Kerkrade: Roda und die Sehnsucht nach Stabilität

Kerkrade: Roda und die Sehnsucht nach Stabilität

Eigentlich hat sich bei Roda JC Kerkrade nicht viel geändert, so scheint es zumindest auf den ersten Blick zu sein. Wie in so vielen Jahren spielt der chronisch klamme Klub aus Süd-Limburg gegen den Abstieg aus der niederländischen Ehrendivision. Nach der 1:2-Niederlage gegen den direkten Konkurrenten Groningen am vergangenen Sonntag liegen die „Koempel“ weiterhin auf Platz 16, der die Teilnahme an einer Relegationsrunde um den Klassenerhalt bedeuten würde.

Immerhin sechs Punkte Vorsprung hat Roda bereits auf den direkten Abstiegsplatz, auf dem derzeit Twente Enschede liegt; vier Punkte fehlen aber auch schon auf den Tabellen-15. NAC Breda und damit zur direkten Rettung.

Dass die Relegation in den Niederlanden alles andere als ein Todesurteil ist, weiß man rund um das Parkstad Limburg Stadion allerdings ebenso. Der sportliche Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ist deutlich größer als in Deutschland. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass sich Kerkrade in einem Duell mit einem Zweiligisten durchsetzt und die Klasse hält. Und für einen kleinen Klub wie Roda wäre das schon ein Erfolg. Die große Diskrepanz zwischen beiden Ligen bedeutet schließlich auch erheblich geringere Einnahmen bei einem Abstieg, jede Zweitligasaison ist bedrohlich für Klubs wie Roda.

Aber es hat sich dennoch etwas geändert in dem engen Stadion mit seinen vielen Geschäften und Büros, die in den Bau integriert wurden. Wo der Trainerstuhl früher ein Schleudersitz war, fühlt sich Robert Molenaar heute wohl. Der Coach wurde im Sommer von Sportdirektor Harm van Veldhoven aus Volendam nach Kerkrade gelotst. Der ehemalige Premier-League-Verteidiger — genannt „The Terminator“ — sollte das Team, das mit vielen Leihspielern und Nationalitäten besetzt ist, zusammenschweißen. In früheren Zeiten wäre das Projekt mit 26 Punkten aus 31 Spielen schon lange für gescheitert erklärt worden, doch stattdessen wurde gerade erst der Vertrag des 49-jährigen Trainers verlängert. „Wir mussten auf den Ruinen der Vergangenheit aufbauen“, urteilt Molenaar. Roda soll endlich für Stabilität stehen. „Wir müssen dafür hart arbeiten“, sagt der Chefcoach, der vor einer schwierigen Aufgabe steht.

Nur zehn Spieler haben einen Vertrag für die kommende Saison, die wenigsten davon sind Leistungsträger. Leihspieler, wie der Mönchengladbacher Tsiy William Ndenge, Top-Torschütze Simon Gustafson, Torwart Hidde Jurjus und Ex-Schalker Donis Avdijaj, sind tragende Säulen der Mannschaft, die vor der Niederlage gegen Groningen immerhin drei Siege in Folge sammeln konnte. „Wir haben versucht, mit vielen Spielern hart zu arbeiten, sie zu Anführern zu machen“, sagt Molenaar über die Stücke seines Puzzles zum erhofften Klassenerhalt. Auch er weiß, dass er im nächsten Jahr das Puzzle erneut zusammenbauen müsste: „Es ist wichtig, dass ich jetzt das Vertrauen des Vereins bekomme. Sie haben gesehen, dass ich meine Arbeit gut gemacht und einen positiven Einfluss auf das Team habe.“

Weiterhin mit an Bord wäre auch gerne Donis Avdijaj. Der 21-Jährige ist so etwas wie die „Gute-Laune-Garantie“ in den schwierigen Zeiten des Abstiegskampfes. „Er bringt Energie in die Mannschaft und überträgt sie auf die Fans“, beschreibt es Molenaar, der damit wahrscheinlich eher noch untertreibt. Dabei ist die Zukunft des Schalker Talents ebenso unsicher wie die von Roda. Nachdem er bei den Königsblauen von seiner Leihe zu Sturm Graz zurückkehrte, geriet er dort auf das Abstellgleis, obwohl er offensiv flexibel einsetzbar ist. Auf Schalke galt Avdijaj als durchaus schwieriger und streitbarer Charakter. Im Winter lieh man ihn dann nach Kerkrade aus.

Avdijaj, der Publikumsliebling

Nur neun Spiele und vier Tore später ist sein Trikot einer der größten Renner im Fanshop. „Die Fans sehen mich, als ob ich fünf Jahre hier wäre“, stellt Avdijaj fest und muss kurz lachen. „Die Integration hier war echt einfach. Ich konnte in meinem kurzen Leben schon viele Kulturen kennenlernen und fühle mich total wohl. Außerdem ist Aachen eine wunderschöne Stadt“, sagt der Deutsch-Kosovare. Er pendelt über die Grenze nach Kerkrade. Mit „Malocherklubs“ kennt er sich ja bestens aus, in Kerkrade bekommt er zudem das Vertrauen, das ihm manches Mal in Gelsenkirchen fehlte. „Ich kann hier nur meine Pflicht tun, Gas und alles für den Verein geben“, sagt er mit Blick auf seine unbestimmte Zukunft. Signale aus dem Ruhrgebiet gab es noch nicht, im Moment ist alles denkbar — auch ein Verbleib unweit der deutschen Grenze. Die Ehrendivision ist seiner Ansicht nach unterschätzt, stellt der Fan des niederländischen Offensivfußballs fest. „Ich spiele den Fußball rein aus Liebe“, sagt Avdijaj nach dem Training, und es klingt nicht wie eine der klassischen Phrasen, die man so oft von Fußballspielern hört.

Besonders viel Kontakt habe man durch die sprachliche Nähe zu den deutschsprachigen Teamkameraden. Mit Ashton Götz und Dani Schahin sind zwei bundesligaerfahrene Mitspieler auf dem Trainingsplatz und auch mit William Tsiy Ndenge verfügt man „über einen super Spieler, der eine klasse Saison spielt.“ Für das Gladbacher Talent stehen die Zeichen auf Rückkehr zu den Fohlen. Auch für Molenaar hat er nur beste Worte übrig: „Wir haben einen super Trainer, der die Mannschaft weiterbringt.“

Am Mittwoch gegen den Meister

Am Mittwoch um 18.30 Uhr ist dann der frischgebackene Meister PSV Eindhoven zu Gast in Limburg. Mit einem Überraschungssieg würde man Breda noch mal unter Druck setzen. Danach geht es noch zu Lokalrivale VVV Venlo, und zum Abschluss kommt ADO Den Haag ins Parkstad Stadion Limburg — kein leichtes Restprogramm. „Wir haben nichts zu verlieren“, gibt sich der junge Stürmer nochmal kämpferisch: „Wir sind gerne die Jäger!“

Venlo zittert nicht, Maastricht hofft noch, und Sittard hat beste Aussichten

Im Norden Limburgs war eigentlich schon alles klar. Aufsteiger VVV Venlo spielte lange im Tabellenmittelfeld der Ehrendivison mit, seit zehn Spielen warten die Schwarz-Gelben nun allerdings bereits auf einen Sieg. Die 34 Punkte, mit denen die Mannschaft von Trainer Maurice Steijn (44) aktuell auf Platz zwölf liegt, dürften dank des Acht-Punkte-Vorsprungs auf Roda Kerkrade dennoch für den Klassenerhalt reichen. Schlagzeilen machte der Klub trotz der recht unspektakulären Saison und des zweitkleinsten Zuschauerschnitts der Liga: Lennart Thy, ausgeliehen von Weder Bremen konnte mit einer Stammzellenspende zum Lebensretter werden, für den Sonderurlaub gab es Anerkennung aus der ganzen Welt.

„Dauer-Zweitligist“ MVV Maastricht kann sich noch Minimalhoffnungen auf den Aufstieg machen, den der Verein seit dem Jahr 2000 herbeisehnt. Mit 49 Punkten würde es für den neunten Platz in der zweiten Liga reichen, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde berechtigt. Vor MVV liegen unter anderem die Zweitteams von PSV Eindhoven und Ajax Amsterdam, die nicht aufsteigen dürfen. In drei Runden mit Hin- und Rückspiel wird im Pokalmodus ausgespielt, ob es einen zweiten Aufsteiger gibt. Daran nehmen die Teams auf den Plätzen 2 bis 9 der zweiten Liga und die Relegationsteilnehmer aus der 1. Liga teil.

Fortuna Sittard kann sogar noch den direkten Aufstieg schaffen. Nach vielen finanziellen Querelen und der Fast-Fusion mit Roda Kerkrade, die am Widerstand der Fans scheiterte, steht der Klub mit 72 Punkten bestens da. Da die Zweitvertretung von Ajax nicht aufsteigen kann, steht man virtuell auf dem direkten Aufstiegsrang mit zwei Punkten Vorsprung auf Absteiger NEC Nijmegen. Lässt man an den letzten beiden Spieltagen gegen den Letzten FC Utrecht II und eben jenes Zweitteam von Ajax keine Punkte mehr liegen, ist der Aufstieg perfekt.