Düren: Spaßvogel Hans Sarpei coacht die Sportfreunde Düren

Düren: Spaßvogel Hans Sarpei coacht die Sportfreunde Düren

Wahrscheinlich gibt es ein paar Dinge, in denen sich Hans Sarpei von Karl-Heinz Strohband unterscheidet, aber jetzt gerade, hier auf diesem Fußballplatz, wird ein Unterschied besonders deutlich, und das ist die Zeit, die sie sich für die Sportfreunde Düren nehmen.

Sarpei steht auf dem Platz, er trainiert die zweite Mannschaft. Dienstag, Samstag und am Sonntag dann das Spiel. Sarpei hat drei Tage. Strohband sitzt neben dem Platz, unter zwei Bäumen, an einem Holztisch, der wirkt als würde er da nicht hingehören. Bei Strohband ist das anders, umgekehrt. Wäre er nicht da, würde etwas fehlen. Er sagt: „Ich bin seit 70 Jahren hier.“

Es kam schon einiges zusammen

Dass Sarpei, 39, Ex-Bundesliga-Profi, Ex-Nationalspieler für Ghana, und Strohband, 81, ehemaliger Spieler in der zweiten Mannschaft der Sportfreunde Düren, Ex-Vorsitzender des Vereins, jetzt Ehrenvorsitzender, mal zur gleichen Zeit auf diesem Fußballplatz stehen würden, damit hat wohl niemand gerechnet, am wenigsten wohl Strohband. Und es musste ja auch einiges zusammenkommen, bis es soweit war.

Die zweite Mannschaft der Sportfreunde, die am Sonntag in der Kreisliga B gegen Borussia Derichsweiler antreten wird, ist eine andere als die, die zu Beginn der Saison auf dem Platz stand. Die ist zurückgetreten, nachdem es zuvor zu Handgreiflichkeiten innerhalb des Teams gekommen war, es folgten Rauswürfe, keine schöne Geschichte.

Die Sportfreunde wollten ihr Team aber nicht zurückziehen, deswegen improvisierten sie eine neue. Die spielt jetzt erst seit ein paar Monaten zusammen und sie hat sich noch nicht ganz gefunden, wie man so sagt. Die vergangenen Partien gingen jedenfalls verloren, nicht irgendwie, sondern 3:7, 0:9, 1:12 und 0:19. Dass sich die Sportfreunde bei Sarpei beworben haben, war auch ein Hilferuf.

„Das T steht für Coach“

Sarpei hat eine Sendung, sie heißt: „Hans Sarpei — das T steht für Coach“. Und so wie der Name ist auch das Format. Manchmal geht es gegen den Abstieg aus der Kreisliga C, manchmal um den Aufstieg in die Bezirksliga und einen bekennend schwulen Torwart, aber immer geht es um Fußball und darum, dass Sarpei eine Mannschaft eine Zeit lang trainiert. Der Ton ist ironisch, und die Sendung macht sich lustig über die, die dort gezeigt werden. Weil dabei aber keine Schmerzgrenze überschritten wird, stehen am Ende einigermaßen liebevolle Feldstudien des deutschen Amateurfußballs.

Eine der kommenden Folgen spielt dann in Düren, und sie wird Szenen zeigen, in denen Sarpei mit der zweiten Mannschaft trainiert. Er hat jetzt ein paar Hütchen verteilt, gelbe hier, rote dort, er spricht nicht viel, aber wenn er etwas sagt, dann sind es Sätze wie: „Komm, komm, komm“, „Ein bisschen Zug rein“, „Bewegen, nicht spazieren gehen, bewegen, bewegen.“ Die Ansagen sind klar, der Ton streng, und dazwischen steht Sarpei oft minutenlang stumm da und beobachtet, die Hände hinter dem Rücken ineinandergelegt.

Die Menschen sehen Sarpei gerne als Spaßvogel, das fängt ja schon bei seinem Namen an. Hans Sarpei. Klingt lustig. Für Sarpei war das eine Steilvorlage, die er gerne genutzt hat. Er heißt nicht nur witzig, er ist es auch, man kann das auf Twitter nachlesen, wo er sehr aktiv ist. Ex-Bundesliga-Profis gibt es viele, aber nur wenigen gelingt es, sich nach der Karriere zur Marke aufzubauen.

Sarpei hat das geschafft. Deswegen hat er nicht nur eine eigene Sendung, sondern auch einen Vertrag als Social-Media-Berater bei einem namhaften Unternehmen. Und weil er auch noch bei einer Tanzshow gewonnen hat, kann schon mal in Vergessenheit geraten, dass Sarpeis Kernkompetenz nach wie vor Fußball ist. Er hat beim DFB eine Ausbildung zum A-Lizenz-Trainer absolviert, betreut an einem der Stützpunkte 14- bis 16-Jährige. Und jetzt gerade eben die zweite Mannschaft der Sportfreunde Düren. Sarpei nimmt diese Aufgabe so ernst, dass er nicht gestört werden will. Fragen? „Jetzt nicht“, sagt er.

Bei Karl-Heinz Strohband ist das anders, er hat jetzt Zeit zu sprechen. Über sein Leben, über den Verein. Eigentlich lassen sich diese Geschichten gar nicht getrennt voneinander erzählen. Bis vor zehn Jahren, sagt Strohband, habe er sich die Spiele aller Sportfreunde Fußball-Mannschaften angeschaut. Er sei sogar auswärts dabei gewesen, Strohband fuhr im Bus mit. Dann starb seine Frau, und seitdem ist der Fußball weniger wichtig. Strohband zog sich aus dem Verein zurück, ein bisschen zumindest. Und auch wenn die Gesundheit es eigentlich gar nicht anders zulässt, fällt es ihm nicht leicht. Strohband öffnet die Arme wie ein Brustschwimmer, schaut über die Sportanlage und sagt: „Mit allem, was Sie hier sehen, habe ich etwas zu tun gehabt.“

Das Beste für die Sportfreunde

Es gibt auch etwas, das Sarpei und Strohband miteinander verbindet, sie beide wollen das Beste für die Sportfreunde Düren. Jeder auf seine Weise, man muss das gar nicht gegeneinander ausspielen. Strohband hat jetzt genug gesehen vom Training, er klaubt den schwarzen kleinen Regenschirm vom roten Holztisch und steht auf. Bevor er geht, erzählt er noch von den Burschen im Verein, die gesagt hätten, das wenn er mal sterben sollte, er ein Grab auf dem Sportplatz bekomme. „Bis Sonntag“, sagt Strohband, denn dann wird er wieder da sein. Zum Spiel.