiterin Laura Klaphake überzeugt mit Leistung und Ausstrahlung

Vor ein paar Tagen fand das Schützenfest in Mühlen statt. Die Bruderschaft hat keine Nachwuchsprobleme, mehr als jeder dritte der 2400 Einwohner ist Mitglied. Prominente wie Paul Schockemöhle oder der ehemalige FDP-Chef Philipp Rösler kommen vorbei, wenn gefeiert wird. Und Laura Klaphake. „Das ist jemand, der einfach Lebensfreude und Persönlichkeit ausstrahlt“, sagt Reinhard Böckmann, der Präsident der Bruderschaft, über die Springreiterin.

Die 24-Jährige war natürlich beim Schützenfest dabei. „Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt“, sagt Böckmann, und Klaphake unterstreicht diesen Satz. Sie ist viel unterwegs in der Welt, „aber ich kenne meine Wurzeln“, sagt sie. Ihre ältesten Freunde hat sie bereits im Kindergarten kennengelernt. Wenn sie ihre Freunde im Schützenzelt trifft, geht es manchmal um ihren Sport, aber sehr häufig um die alten Geschichten, die sie verbinden.

Am Montagmorgen hat die 24-Jährige den Transporter mit ihren vier Springpferden schon am ganz frühen Morgen aus Mühlen in Richtung Aachen gelenkt. Sie kommt bereits zum vierten Mal zum CHIO, und jedes Jahr ist sie ein bisschen berühmter geworden. Sie hat viel Vorfreude eingepackt. Es gibt viele tolle Turniere findet sie, „aber Aachen schwebt noch mal darüber. Nirgendwo ist das Interesse so groß“.

Für keine andere Athletin wurden beim ALRV so viele Interviewwünsche hinterlegt wie für die Springreiterin, sagt Turniersprecher Niels Knippertz. Die ARD kreist auch in Aachen regelmäßig mit Kameras um sie, die Dokumentation wird im nächsten Jahr ausgestrahlt. Die Reiterszene ist gerade im Umbruch, die fröhliche Laura Klaphake könnte das neue Gesicht werden.

Der Terminkalender in der CHIO-Woche ist gut gefüllt, sie startet mit ihren Pferden in nahezu jedem Wettbewerb. Selbst für die Eröffnungsfeier ist sie gebeten worden, mit der chinesischen Kollegin Mei Mei Zhu kurz zu sprechen. „Das ist mir eine große Ehre“, sagt sie. Das ist nicht nur eine Floskel. Also zieht Karli die beiden Amazonen in einer Rikscha auf den Reitplatz. Dem Maskottchen gehen die Kräfte aus, am Ende schieben die Reiterinnen die Rikscha selbst nach Hause.

Träume sind Wirklichkeit geworden

Laura Klaphake gehört zu den Hauptdarstellern des Turniers. Als sie klein war, hat sie die TV-Zeitschriften immer daraufhin untersucht, wann ein großes Turnier übertragen wird. Die Ehnings und Beerbaums ritten schon damals über den Bildschirm, aber was ihr zudem haften geblieben ist, war das Publikum, „weil es so mitfiebert“. Das wollte sie einmal selbst erleben, das war ihr Traum. Die sportlichen Träume der immer noch jungen Athletin sind schnell Wirklichkeit geworden. Einmal sich für Aachen qualifizieren, einmal im Nationenpreis, einmal bei einem Championat für ihr Heimatland starten. Das alles hat sie mit 24 Jahren bereits geschafft. Wenn man ihre Karriere als Zahlenstrahl aufzeichnen würde, wäre das eine ziemlich steile Gerade.

„Die jungen Leute haben noch nicht erfahren müssen, dass der Sport auch sehr hart sein kann“, sagt Otto Becker. Der Bundestrainer hatte sie für den Nationenpreis nominiert. „Vielleicht hilft uns ihre Unbekümmertheit weiter“, hatte der 59-Jährige gehofft. Als die Unbekümmerte mit zwei fabelhaften Nullrunden dem Team zum Sieg verholfen hat, fallen ihr nicht so viele Worte ein, sie ist überwältigt und erwähnt immer wieder diesen „Traum“, den sie gerade erlebt.

Bevor sie mit „Catch me if you can“ einreitet, gibt sie der Stute einen Glückskuss auf den Hals. Das ist ihr Ritual, wenn es in den Stangenwald geht. Dort bewegt sie sich erstaunlich gelassen, wenn die Objektive sie heranzoomen, sieht man eine sehr fröhliche Athletin. „Ich habe unheimlichen Spaß, weil die Pferde sehr für mich kämpfen“, sagt sie. „Sie bringen mich immer wieder zum Lachen.“ Es sind Freundschaften entstanden, aber eine dieser Freundschaften ist ziemlich abrupt im Frühjahr beendet worden.

Im Februar hat Paul Schockemöhle, für den sie reitet, Silver­stone verkauft. Sie hat ihn fast vier Jahre lang an die großen Springen herangeführt, feierte mit dem Wallach ihren bislang größten Erfolg, als sie 2017 mit ihm Deutsche Meisterin wurde. Nun ist Silverstone nach Tschechien verkauft, und seine ehemalige Reiterin trauert ihm nach. „Für Leute außerhalb des Sports klingt das komisch: Aber er war ein Freund, wenn es mir mal nicht gut ging, bin ich zu ihm in den Stall gegangen.“ Jetzt ist Catch me ihr bestes Pferd im Stall. Ende des Jahres steht ein Gespräch über die weiteren Pläne für die Oldenburger Stute an.

Schockemöhle betreibt einen Pferdehandel, und die besten Pferde im Stall sind begehrt. Sie kennt das Geschäft. Ihr Vater Joseph ist seit 25 Jahren bei Schockemöhle leitend angestellt, er betreut die Kunden im Stall und auf dem Trainingsplatz auch seine eigene Tochter. Mama Gaby gibt nicht nur Unterricht, sondern nimmt ihrer Tochter auch hier und da mal ein Pferd ab. Die Klaphakes sind leidenschaftliche Pferdeleute, selbst die Großeltern reiten mit ihren 80 und 81 Jahren noch nahezu täglich. Lauras kleiner Bruder Enno ist auch erfolgreich im Pferdesport unterwegs, nur Bruder Felix kann mit Pferden weniger anfangen und studiert in Amsterdam. Ihre Mutter erzählt, dass Laura schon als Kind auf einem Pony saß, als sie nicht einmal richtig laufen konnte. Mit gerade mal elf Jahren nahm sie an den Europameisterschaften für Ponyreiter teil, und mit 13 Jahren gewann sie die Deutsche Meisterschaft der Ponyreiter.

Wenn Laura Klaphake in Aachen einen Personalbogen für die Akkreditierung ausfüllen müsste, würde sie Studentin als Beruf angeben. „Ich bin Hobbyreiterin“, sagt sie. Ihre Eltern haben sie angehalten, „etwas Vernünftiges“ zu lernen. „Das erhält auch die Leidenschaft für die Pferde“, sagt ihre Mutter. Gaby Klaphake sagt auch, dass ihre Tochter „unglaublich konzentriert und ehrgeizig ist, bei allem was sie macht“. Manchmal müssen sie Laura sogar ein bisschen einbremsen.

Klaphake ist im Galopptempo unterwegs

Der Tag wird aufgeteilt, die erste Hälfte gehört den Vierbeinern, die zweite der beruflichen Ausbildung. Mittlerweile hat das Organisationstalent ein Masterstudium des Immobilienmanagements als Fernstudiengang an der Uni Bochum begonnen. Ihren Bachelor hat sie bereits in internationalem Management/Marketing abgeschlossen. Sie ist im Galopptempo unterwegs, das Lernen fällt ihr leicht. Ein Auslandsstudium in Argentinien liegt hinter ihr, seitdem spricht sie Spanisch.

Wo will sie hin? Im nächsten Herbst endet das Masterstudium, verschiedene Praktika sind geplant. Wenn sie sich etwas wünschen könnte, würde sie die Aufteilung beibehalten. „Mein Traum ist, halbtags zu arbeiten, um mich danach um die Pferde zu kümmern. Der Stall ist die Belohnung.“ Berufsreiterin will sie nicht werden. Und planen lässt sich eine Sportart, die vom Tier abhängt, ohnehin nicht.

Bis zu diesem Flutlichtabend war ein 13. Platz im Großen Preis aus dem Vorjahr ihre beste Platzierung in Aachen. Zum Turnier ist sie gekommen, um möglichst viel Spaß zu haben. „Erzwingen kann man ohnehin nichts in unserem Sport.“ Nicht einmal die Qualifikation für das Finale am Sonntag hatte sie in der Tasche, als sie Aachen am Montag ansteuerte. Das ist nun anders. Nach dem Nationenpreis scherzte sie mit ihren Eltern: „Wir sollten nach Hause fahren, besser kann es nicht mehr werden.“ Es wird anders kommen. Sie wird nicht ganz aussichtslos antreten, und sie wird gefeiert werden, das kann man schon vorhersagen. Laura Klaphake erarbeitet sich gerade die Rolle des Publikumslieblings mit feiner Leistung und sympathischer Ausstrahlung.

In der Nacht zum Montag wird sie den Pferdetransporter wieder nach Mühlen lenken. In die Heimat, in der es längst einen Fanklub für sie gibt. „Vergiss die Freunde nicht“, sagt ihre Mutter manchmal, wenn die Tochter sich wieder einmal in ihren Lernstoff vertieft. Das Dorf fiebert mit, wenn die 24-Jährige bei den großen Turnieren startet. Wenn es eine Medaille gibt, schmücken die Nachbarn das Haus der Klaphakes. Mal schauen, wie es am Montagmorgen in Mühlen ausschaut.