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Aachen: Schnelles Comeback: Dujardins Triumph nach Totilas-Verzicht

Aachen : Schnelles Comeback: Dujardins Triumph nach Totilas-Verzicht

Am Morgen noch waren alle enttäuscht, als bekannt wurde, dass Totilas nicht in der Kür am Start sein würde. Drei Stunden später sprach davon kaum noch jemand, ein guter Auftritt des Rapphengstes wäre allenfalls das Sahnehäubchen auf eine Kür gewesen, die vielleicht sogar schon das WM-Podest vorwegnahm.

„Ich wollte das Turnier ein bisschen interessanter machen“, hatte Top-Favoritin Charlotte Dujardin am Schlusstag des CHIO ihr Lachen wiedergefunden — nach dem Sieg auf Valegro mit 87,900 Punkten vor den drei Deutschen Helen Langehanenberg (86,025) auf Damon Hill, Isabell Werth (85,150) auf Bella Rose und Kristina Sprehe (83,150) auf Desperados.

Zwei Jahre lang war Valegro nicht mehr geschlagen worden, wurde Olympiasieger, Europameister und gewann den Weltcup — vor Aachen lautete die Frage nur, wie sieht die Reihenfolge hinter dem Zwölfjährigen aus. Dann — im Grand Prix — nur Rang sechs. „Das war ein Desaster. Es war ein Gefühl, wie wenn im Springen ein Pferd verweigert. Und bei jedem Galoppsprung hat er laut gestöhnt. Das war die Hitze schuld“, berichtete die Britin, die am Samstag auch den Sieg im Spécial nach Wechselfehlern noch knapp aus der Hand gegeben hatte. Ein Malheur in den Galoppwechseln gab es auch in der Kür, doch sonst ließ Valegro wenig Zweifel aufkommen — auch wenn er die Brillanz vergangener Turniere noch nicht wiedergefunden hat.

Frisch und von Runde zu Runde verbessert zeigt Damon Hills Leistungskurve nach der fast dreimonatigen Deckpause klar nach oben. „Wir hatten einen kleinen Fehler in den Wechseln, aber ansonsten war ich sehr zufrieden“, strahlte Helen Langehanenberg, die 2013 alle drei Prüfungen in Aachen gewonnen hatte, nach Platz zwei in der Kür. Auch der Hengst, tags zuvor Dritter im Spécial, ist noch nicht wieder auf Top-Level.

„Damon Hill benötigt noch ein wenig Routine, damit er sein Potenzial wieder ganz ausschöpft“, notierte Bundestrainerin Monica Theodorescu zufrieden. Das war zum Schluss auch Kristina Sprehe: „Am Donnerstag hat Desperados mich verarscht, er ist halt ein Hengst. Jetzt habe ich mehr Bein gegeben, und er hat brav mitgemacht“, sagte die Deutsche Meisterin, die sich schon im Spécial mit Platz sechs gesteigert hatte, lachend.

Standing ovations gab es aber nur für ein Paar — Isabell Werth und Bella Rose tanzten sich in die Fan-Herzen. „Ihre Zeit wird kommen“, hatte die 44-Jährige schon nach dem Spécial gesagt. Zwischenzeitlich hatte sie dort sogar auf Siegkurs gelegen, nach Fehlern wurde es Platz vier. Hier gab es auch in der Kür Abzüge, doch in der Trabtour brillierte die erst zehnjährige Stute. Ihre neue Kür feierte Premiere — auch für die Stute war es eine. „Ich bin sie mit ihr zum ersten Mal geritten, denn erst auf dem Weg nach Aachen war ich noch im Studio, da erst wurde die Musik fertig“, berichtete Werth. „Bella sollte sich auf den Grand Prix und den Spécial konzentrieren, ich wollte sie nicht verwirren. Ich bin glücklich, wie sie hier mitgemacht hat.“

Ach so — und da ist noch Totilas, den am Ende kaum jemand vermisste. Nach dem Grand Prix hatte der Rapphengst unter Matthias Alexander Rath am Samstag auch den Spécial gewonnen — verdient. Um so überraschender die Nachricht am Abend: Totilas geht nicht in der Kür. „Er befindet sich im Aufbau, mit dem Reiter und den Besitzern haben wir entschieden, ihn zu schonen, damit er richtig fit für die WM wird“, sagte die Bundestrainerin. Was die Frage aufwirft, ob Totilas schon fit genug ist, drei schwere WM-Prüfungen zu gehen...