Aachen: „Wiederholungstäter“ sind beim Domspringen auch dabei

Aachen: „Wiederholungstäter“ sind beim Domspringen auch dabei

Am Dienstag war Tobias Scherbarth noch in Rovereto, einer kleinen, malerischen Stadt in Oberitalien, nur wenige Kilometer vom Gardasee entfernt. Mit Urlaub hatte das nichts zu tun, Scherbarth, 32, war in sportlicher Mission unterwegs. Und er tat das, was er ziemlich gut kann: Er war als Stabhochspringer im Einsatz, und er gewann das Meeting.

Zwei Tage später ist der für Bayer Leverkusen startende Athlet in Aachen, und er versucht Kindern einen ersten Eindruck zu geben, was er so gut kann: mit Hilfe eines Stabes hochzuspringen.

Nach wenigen Minuten steht bereits fest: Die Trainingseinheit kommt beim Nachwuchs der Leichtathletik-Abteilung von Alemannia Aachen richtig gut an. Oder wie die neunjährige Inga es formuliert: „Es macht total Spaß.“ Viele der Kinder, die am Donnerstag im Aachener Waldstadion durch die Luft geflogen sind, sind „Wiederholungstäter“, da sie bereits im vergangenen Jahr dabei waren, als Björn Otto das Training geleitet hat.

Otto, 39, hat seinen Stab mittlerweile aus der Hand gelegt, aber mit der Tradition, das im Vorfeld des NetAachen-Domspringens ein prominenter Athlet Kinder anleitet, wurde natürlich nicht gebrochen. Zumal mit Tobias Scherbarth ein überaus erfolgreicher Nachfolger gefunden wurde: 2016 wurde Scherbarth Deutscher Meister, und beim Domspringen krönte er das Jahr mit seinem Sieg.

Dass er bei der 13. Auflage seinen Vorjahreserfolg wiederholen kann, hält er nicht für sonderlich wahrscheinlich. „Die Konkurrenz ist in diesem Jahr sehr groß“, sagt Scherbarth, der einen klaren Favoriten ausgemacht hat. „Den Weltmeister zu schlagen, dürfte nicht einfach werden.“

Der Weltmeister, das ist der US-Amerikaner Sam Kendricks, der in diesem Jahr mit übersprungenen 6,00 Meter die Weltjahresbestleistung aufgestellt hat. So hoch hinaus wird es für Scherbarth vermutlich nicht gehen, „mein Ziel ist es, die 5,60 Meter zu knacken“. Das ist ihm im Vorjahr gelungen, und genau diese Höhe war dann auch die Siegerhöhe. „Domspringen in Aachen ist immer etwas ganz besonderes. Jeder will hier mal gewonnen haben. Ich bin froh, dass ich das abgehakt habe“, sagt Scherbarth und lacht.

Beim Training im Waldstadion geht es für den Alemannia-Nachwuchs nicht um Höhen oder Siege. „Die Kinder sollen wissen, was es für ein Gefühl ist, von einem Stab getragen zu werden und durch die Luft zu fliegen“, sagt Scherbarth.

Dass die Nachwuchsathleten diese „sehr komplexe Sportart“ nicht in einer Einheit erlernen können, liegt auf der Hand. „Aber wir alle haben ja mal klein angefangen“, sagt Scherbarth, der gar nicht mal so jung war, als er zum ersten Mal einen Stab in der Hand hatte: 14 Jahre war er alt. Sein damaliges Vorbild: Tim Lobinger. Heute ist er für viele Nachwuchsspringer ein Vorbild — und seit Donnerstag dürfte er noch ein paar Fans mehr haben.