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Boston: Sonntag der Superlative in den USA: Superbowl elektrisiert die Massen

Boston : Sonntag der Superlative in den USA: Superbowl elektrisiert die Massen

Auf den kommenden Sonntag hat Amerika ein Jahr lang sehnsüchtig gewartet. Es ist Superbowl-Sonntag und ein inoffizieller nationaler Feiertag. Wenn in Miami die Chicago Bears und die Indianapolis Colts um die Krone der National Football League (NFL) spielen, sitzt ein ganzes Land für drei Stunden vereint vor dem Fernseher - so wie jedes Jahr am ersten Februar-Sonntag.

Kein Ereignis elektrisiert die Massen von New York bis San Francisco, vom nördlichsten Alaska bis in das tiefste Texas, mehr als das Endspiel um die Vince-Lombardi-Trophy. In Spitzenzeiten fiebern bis zu 140 Millionen Amerikaner vor dem TV-Schirm mit. In der Rangliste der höchsten Zuschauerzahlen im amerikanischen Fernsehen belegen sechs Superbowls die Plätze eins bis sechs.

Das Sporthighlight des Jahres ist nicht nur auf dem Rasen umkämpft. Die Wirtschaft fiebert dem Ereignis genauso entgegen wie die Fans. Der Superbowl wird nicht nur von Millionen verfolgt, es werden auch Millionen verdient. „Große Marken suchen Massen-Märkte. Und da gibt es nichts Besseres als dieses Ereignis. Das ist die perfekte Werbefläche für unsere Getränke-Firmen, denn der Superbowl ist eine große Party, und auf Partys wird immer viel getrunken”, sagt Gary Hemphill, der als Berater in der Getränkeindustrie arbeitet.

Wenn am Sonntag um 18.30 Uhr (Ortszeit) im Dolphins-Stadion von Miami der Anstoß erfolgt, beginnt auch der Kampf der Getränke-Giganten Pepsi und Coca Cola. Mit Snapple mischt in diesem Jahr noch ein weiterer Mitbewerber mit. Der Werbeblock für den grünen Tee ist im begehrten Schlussviertel platziert, denn dort werden die höchsten TV-Quoten erzielt.

Der Fernsehsender CBS, der das Spiel überträgt und die Werbepausen vermarktet, macht in jedem Fall große Kasse. Eine 30-Sekunden-Reklame kostet diesmal 2,6 Millionen Dollar - so viel wie noch nie. Snapple sieht seinen Spot trotzdem gut platziert. „Nach dem großen Superbowl-Büffet mit Pizza und Chips ist das Schlussviertel ideal für die Botschaft, den Kreislauf mit einem gesunden Getränk anzukurbeln”, meint der Chef des Marketing-Teams, Sean Gleason.

Der Superbowl ist nicht nur ein amerikanisches Großereignis, sondern wird auch weltweit verfolgt. In 232 Länder werden Touchdowns und Fieldgoals live übertragen, 33 Sprachen werden bedient. Für Deutschland berichtet das Erste live aus Miami. Superbowl, das ist neben Sport auch jede Menge Show, verbunden mit großen Namen. Die Nationalhymne singt diesmal Billy Joel, in der Pause hat Popstar Prince seinen großen Auftritt.

Am Sonntag der Superlative sind auch die Kartenpreise überdimensional. Last-Minute-Tickets kosten bei den Agenturen 3200 Dollar. Dabei handelt es sich um die schlechtesten der insgesamt 75.000 Plätze. Auf Höhe der Mittellinie und nah am Spielfeldrand werden 7000 Dollar verlangt - und bezahlt.

Neben Tickethändlern machen die Hotels das große Geschäft. „Das ist das teuerste Wochenende, das es je in Miami gab”, betont Marcio Azevedo, Manager des Bentley Beach Resort. Dennoch waren die Suiten in seinem Hotel für 2000 Dollar pro Nacht schnell ausgebucht. Der Durchschnittspreis am Superbowl-Wochenende beträgt im Bentley Beach Resort 820 Dollar pro Nacht, drei Mal so viel wie normal.

Und um an den footballverrückten Fans richtig zu verdienen, bestehen die Hotels auf einem Übernachtungsminimum von vier Nächten. Trotzdem werden Stadion und Unterkünfte ausverkauft sein. „Die Sonne und das ganze Flair in Miami sind einfach verlockend”, hat Robert Tuckmann festgestellt. Tuckmann hat eine Reiseagentur.

Im Gegensatz zum Vorjahr waren seine Superbowl-Angebote diesmal schnell vergriffen. Aber das wundert Tuckmann nicht, schließlich fand das Endspiel 2006 im kalten Detroit statt. Im Miami hingegen herrscht nicht nur große Vorfreude auf Sonntag, sondern jetzt schon auf den 7. Februar 2010. In 1103 Tagen wird der Superbowl wieder in Südflorida ausgespielt. Dann ist erneut Zahltag.