Kampfsport: „Wie ein geregelter Straßenkampf“

Kampfsport : „Wie ein geregelter Straßenkampf“

Der erfolgreiche Aachener Bundesliga-Ringer Kasim Aras veranstaltet ein großes Kampfsport-Event in Würselen und greift selbst ins Geschehen ein. Der 31-Jährige duelliert sich in einem Käfig.

Im Ringen hat er sich bereits einen Namen gemacht, jetzt will Kasim Aras auch im Mixed Martial Arts (MMA) durchstarten. Der 31-Jährige bestreitet am 13. April bei der „Ultimate Sparta Championship“ in Würselen sein drittes Duell in der speziellen Vollkontaktsportart. Doch diesmal steigt der zweifache Familienvater nicht in den Ring, sondern in einen „Käfig“. Lars Brepols hat sich mit dem Athleten von KKS Sparta Aachen über seine Erwartungen, Ziele und Zukunftsvisionen unterhalten.

Herr Aras, welche Erinnerung haben Sie an Ihr MMA-Debüt 2013?

Kasim Aras: Sehr gute, denn da bin ich zum ersten Mal mit dem MMA-Sport in Berührung gekommen. Unser Kickbox-Trainer in Walheim hat mir damals die Basics vermittelt, daher war ich gut vorbereitet. Für mich war dieser Kampf das Sprungbrett in die MMA-Szene.

Den Fight gegen Martin van Giessen haben Sie in der ersten Runde für sich entschieden. Das Video davon hat im Internet für Aufsehen gesorgt und offenbar zukünftige Gegner abgeschreckt. Oder warum haben Sie erst im vergangenen Jahr Ihren zweiten Kampf bestritten?

Aras: Ich komme aus dem Ringen, das ist ein traditioneller und ehrlicher Sport. Die MMA-Szene war damals noch nicht so weit, da hat man dich kurz vor dem Kampf angerufen und gesagt: „Du musst morgen kämpfen.“ Das war stillos und daher habe ich mich erst einmal davon distanziert.

...und haben sich wieder auf den Ringsport konzentriert, oder?

Aras: Genau. Zudem hatte ich nicht die Trainingsmöglichkeiten wie beispielsweise Athleten aus den USA. Die Hoffnung, in der Sportart weit zu kommen, war daher sehr gering. So habe ich mich auf das Ringen konzentriert, denn das Geld, was ich damit verdient habe, hätte ich im MMA nie erhalten. Das ist übrigens heute noch immer so. Profis bekommen teilweise nur 300 oder 400 Euro für einen Kampf. Das ist eine Lachnummer. Ich honoriere die Athleten auf unserer Veranstaltung vernünftig.

Warum haben Sie sich denn damals dazu entschlossen, den MMA-Sport auszuprobieren?

Aras: Das war was Neues für mich. Und ich wollte unbedingt Boxen lernen, um meine Fäuste gezielt einsetzen zu können. Ich wollte ein kompletter Kämpfer werden.

Aktuell gilt ihr Fokus wieder dem MMA, da Sie am 13.April, bei Ihrer eigenen Veranstaltung, in den Käfig steigen wollen.

Aras: Ringen ist mein Fundament, ich werde nie ein Boxer sein. Aber im MMA kann ich auch Geld verdienen, denn ich bin kein Millionär.

Kasim Aras ist also im Käfig eigentlich ein Ringer und kein spezieller MMA-Athlet. Richtig?

Aras: Genau. So denken die anderen Athleten aber auch. Man muss ja irgendwo seine Wurzeln haben.

Ist das denn ein Vorteil im MMA, wenn man aus dem Ringsport kommt?

Aras: Sogar ein ganz großer. In den USA ist Wrestling eine Nationalsportart, der Übergang ins MMA fließender und die Anzahl der Kämpfer daher größer. In Deutschland ist das ganz anders, die einzigen erfolgreichen Ringer, die ins MMA gewechselt sind, sind Saba Bolaghi und ich.

MMA steht oft in der Kritik. Es heißt, es sei eine äußerst brutale Sportart. Wie sehen Sie das?

Aras: Sie ist schon brutal, da bin ich ehrlich. Mittlerweile ist das Regelwerk aber fairer geworden. Es ist heute ein geregelter Straßenkampf.

Also können Sie die Kritik nachvollziehen?

Aras: Was die Leute als brutal empfinden, ist, dass weitergekämpft wird, wenn jemand am Boden liegt. Aber heutzutage unterbinden die Ringrichter nach ein, zwei Schlägen den Bodenkampf. Ich bin sogar der Meinung, dass MMA im Vergleich zum Boxen gesünder ist, denn beim Boxen bekommt man in der Regel mehr Schläge auf den Kopf.

Sind Sie bei einem MMA-Kampf im Käfig angespannter ?

Aras: Nein, überhaupt nicht. Für mich ist es so, als würde ich einen Ringkampf bestreiten. Die Nervosität ist dabei vergleichbar.

Vor knapp zwei Jahren haben Sie den Verein KKS Sparta Aachen gegründet. Jetzt veranstalten Sie zum ersten Mal ein großes Kampfsportevent. Wie geht es weiter?

Aras: Wir werden solche Events künftig zwei Mal pro Jahr anbieten, falls die Sponsoren mitspielen. Wir hoffen, dass unsere Veranstaltung die Nummer eins im Dreiländereck wird und wir so noch namhaftere Kämpfer verpflichten können. Zudem sollen die Sportler aus der Region verstärkt in den Blickpunkt rücken.

Was dürfen die Zuschauer am Samstag erwarten?

Aras: Ein tolles Event in einem schönen Ambiente. Es wird in einem Käfig gekämpft, das hat es in der Region noch nicht so oft gegeben.

Ist es für die Kämpfer etwas besonderes, in einen Käfig zu steigen?

Aras: Im Grunde ist es nicht anders als im Ring. Anfangs wurden die MMA-Kämpfe im Boxring ausgetragen, aber aus Sicherheitsgründen hat man sich das mit dem Käfig überlegt. Früher wurden die Leute durch die Seile gekickt, im Käfig ist das nicht möglich.

Sie werden gegen den Portugiesen Luis Correia antreten. War es schwer, einen geeigneten Gegner zu finden?

Aras: Ja, das war nicht einfach. Um einen ganz großen Namen zu bekommen, muss man sehr viel Geld in die Hand nehmen. Wenn man das professionell angeht, muss man sich aber strategisch entwickeln. Die Gefahr ist immer da, dass man sich einen Hammer fängt und K.o geht. Dann war es das mit der Karriere.

Fühlen Sie sich gut vorbereitet?

Aras: Ich bin fit und eigentlich immer gut vorbereitet, auch wenn kein Kampf ansteht. Ich kann gar nicht anders.

Worauf legen Sie in der letzten Phase der Vorbereitung Ihren Fokus?

Aras: Auf das Boxen, ganz klar.

Wo sehen Sie noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten?

Aras: Ich arbeite derzeit noch an taktischen Elementen und neuen Finten. Das ist wie ein Strategiespiel. Da gehört viel mehr zu als nur das Kämpfen.

Was wollen Sie im MMA erreichen?

Aras: Ich würde gerne in die höchste Organisation aufsteigen, um den Leuten hier ein Vorbild zu sein.

In Ihrer Gewichtsklasse ist Daniel Cormier momentan der große Star. Würden Sie gegen ihn in den Ring steigen?

Aras: Cormier ist ebenfalls Ringer und hat ungefähr meine Körpergröße. Er war sehr erfolgreich im Ringsport. Wenn ich ordentlich vorbereitet wäre, würde ich das sofort machen. Ich würde sogar ohne Gage gegen ihn antreten, nur um den Leuten zu zeigen, dass ich in der Spitze mithalten kann.

Was müsste passieren, damit Sie so ein Angebot bekommen?

Aras: Du musst den richtigen Manager haben. Ein Experte hat mir gesagt, es geht heutzutage alles über Social Media. Da musst du einen Namen haben. In der UFC sind Leute dabei, die würden gegen mich keine Runde überstehen. Die kämpfen aber da mit, weil sie jemanden haben, der sie gut vermarktet.

Trotz Ihrer MMA-Pläne haben Sie dem Ringen die Treue gehalten...

Aras: Das wird auch immer so bleiben.

In der kommenden Bundesliga-Saison gehen Sie für Düren-Merken auf die Matte...

Aras: Ja, genau. Das Lustige an der Sache war, dass irgendwelche Leute behauptet haben, sie hätten mich vor meiner Unterschrift in Merken gesehen. Das stimmt aber nicht.

Ihr Heimatverein Eintracht Walheim, bei dem Sie zuletzt unter Vertrag standen, zieht sich bekanntlich aus der Bundesliga zurück und startet in der Oberliga. Wie bewerten Sie das?

Aras: Mit gemischten Gefühlen. Natürlich ist eine Ära zu Ende gegangen. Aber wenn die Walheimer das jetzt vernünftig angehen und sich auf die Jugend konzentrieren, um neue Athleten hervorzubringen, dann ist das ein guter Ansatz. Die Jugendlichen kommen nicht automatisch, man muss auf sie zugehen. Es wäre traurig, wenn so ein Traditionsverein irgendwann nicht mehr existieren würde.

Jetzt wechseln Sie zu einem Verein, der vergangene Saison abgeschlagen Letzter geworden ist. Was erwarten Sie?

Aras: Merken hat ja nicht nur mich verpflichtet, sondern auch Purja Jamali. Ich denke nicht, dass die Mannschaft kommende Saison wieder auf dem letzten Platz stehen wird. Wenn alles gut läuft, bin ich davon überzeugt, dass der Verein in den vorderen Regionen mitmischen wird.

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