Aachen: Sieg gegen Arsenal: International kann der FC weiter gewinnen

Aachen: Sieg gegen Arsenal: International kann der FC weiter gewinnen

Wenn Horst Heldt ein akribischer Arbeiter ist, dann dürfte er am Donnerstagabend im Kölner Stadion gewesen sein, um den 1:0-Sieg des FC gegen Arsenal in der Europa League zu beobachten. Allerdings nicht, um als Sportdirektor von Hannover 96 den nächsten Gegner in der Bundesliga zu scouten, sondern um sich seinen zukünftigen Arbeitsplatz anzuschauen.

Denn nach Medienberichten gilt der 47-Jährige als heißer Kandidat auf die Nachfolge von Jörg Schmadtke — und soll selbst auch reges Interesse an der neuen Aufgabe haben.

Gesehen habe dürfte er ein Team, das so noch nie zusammengespielt hat und wohl auch nicht mehr zusammenspielen wird: Im Vergleich zum Hinspiel, das der FC mit 1:3 verlor, standen fünf neue Spieler in der Startformation. Neben den verletzten Heintz, Höger, Hector und Bittencourt konnte FC-Trainer Peter Stöger auch nicht auf Risse, Zoller und Clemens zurückgreifen, so dass sich die Mannschaft fast von allein aufstellte.

„Elf Spieler bekommen wir schon noch zusammen“, hatte Stöger mit Galgenhumor verkündet, musste gegen die B/C-Auswahl seines Gegenübers Arsene Wenger aber einen weiteren schmerzhaften Rückschlag verkraften: Abwehrchef Dominic Maroh blieb nach einem Zweikampf mit Olivier Giroud im eigenen Fünfmeterraum liegen und signalisierte sofort, er müsse ausgewechselt werden (35.). Auch der 30-Jährige dürfte nun längere Zeit mit einer Oberschenkelverletzung auf der Lazarettliste auftauchen.

Die 90 Spielminuten zwischen den Londonern, die bereits für die K.o.-Runde qualifiziert sind, und den Kölnern, die sich eigentlich nur Selbstbewusstsein für den Überlebenskampf in der Bundesliga erhoffen konnten, waren dagegen weniger aufreibend. Die Gäste wollten nicht recht, das Heimteam konnte nicht recht. So war es zwar FC-Angreifer Jhon Cordoba, der mit einem scharfen Schuss Arsenal-Keeper David Ospina prüfte (6.), die beste Torchance hatten jedoch die Gäste, als Francis Coquelin den Ball an den Torpfosten von Kölns Keeper Timo Horn setzte (30.).

Dass die meisten Arsenal-Angriffe problemlos über die Abwehrseite von Freddy Sörensen vorgetragen wurden, ist für Stöger zumindest im Hinblick auf das Hertha-Spiel am Sonntag nicht von Belang, da wird der Däne gelbgesperrt fehlen. Viel wichtiger dürfte für den 51-Jährigen sein, dass sich die anderen Spieler in seinem Kader (Jojic, Özcan) Fehler im Spielaufbau leisteten, oder eigene Angriffe nicht zu Ende spielten.

Da bedurfte es dann schon eines Standards, um die 45.300 Zuschauer im RheinEnergie-Stadion jubeln zu lassen: Yuya Osako hatte schnell auf Sehrou Guirassy durchgesteckt, der Franzose nahm im Strafraum Fahrt auf und wurde von Mathieu Debuchy zu Fall gebracht. Den fälligen Elfmeter vollstreckte Guirassy selbst zum 1:0 (62.). Plötzlich war das Stadion wieder da, beklatschte jede Abwehraktion, selbst der FC schien wieder an den eigenen Erfolg zu glauben. Wie groß der Einsatz ist, zeigt das Beispiel von Jannis Horn, der nach 77 Minuten nach einem Zusammenprall mit seinem Namensvetter im Tor vom Platz getragen werden sollte, dann aber humpelnd wiederkam, da das Kölner Wechselkontingent erschöpft war. „Der Sieg heute kann ein Dosenöffner sein“, meinte Horn. „Wir wussten, dass wir nicht das Spiel machen würden, aber die eine Chance, die wir hatten, haben wir genutzt. Das tut auf jeden Fall gut.“

Das Wenger-Team hatte zwar noch zwei Riesenchancen, die Timo Horn gegen Reiss Nelson (89.) und Jack Wilshere (90.+3) aber zunichte machen. Dann war er perfekt, der Kölner Europa-Traum, zumal sich Borissov und Belgrad im Parallelspiel torlos trennten — und das bei allen Sorgen in der nationalen Liga.

Köln: T. Horn - Sörensen, Maroh (38. K. Rausch), Mere - Klünter, S. Özcan, Jojic, J. Horn - Osako (73. M. Lehmann), Cordoba (56. Olkowski), Guirassy

Arsenal: Ospina - Debuchy (84. Nketiah), Mertesacker, Holding - Chambers (67. Nelson), Coquelin, Elneny, Maitland-Niles - Welbeck (46. Iwobi), Giroud, Wilshere

Schiedsrichter: Wladislaw Besborodow (Russland) Zuschauer: 45.300 (ausverkauft) Tor: 1:0 Guirassy (62./Foulelfmeter) Gelbe Karten: Klünter , Guirassy (2) / Debuchy

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