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Aachen: Springreiten: Ein guter Auftakt — „und mehr auch nicht“

Aachen : Springreiten: Ein guter Auftakt — „und mehr auch nicht“

Es gibt da einen Spruch, der vor so ziemlich jedem großen Turnier irgendwann von irgendwem gesagt wird, und natürlich ist er auch bei den Reit-Europameisterschaften in Aachen gefallen. Otto Becker hat das in diesem speziellen Fall übernommen.

Bevor Europas beste Springreiter am Mittwoch mit ihrem ersten Wettbewerb in die EM gestartet sind, hat der deutsche Bundestrainer gesagt: „Es ist wichtig, gut in das Turnier hereinzukommen.“ So ein guter Start, der ist wichtig für das Selbstvertrauen, und man braucht ihn natürlich auch, um gute Aussichten auf ein erfolgreiches Ende zu haben.

Für die deutschen Springreiter hat das mit dem Hineinkommen ins Turnier ganz hervorragend geklappt. Beim Zeitspringen um den Turkish-Airlines-Preis sicherte sich die deutsche Equipe gestern vorläufig die Führung in der Mannschaftswertung: Ludger Beerbaum, Christian Ahlmann, Meredith Michaels-Beerbaum und Daniel Deußer liegen mit nur 4,4 Strafpunkten vor Frankreich (5,5) und Großbritannien (6,99). „Mit dem Ergebnis können wir wirklich zufrieden sein“, sagte Beerbaum. „Trotzdem müssen wir uns vor Augen halten, dass noch nicht einmal Halbzeit ist.“ Neben dem Zeitspringen fließen auch die beiden Umläufe des Nationenpreises heute und morgen in die Teamwertung ein.

Routinier Beerbaum hatte auf Chiara das beste Einzelresultat im Zeitspringen abgeliefert; er ritt fehlerfrei auf Platz 2 — geschlagen wurde er nur von Pénélope Leprevost, die ein bisschen flotter unterwegs war. Die Französin und ihre Stute Flora de Mariposa waren schon als Siebte in den Parcours gegangen, es folgten noch 87 Paare, und trotzdem sollte Leprevosts Führung bis zum Ende halten. „Ich wusste, dass ich eine gute Runde geritten bin“, sagte sie. „Dass das für den Sieg reichen würde, damit habe ich aber nicht gerechnet.“ Dritter hinter Leprevost und Beerbaum wurde der Brite Joe Clee auf Utamaro d‘Ecaussines.

Die Ergebnisse im Zeitspringen fließen auch in die Einzelwertung ein, und deswegen können auch die übrigen deutschen Springreiter mit ihrem Auftakt durchaus zufrieden sein. Ahlmann wurde auf Taloubet Achter, Michaels-Beerbaum auf Fibonacci Elfte. Nur Deußer fiel als 22. ein bisschen ab, er war der Einzige im deutschen Team, der sich einen Abwurf leistete und damit auch das Streichergebnis für die Mannschaft lieferte. „Ich bin dennoch im Großen und Ganzen zufrieden“, sagte er. Sein Pferd Cornet d‘Amour sei in guter Form, den Fehler nahm der Reiter voll auf seine Kappe, er habe zu früh eingedreht und sei deshalb zu nah ans Hindernis gekommen. „Ich bin aber ja noch nicht ganz so weit von der Spitze weg“, sagte er.

Es ist noch nichts entschieden, das Tableau ist nur ein Zwischenstand. Schon heute geht es weiter, im ersten Umlauf des Nationenpreis gilt es für das deutsche Team, die Führung zu verteidigen. „Es werden zwei schwere Runden“, sagte Becker. Und Beerbaum fügte hinzu: „Es war ein guter Auftakt für uns — und mehr auch nicht.“