Soccerwatch-Video zeigt brutalen Schläger bei Landesliga-Spiel

Video zeigt brutalen Schläger : Gewalt-Eskalation am Seitenrand beim Spiel in Verlautenheide

Es läuft bereits die Nachspielzeit im Landesliga-Derby zwischen Eintracht Verlautenheide und dem FC Inde Hahn. Die Fußballer liefern sich auf dem Platz einen offenen Schlagabtausch. Kurz vor Schluss rollt der Ball beim Stand von 3:3 ins Seitenaus. Dann eskaliert die Situation abseits des Spielfeldes, wie auf einem Video im Internet zu sehen ist.

Ein Zuschauer, der dicht neben der Hahner Auswechselbank steht, blockiert den Ball und befördert ihn mit voller Wucht hinter die Balustrade. Ein Ordner eilt herbei und liefert sich wegen des unsportlichen Verhaltens ein Wortgefecht mit dem in schwarz gekleideten Mann. Wenige Sekunden später setzt der Unruhestifter zum Kopfstoß an und schlägt auf den Ordner ein.

Dass diese Szene, die sich bereits am 2. Dezember ereignete, mittlerweile bundesweit für Aufsehen sorgt, hat viel mit den Sozialen Medien zu tun. Nachdem auch überregionale Medien von dem Vorfall berichtet hatten, verbreitete sich das Video rasend schnell im Internet. Auch die Eintracht teilte die Bewegtbilder über den eigenen Facebook-Kanal mit den Worten: „Wir sagen Nein zu Gewalt und verurteilen solche Vorfälle aufs Schärfste.“

Der FC Inde Hahn distanziert sich ebenfalls ausdrücklich von jeglicher Gewaltanwendung. „Solche sinnlosen Aktionen passen nicht zu unserem Verständnis. Daher haben wir per Vorstandsbeschluss ein Platzverbot gegen den Täter verhängt. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, hier klare Kante zu zeigen und deutlich zu machen, dass Gewalt bei uns nichts zu suchen hat“, sagt Wilfried Helmer, Vorsitzender des Klubs. Gleichzeitig unterstreicht er, dass es sich bei dem Unruhestifter nicht um ein Vereinsmitglied handele, sondern um einen Zuschauer, der mit dem FC Inde Hahn sympathisiere.

Der Geschädigte wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht zu den Vorfällen äußern. Die Aachener Polizei bestätigte jedoch auf Anfrage den Eingang einer Anzeige wegen Körperverletzung und die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens.

Veröffentlicht wurde das Video vom Start-Up-Unternehmen Soccerwatch, das in Essen seinen Sitz hat. Die Firma hat ein eigenes Kamerasystem entwickelt, das am Spielfeldrand angebracht werden kann und das Geschehen auf und teilweise neben dem Platz dank künstlicher Intelligenz vollautomatisiert aufzeichnet und live ins Netz überträgt. Unlängst hat der Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) eine Kooperation mit dem Unternehmen vereinbart, mit dem Ziel, möglichst viele Spiele der über 1100 Vereine zwischen Kreis- und Mittelrheinliga live zu übertragen.

 „Gerne empfehlen wir den Vereinen unseres Verbandes auch das spannende, zukunftsweisende Angebot von soccerwatch.tv. Jedes einzelne der vollautomatischen Kamerasysteme leistet einen Beitrag dazu, den Amateurfußball in unserer Region sichtbarer zu machen“, äußert sich FVM-Präsident Alfred Vianden in der offiziellen Pressemitteilung zur Kooperation. Laut eigenen Angaben profitiert der Verband nicht finanziell davon, sondern erhält lediglich das Recht, die Bewegtbilder auch für die eigene Berichterstattung zu nutzen.

Eine ähnliche Vereinbarung hatte der FVM bereits mit dem Soccerwatch-Konkurrenten Sporttotal.tv abgeschlossen, nachdem sich der DFB mit dem Tochterunternehmen der Wige Media AG auf eine zehnjährige Zusammenarbeit verständigt hatte. Ellen Bertke, Pressesprecherin des FVM, unterstreicht dabei, dass für alle Bewegtbildanbieter vereinbarte Mindeststandards gelten. Von beiden Mannschaften sowie den Schiedsrichtern muss vor dem Anpfiff ein ausdrückliches Einverständnis eingeholt werden, und die Zuschauer müssen per Aushang über die bevorstehende Übertragung informiert werden. „Im Falle der automatisierten Kameras obliegt diese Aufgabe dem Heimatverein“, verdeutlicht Bertke. Dies unterstreichen auch die Verantwortlichen von Soccerwatch. „Alle Beteiligten müssen per Hinweisschilder informiert werden“, betont eine Sprecherin.

Der Fall in unserer Region hat auch beim Essener Unternehmen für Gesprächsstoff gesorgt, jedoch habe bislang niemand die Löschung des Videos beantragt. „Die meisten wissen ja, dass sie gefilmt werden. Die beiden in Verlautenheide wussten das aber offenbar nicht“, ergänzt die Sprecherin.

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