Berlin: Schnelle Sprinterin mit kessen Sprüchen: Gina Lückenkemper

Berlin : Schnelle Sprinterin mit kessen Sprüchen: Gina Lückenkemper

Die Sprinter setzen den Rahmen der EM. Über 100 Meter werden am Dienstagabend die ersten Medaillen im Olympiastadion vergeben — vorher kämpfen nur die Geherinnen und Geher über 50 km auf den Straßen der Stadt um Edelmetall —, am Sonntagabend sind die 4 x 100 Meter der abschließende Wettkampf. „Ich komme hierher, um zwei Medaillen zu gewinnen“, stellt Gina Lückenkemper klar. „Im Einzel und mit der Staffel.“

„Ein realistisches, aber kein einfaches Ziel“, ergänzt die Kurzstrecklerin des TSV Bayer 04 Leverkusen. Sie ist eine von sechs Sprinterinnen und Sprinter, die der Deutsche Leichtathletik-Verband nominiert hat. Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar), Julian Reus (LAC Erfurt Top Team) und Lucas Jakubczyk (SCC Berlin) bei den Männern, neben Lückenkemper noch Tatjana Pinto (LC Paderborn) und Lisa-Marie Kwayie (Neuköllner SF) bei den Frauen.

Außer Lückenkemper und Pinto müssen alle am Montagnachmittag bei den Vorläufen ran. Die beiden schnellsten deutschen Sprinterinnen sind direkt für das Halbfinale am Dienstag Abend gesetzt, da sie im Vorfeld der EM in die europäische Top-12 gelaufen sind. „Bei 100 Meter ist es ziemlich egal“, sagt Lückenkemper. Der Vorteil hält sich in Grenzen, denn Dienstag ist der entscheidende Tag, da wird zweieinhalb Stunden nach dem Halbfinale auch der Endlauf ausgetragen.

Die Sprinter könnten dem deutschen Team mit einem guten Abschneiden am ersten Wettkampftag einen kleinen Schub geben. Doch das ist für Lückenkemper kein Thema. „Ich lege meinen Fokus auf meinen Einzelstart“, betont die stets gut gelaunte Studentin der Wirtschaftspsychologie.

Diane Asher-Smith aus Großbritannien mit 10,92, Mujinga Kambundji aus der Schweiz mit 10,95 und die Niederländerin Dafne Schippers mit 11,01 Sekunden sind bisher in diesem Jahr die schnellsten Europäerinnen auf den 100 Metern. „Ich bin zuversichtlich, weil ich sehe, wie es im Training gelaufen ist, auch zuletzt in Kienbaum“, so Lückenkemper zu den Chancen ihrer Medaillen-Mission. „Es kribbelte die ganze Saison schon mit der Vorfreude auf die EM im eigenen Land, man geht mit dem Gefühl ins Stadion, 50.000 Menschen hinter sich zu spüren.“

Zwei Medaillen hat Lückenkemper auch schon vor zwei Jahren geholt, bei der EM in Amsterdam. Damals gewann sie sowohl über 200 Meter als auch mit über 4 x 100 Meter Bronze. Nun sind es neben der Staffel die 100 Meter, eine Strecke, die sie bisher nicht sonderlich mochte. „Früher war ganz klar die 200 Meter meine Lieblingsdisziplin“, sagt die Sprinterin. „Mit dem Erfolg über 100 Meter kommt auch der Spaß. Ich habe aktuell keine Lieblingsdisziplin.“

Für den Spaß über die kurze Sprintstrecke sorgte vor allem der WM-Vorlauf 2017 in London, als sie in 10,95 Sekunden erstmals unter elf Sekunden geblieben war. In diesem Jahr hat sie bereits 11,07 Sekunden abgeliefert, Platz sechs der EM-Meldeliste. Bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg holte sie in 11,15 Sekunden den Titel.

Der Lauf in London sei schnell gewesen, aber noch lange nicht perfekt, sagt die 21-Jährige. „Es ist ein perfektes Rennen, wenn man das Gefühl vom Fliegen hat. Ich hatte das Gefühl schon, aber nicht über einen ganzen Lauf.“

Es werden, so viel sei gemutmaßt, wohl erfolgreiche Jahre kommen. Es wäre jedenfalls nicht verwunderlich, wenn Gina Lückenkemper über Jahre das prägende Gesicht der deutschen Leichtathletik wäre.