Jülich: TTC Jülich: Erste Liga statt Vereins-Aus

Jülich : TTC Jülich: Erste Liga statt Vereins-Aus

Es war der mit hoher Wahrscheinlichkeit ungewöhnlichste Aufstieg im deutschen Profisport. Durch einen 6:3-Erfolg gegen den TTC Frickenhausen am letzten Spieltag der Zweiten Tischtennis-Bundesliga verhinderte der TTC Indeland Jülich nicht nur den Abstieg, sondern Platz acht bedeutete sogar die Rückkehr der Herzogstädter in die Erste Liga.

Weil kein anderer Klub die Bundesliga-Lizenz beantragt hatte. „Das war in letzter Sekunde“, blickt Manager Arnold Beginn auf den 15. April zurück. „Bei einem Abstieg wäre der Verein am Ende gewesen.“

Neuer Hoffnungsträger aus Saarbrücken: Dennis Klein verstärkt das Jülicher Team. Foto: imago/Eibner

Nun sind die Jülicher nicht am Ende, sondern stehen nach neun Jahren in der 2. Liga vor ihrer insgesamt 34. Saison in der deutschen Eliteklasse. Passend zum 70-jährigen Bestehen des Vereins. Olympiasieger, Welt- und Europameister haben in dieser Zeit das Trikot des TTC getragen. Die Chinesen Wang Tao, Wang Liqin, Guo Liuliang, die Schweden Stellan Bengtsson, Ulf Carlsson, Erik Lindh, Jean-Michel und Philippe Saive aus Belgien oder Deutschlands Mr. Tischtennis Jörg Roßkopf: Jülich war für die Elite eine gute Adresse.

Doch diese Tradition wird sich zumindest aktuell nicht fortsetzen. Der Aufsteiger wird mit einer jungen Mannschaft an die Tische gehen. Dennis Klein (21) kommt aus Saarbrücken und gilt als aufstrebender Nationalspieler. Martin Allegro (22) ist vom letztjährigen Team übrig geblieben, Robin Devos (24) ist ebenso wie Allegro belgischer Nationalspieler und der vierte Mann ist der erfahrene Rumäne Dragos Olteanu (34). „Das ist vom Papier her sicherlich die Mannschaft der Liga, die am schlechtesten ist“, räumt Trainer Miro Broda ein. Aber er schiebt sogleich nach: „Wenn alles passt, alle drei Spieler einen guten Tag erwischen, ist einiges möglich.“

Die Vereinsführung hält den Ball erst einmal flach. TTC-Präsident Mike Küven macht deutlich, dass es in Jülich keine wirtschaftlichen Abenteuer geben wird. „Natürlich hoffen wir, irgendwann wieder an die Erfolge früherer Tage anknüpfen zu können. Auch das Jülicher Publikum schwelgt gerne in alten Zeiten“, weiß der TTC-Chef. „Doch zunächst einmal sind wir demütig. Und die Zuschauer auch. Wenn alles gut läuft, und die Sponsoren mitspielen, ist künftig auch wieder mehr möglich.“

Nun kostet die Mitgliedschaft in der Bundesliga keinen Pappenstiel. Allein 20 000 Euro werden im ersten Jahr an Gebühren fällig. Hinzu kommen einige weitere Tausender, die in die Infrastruktur gesteckt werden müssen. Geld, das im Spieleretat natürlich fehlt. Das wissen die Jülicher Verantwortlichen zwar, aber aus ihrer Sicht gab es zur Erstliga-Rückkehr keine Alternative. „Wir haben immer gedacht, die 2. Liga würde sich weiterentwickeln“, blickt Manager Arnold Beginn auf die letzten Jahre zurück. „Doch das Gegenteil ist der Fall. Es geht immer weiter zurück. Deshalb haben wir da für unseren Verein keine Zukunft gesehen.“

Wirtschaftlich steht das Unternehmen Bundesliga auf einem soliden Fundament. „Für uns kommt der Aufstieg genau zum richtigen Zeitpunkt“, betont Präsident Mike Küven. „Dank der guten Kontakte unseres Managers Arnold Beginn sind wir, was unsere Sponsoren betrifft, wieder gut aufgestellt. Diese finanzielle Absicherung war uns wichtig, denn wir wollen kein Risiko eingehen.“ Der TTC-Chef hat auch einen sportlichen Wunsch. „Zwei hinter uns lassen und am Ende Neunter werden.“ Wird das realisiert, könnte es ein großer Schritt in eine erfolgreiche Zukunft sein.

Mehr von Aachener Zeitung