Mönchengladbach: Simakalas Kampf um seine „Chance“ bei der Borussia

Mönchengladbach: Simakalas Kampf um seine „Chance“ bei der Borussia

Da hängen sie, alle in einem „würdigen“ Rahmen, die Trikots der ehemaligen Nachwuchsspieler von Borussia Mönchengladbach, die den Sprung zum Profi mit Bundesliganiveau oder gar mehr geschafft haben. Eine „Ahnen-Galerie“ von Jünglingen, die den aktuellen Nachwuchs beim Gang raus aus den Kabinen antreiben soll. Ba-Muaka Simakala geht diesen Weg fast täglich.

Der 19-Jährige hat vor wenigen Monaten einen Profivertrag über drei Jahre beim Bundesligisten erhalten. Und der gebürtige Eschweiler spürt und nutzt den visuellen Ansporn, auch wenn sein großes Idol Ronaldinho ist. „Mo Dahoud hängt da inzwischen auch. Mit ihm habe ich noch zusammengespielt.“

Technisch top und torgefährlich: Ba-Muaka Simakala, genannt Chance. Foto: imago/Thomas Frey

Ein passendes Beispiel dafür, wie schnell und steil eine Karriere nach oben gehen kann, und gleichzeitig auch, dass selbst bei einem Ausnahmespieler wie dem syrischstämmigen Mittelfeldmann die fußballerische Entwicklung kein Selbstläufer ist. Dahoud, den zahlreiche Zeitungen schon zu einem der Großklubs wie Manchester City geschrieben hatten, durchschreitet seit einigen Monaten eine sportliche Talsohle.

Nicht deswegen, aber grundsätzlich wäre es für Borussia auch möglich gewesen, die Wände mit außergewöhnlichen Talenten zu pflastern, die den Sprung rauf auf die nächste Ebene eben nicht geschafft haben: eine (M)Ahnen-Galerie sozusagen. Aber auch in die Fußballklubs ist längst die Pädagogik eingezogen: positiv verstärken gilt als am ehesten zielführend.

„Man muss alles dafür geben“, sagt denn auch Ba-Muaka Simakala artig. Der junge Mann mit den kongolesischen Wurzeln steckt gerade in jener diffizilen Phase, in der sich die Spreu vom Weizen trennt. Er trainiert mit den Profis, kommt regelmäßig in der Youth League zum Einsatz. An den „Männerfußball“ in der Regionalliga wird er behutsam herangeführt.

Das ist die Aufgabe von Arie van Lent, in der U23 führt der Klub die herausragenden Nachwuchsspieler heran, denen er eine Zukunft in der Ersten Mannschaft zutraut. „Das ist ein Riesenschritt“, sagt der ehemalige Profi van Lent. „Ba-Muaka Simakala hat alle Möglichkeiten, aber muss hart an sich arbeiten. Die Anpassung an den Seniorenfußball ist extrem hart.“

Es wirkt verblüffend, ist aber kein Widerspruch: Simakala brilliert zum Teil in der Youth League gegen Hochkaräter wie Manchester City oder FC Barcelona, an Duelle mit Wiedenbrück oder Sprockhövel muss er sich aber erst gewöhnen. Mehr Körperlichkeit, Durchsetzungvermögen sind in der vierten Liga gefragt, zum Rüstzeug gehört auch „Defensivfußball, nur schöner Fußball geht nicht“, sagt der U 23-Coach, immerhin Niederländer. Unfähig zur Selbstkritik aber ist sein Zögling nicht. Defizite? „Ab und zu könnte ich mehr laufen“, druckst der 19-Jährige rum.

Doch er hat die Fähigkeiten und das Potenzial, demnächst im Borussia-Park neben Mo Dahoud zu hängen. „Er hat etwas Besonderes“, sagt van Lent, der nicht im Verdacht steht, schnell zur Übertreibung zu neigen. „Er besitzt eine enorme Qualität auf engem Raum, er kann heikle Situationen spieltechnisch lösen, ist sehr stark mit dem Ball am Fuß — eben ein guter Dribbler.“

Das stimmt mit der Selbsteinschätzung des Jungprofis überein. Stärken? „Mit dem Ball natürlich, Eins-gegen-Eins-Situationen.“ Er ist ein Zehner oder Neuneinhalber, eine spielentscheidende Position. Bei Borussia Mönchengladbach für das Bewegungstalent aber auch eine diffizile: Dort tummeln sich in der Schubert-Elf mit Raffael, Thorgan Hazard und auch Lars Stindl Hochkaräter, die den Aufstieg nicht gerade erleichtern. Der nicht ernst gemeinte Vorschlag, sich von van Lent zum Linksverteidiger umschulen zu lassen, bringt ihn zum Lachen. „Neeee, das macht mir keinen Spaß: Ich will Tore schießen.“

Simakala hofft auf mehr Praxis. In der Youth League (vier Spiele in dieser Saison) sind ihm bereits spektakuläre Tore gelungen. Und auch die Einsatzzeiten in der U 23 steigern sich langsam. Das erkennt auch der Jungprofi, der natur- und altersgemäßt etwas ungeduldig ist. „Zuschauen, das tut schon ein bisschen weh“, bekennt Samakala. „Aber ich lasse mich nicht runterziehen.“ Zeichen setzen, wenn er mal wieder eingewechselt wird, „ein Tor erzielen, die Mannschaft zum Sieg schießen“, ist sein Plan. Gegen Wiedenbrück war er nah dran, als er die Latte traf.

Ansonsten bleibt das Training als Bühne. Und das entscheidet sich fühlbar von dem in seinen Jugendmannschaften. „Es ist sehr intensiv. Du musst dich jede Sekunde konzentrieren und immer Vollgas geben.“

Ihm ist klar, dass es keine Garantie dafür gibt, Bundesligaspieler zu werden. In einem Jahr plant er, parallel zum Fußball eine Ausbildung zu beginnen. Auch Ausnahmetalente wie Nico Elvedi, der sich inzwischen zum Stammspieler entwickelt hat, nahmen diesen Weg zur Absicherung. Natürlich ist Simakalas Kontrakt eine Bestätigung seiner Qualitäten. Mehr noch aber eine Verpflichtung und Herausforderung. „Ich will alles dafür tun“, sagt der 19-Jährige tapfer. „Ich muss zeigen, dass ich alles draufhabe. Ich weiß, dass Roland Virkus hinter mir steht.“

Das Vertrauen von Borussias Direktor Jugend und Amateure ist wichtig für Ba-Muaka Simakala. Und sein Dreijahresvertrag ist kein Lorbeer. Der Vorname, den ihm seine Eltern zusätzlich zu dem seines Großvaters gegeben haben, signalisiert die wahre Bedeutung: „Chance“.