TV Weiden und Westwacht Weiden bestreiten das letzte Derby

Würselen : Ein letztes Duell vor der Kooperation der Weidener Klubs

Es liegt in der Natur der Sache, dass Derbys keine ganz normalen Spiele sind. Dass das Halbfinale des Handball-Kreis-A-Pokals zwischen dem TV Weiden und dem Stadtrivalen Westwacht Weiden aber noch ein bisschen spezieller, ein bisschen emotionaler werden sollte, konnte man schon vor dem Anpfiff sehen.

„Handball-Dorf Weiden“ lautete die gemeinsame Botschaft, die die Spieler beider Teams auf den neuen schwarzen Warmmach-Shirts transportierten; ein Zeichen für den gemeinsamen Weg, den beide Vereine in Zukunft gehen wollen: Aus TV und Westwacht soll eine Einheit werden, der Handballclub (HC) Weiden. Nach Lage der Dinge kann man davon ausgehen, dass am Mittwochabend das letzte Aufeinandertreffen dieser traditionsreichen Vereine stattgefunden hat.

Freuen sich auf den HC Weiden: René Matt (links) und Jochen Kuck. Foto: Benjamin Jansen

Was vor vielen Jahren noch undenkbar schien, nimmt zurzeit immer mehr Formen an. Mit der grundsätzlichen Bereitschaft zur Zusammenlegung, die die Verantwortlichen beider Klubs im Januar von ihren Mitgliedern eingeholt haben, wurde der Stein ins Rollen gebracht. Seitdem arbeiten alle Beteiligten mit Hochdruck daran, dass die Neugründung des HC gelingt. Denn das Zeitfenster ist eng, bis zum 31. März müssen alle Formalitäten abgewickelt sein. „Das ist ein ambitioniertes Projekt in der Kürze der Zeit“, weiß Thomas Havers. Der Vorsitzende des Handball-Kreises Aachen/Düren sagt aber auch: „Wo ein Wille ist, sollte auch ein Weg zum Erfolg führen.“

Viele Auflagen müssen in den nächsten eineinhalb Monaten erfüllt werden, damit die Weidener in der kommenden Saison als HC am Ligabetrieb teilnehmen können. Mit vier bis fünf Männer- und zwei Frauenteams. So sieht der Plan aktuell aus.

In die Umsetzung des Plans und der Vereinsneugründung allgemein ist Westwachts Teammanager Jochen Kuck, 37, stark involviert. Das kann man getrost als „Glücksfall“ für den HC betrachten, denn Kuck ist beruflich als Anwalt tätig. „Wir sind alle sehr froh, dass sich Jochen der Sache annimmt“, ist nicht nur René Matt, Teammanager des TV Weiden, dankbar für die Unterstützung. Sollte die Vereinsgründung erfolgreich über die Bühne gehen, werden sich Matt und Kuck gemeinsam um die Mannschaftszusammenstellung kümmern.

Ziel: In der Nordhreinliga etablieren

In die wird dann auch Andreas Heckhausen involviert, der A-Lizenzinhaber wird die erste HC-Mannschaft trainieren, die dann aller Voraussicht nach in der Oberliga starten wird, da der TV Weiden ein Wunder braucht, um den Abstieg aus der Nordrheinliga noch zu verhindern. Da der Handball-Verband Mittelrhein es nicht zulässt, dass zwei Mannschaften aus demselben Verein in der gleichen Liga antreten, würde Westwacht Weiden als erster Zwangsabsteiger aus der Oberliga feststehen und die zweite HC-Mannschaft somit in der Verbandsliga antreten.

„Wir wollen hier in Weiden etwas Nachhaltiges aufbauen“, erklärt Kuck, warum es nach Jahren der Rivalität jetzt zum Zusammenschluss kommt. „Unser Ziel ist es, die erste Mannschaft des HC in der Nordrheinliga zu etablieren.“ Wenn es nach dem Willen der Verantwortlichen beider Vereine geht, muss die Nordrheinliga nicht Endstation sein, „aber dafür müssen die Voraussetzungen stimmen.“ Bevor man in der 3. Liga mitmischen könne, müssten neue Sponsoren und eine neue Halle her.

Die „alte“ Halle in der Parkstraße platzte am Mittwochabend fast aus allen Nähten, mehr als 300 Zuschauer wollten dem mutmaßlich letzten Derby zwischen dem TV und der Westwacht beiwohnen. Vielleicht war es der Situation geschuldet, dass die Zuschauer kein hochklassiges, dafür aber ein hochspannendes Duell zu sehen bekamen. In der Anfangsphase konnte sich die Westwacht, die auf viele Leistungsträger verzichten musste, bei ihrem Keeper Bobo Bayer bedanken, dass der Rückstand nach 20 Minuten „nur“ 1:9 betrug. Da die TV-Akteure die Tempogegenstöße aber in der Folgezeit nicht konsequent abschlossen und auch bei Siebenmetern Nerven zeigten, kam die Westwacht bis zur Pause auf 7:10 heran.

Die Grün-Weißen wollten die Hoffnung auf den Finaleinzug und den inoffiziellen Titel des letzten Derby-Siegers nicht begraben und gingen im zweiten Abschnitt noch mehr Risiko, indem sie häufiger ihren Torhüter herausnahmen und durch einen siebten Feldspieler ersetzten. Mal mit Erfolg, mal mit bitteren Konsequenzen, da die Rot-Weißen so zu leichten Treffern kamen. In der Schlussphase merkte man den TV-Akteuren an, dass das Selbstvertrauen nach den vielen Pleiten in der Nordrheinliga gelitten hatte, leichte Ballverluste schlichen sich immer wieder in das Aufbauspiel. Drei Minuten vor dem Ende kam die Westwacht auf 19:20 heran, die Aufholjagd wurde aber nicht belohnt. Am Ende stand ein 22:20-Sieg für den Nordrheinligisten über den Oberligisten.

Ein bisschen Wehmut kam auf, als das „historische Derby“, wie es vom Hallensprecher mehrfach angepriesen wurde, Geschichte war, überlagert wurde sie aber von der Vorfreude auf die gemeinsame Zukunft.