1. Sport

Mönchengladbach: Schweinsteiger: Emotionales Ende einer großen Karriere

Mönchengladbach : Schweinsteiger: Emotionales Ende einer großen Karriere

Nach 67 Minuten war die Ära Bastian Schwein-steiger beendet. Der Kapitän ging von Bord, reichte die Insignien seiner Macht, die Kapitänsbinde, erst gar nicht weiter. Der Anführer wurde durch Julian Weigl ersetzt, auch das war ein symbolischer Wechsel.

Für Schweinsteiger hatte der DFB gestern Abend in Mönchengladbach eigens noch einmal ein „Servus-Basti“-Abschiedsspiel eingerichtet, was eigentlich nicht mehr vorgesehen ist. Parallel zum Abschiedsspiel fand dann noch ein Länderspiel gegen Finnland statt, das die DFB-Elf 2:0 gewann.

Der sportliche Wert dieses Duells war überschaubar, und dennoch war es eine gute Idee, die Ära dieses großen Sportlers in diesem Rahmen würdevoll zu beenden. Schon vor dem Anpfiff flossen die Tränen bei Schweinsteiger, übermannt von den Bilder seiner Karriere, die über die Stadionleinwände flimmerten, berührt von den Sprechchören und der Zuneigung der Fans. Es dauerte eine ganze Weile, bis er sich gefasst hatte, um sich bei seinem Publikum zu verabschieden. „Dieser Abend bedeutet mir sehr viel, ich verspüre tiefe Dankbarkeit.“

Dann wurde vom Rahmen- ins Hauptprogramm umgeschaltet, und den Zuschauern wurde eine verjüngte Nachwuchsmannschaft vorgestellt. Joachim Löw setzte erstmals Niklas Süle ein, der im Zentrum einer Dreierkette stand. Das Tor durfte zunächst Gladbach-Fan Marc-André ter Stegen hüten. Mario Götze kehrte zurück, und gleich drei Leverkusener — Julian Brandt, Kevin Volland und Karim Bellarabi — sollten auf Torejagd gehen. Schweinsteiger war der einzige etablierte Spieler in der Startformation.

Es ging gemütlich zu — ohne großes Tempo, ohne entschlossene Zweikämpfe. Die Nummer 61 der Weltrangliste war ein angenehmer Partygast. Gästekeeper Lukas Hradecky hatte Glück, als ein Volland-Schuss aufs leere Tor zukullerte, aber sein Kapitän Niklas Moisander den Ball von der Linie schlug (24.). Spektakulär war die nächste Rettungstat: Paulus Arajuuri knallte eine Flanke von Jonas Hector an den Pfosten des eigenen Tores (27.).

Und als Mario Götze einmal den finnischen Schlussmann umkurvt hatte, trödelte er mit dem Torschuss so lange, bis noch ein Abwehrspieler den Führungstreffer verhinderte (32.). Niklas Süle krönte seine Premiere mit einem knackigen Fernschuss (42.), aber mehr bekam das Publikum nicht zu sehen. Pfiffe blieben aus, es ging weniger um einen Wettkampf, mehr um einen passenden sportlichen Rahmen.

30.121 Zuschauer (von möglichen 43.000) waren in den Borussia-Park gekommen. Länderspiele ohne sportliche Relevanz waren zuletzt regelmäßig eher Ärgernisse. Am Kapitän lag die schlappe Resonanz sicher nicht. Er hatte großflächig Karten für Freunde und Familie organisiert. „Er wollte sie alle an diesem Abend hier haben“, grinste sein älterer Bruder Tobias, der beim FC Bayern die U 17 ausbildet.

Sein kleiner Bruder zeigte ein letztes Mal, warum sie ihn bei seinem Verein Manchester United wegen seiner ruhigen unaufgeregten Spielweise den Spitznamen „The calm“ gegeben haben. Sein Lauftempo verheißt keine Sprintsiege, seine Denk- und Spielgeschwindigkeit kann aber ein Spiel beschleunigen. Die Gastgeber traten ein bisschen aufs Gaspedal. Schweinsteiger versuchte sich weiterhin mit gefeierten Fernschüssen, die Führung aber fiel über den rechten Flügel: Max Meyer schob eine Götze-Vorlage ins Tor zum 1:0 (55.). Das erste Länderspieltor des Schalkers.

Dann ging das Vorbild vom Platz, und die Menschen erhoben sich von ihren Sitzen. Ein richtiger Wettkampf wurde es auch danach nicht mehr, auch wenn beide Teams in den nächsten Tagen in die WM-Qualifikation starten. Mesut Özil erhöhte noch auf 2:0 (77.), aber das Ergebnis hatte nicht die große Bedeutung an diesem Abend, an dem eine große internationale Karriere endete.