Düren: Profifußball mit dem 1. FC Düren: Erste Reaktionen auf die Vision

Düren: Profifußball mit dem 1. FC Düren: Erste Reaktionen auf die Vision

Die Macher haben sich ein ehrgeiziges Ziel auf die Fahnen geschrieben: In spätestens fünf Jahren soll der 1. FC Düren in der Fußball-Regionalliga kicken und dann möglicherweise mit Alemannia Aachen und dem FC Wegberg- Beeck konkurrieren.

Bestenfalls spielt die erste Dürener Mannschaft dann in der Dritten Liga und die U 17 und U 19 messen sich in der Bundesliga mit den Spitzenklubs. Dass diese Vision Realität wird, davon ist Initiator Wolfgang Spelthahn (CDU) überzeugt. Gemeinsam mit den Verantwortlichen des FC Düren-Niederau strebt der Landrat des Kreises Düren dieses Ziel an. Dafür will der Landesligist seine Fußballabteilung ausgliedern und in den neuen Klub überführen.

Mit dem 1. FC Düren auf der Westkampfbahn in die Regionalliga? Ex-Profi Wilfried Hannes (Borussia Freialdenhoven), Henner Schmidt (GFC Düren 99) und Achim Greiff (Viktoria Arnoldsweiler, v.l.) blicken verhalten auf die Vision des Landrats und des FC Düren-Niederau. Foto: Abels

Die Vereinsmitglieder sollen dem am 29. November zustimmen. Dass das gelingt, davon sind die Verantwortlichen überzeugt. Zudem hoffen sie, dass sich weitere Vereine anschließen und so die Idee „1. FC Düren: Einer für den Kreis Düren“ umgesetzt werden kann. Dass dies ein schwieriges Unterfangen werden könnte, zeigt die Reaktion anderer Vereine.

Mit dem 1. FC Düren auf der Westkampfbahn in die Regionalliga? Ex-Profi Wilfried Hannes (Borussia Freialdenhoven), Henner Schmidt (GFC Düren 99) und Achim Greiff (Viktoria Arnoldsweiler, v.l.) blicken verhalten auf die Vision des Landrats und des FC Düren-Niederau. Foto: Abels

So freut sich Mittelrheinligist Viktoria Arnoldsweiler schon auf ein mögliches Derby: „Dann spielen wir gegen den 1. FC Düren um sechs Punkte“, sagt Achim Greiff. Der Vorsitzende der „Kleeblätter“ war am Montag wie Henner Schmidt, der Vorsitzende der SG GFC Düren 99, von Spelthahn zu einem Gespräch ins Kreishaus eingeladen worden. Dort informierte der Landrat mit den Vertretern des FC Düren-Niederau auch Greiff und Schmidt über die Vision, Profi-Fußball in der Kreisstadt zu etablieren. Die Reaktionen der beiden Vorsitzenden fielen eher zurückhaltend aus.

Mit dem 1. FC Düren auf der Westkampfbahn in die Regionalliga? Ex-Profi Wilfried Hannes (Borussia Freialdenhoven), Henner Schmidt (GFC Düren 99) und Achim Greiff (Viktoria Arnoldsweiler, v.l.) blicken verhalten auf die Vision des Landrats und des FC Düren-Niederau. Foto: Abels

„Grundsätzlich“, sagt Achim Greiff, „ist das Vorhaben sicher lobenswert, aber warum hat man im Vorfeld nicht auch mit uns gesprochen? Schließlich sind wir der klassenhöchste Verein in der Stadt. So wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich hätte mir schon gewünscht, dass man uns bei einer Tasse Kaffee die Überlegungen erläutert.“ Die Viktoria wird während der nächsten Vorstandssitzung die neue Fußball-Situation bewerten. Greiff sieht aktuell keine Zustimmung zu diesem Projekt in seinem Klub: „Die Tendenz ist: Wir gehen unseren eigenen Weg, auch wenn er schwerer werden sollte.“

Befremdet ist auch Schmidt über die Art und Weise, wie der 1. FC Düren ins Leben gerufen wurde: „Der GFC Düren 99 hat schon lange neue Strukturen im Dürener Fußball gefordert, um an den Glanz alter Traditionen anknüpfen zu können. Das Vorgehen des Landrats und des FC Düren-Niederau hat uns überrascht. Mit dieser Art Geheimdiplomatie sind ohne Not Türen zugeschlagen worden, so dass die Bereitschaft mitzuwirken beeinträchtigt ist.“ Der Vorstand des GFC Düren 99 tagt in der kommenden Woche. Henner Schmidt sagt aber auch, der GFC 99, derzeit Spitzenreiter in der Landsliga, sei dabei, sich in der Jugend neu zu strukturieren, und er werde abwarten, bis sich der Staub gelegt hat. „Wir haben keine Angst vor dem 1. FC Düren“, sagt Schmidt.

Geladen in das Kreishaus war für Montag auch Borussia Freialdenhoven. Vertreter des Vereins konnten aber an dem Termin nicht teilnehmen. Sein Trainer, Wilfried Hannes, Ex-Bundesliga-Profi bei Borussia Mönchengladbach, davor Spieler der SG Düren 99, steht der Neugründung grundsätzlich positiv gegenüber. „Ich finde es gut, dass sich in Düren etwas bewegt, denn Düren war immer auch eine Fußballstadt und nicht nur eine Volleyballstadt, wie es momentan der Fall ist“, sagt der 60-Jährige. Der ehemalige Coach von Alemannia Aachen gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass die Vereine, die sich dem neuen Projekt anschließen wollen, einen Teil ihrer Tradition dadurch aufgeben. „Und das sollte man auch in Niederau nicht unterschätzen“, verdeutlicht Hannes, der sich als „Außenstehender“ — wie er es selbst formuliert — mehr Informationen gewünscht hätte.

Hannes glaubt auch nicht, dass sich die SG GFC Düren 99 dem neuen Klub anschließen wird. „Düren 99 lebt von der Tradition und ist durch Spieler wie Schnellinger, Stollenwerk, Engels oder mich über die Grenzen hinaus bekannt. Ich denke nicht, dass sie ihre Tradition einfach so wegwerfen“, sagt der Übungsleiter.

Angesprochen auf die kurzfristigen Ziele des neuen Klubs reagiert Hannes eher zurückhaltend: „Einen Aufstieg kann man im Fußball schlecht planen, auch als 1. FC Düren nicht. Wenn das so kommen sollte, bin ich gespannt, wie der finanzielle Rahmen dann aussehen wird.“

Martin Fröhlich, Präsident von Alemannia Aachen, kann aus der Ferne das neue Dürener Projekt schwer einschätzen, sagt aber, dass man sich über künftige Derbys freuen würde: „Grundsätzlich ist das ein offener Wettbewerb und jeder ist herzlich eingeladen.“

Spiele auf der Westkampfbahn

Sollte es zu diesen Derbys kommen, fänden sie auf der Westkampfbahn statt. Die steht, wie auch Henner Schmidt bestätigte, allen Dürener Vereinen offen. Man müsse aber dann auch rechtzeitig organisatorische Fragen klären. Bis es soweit ist, muss die traditionsreiche Sportstätte aber mit Mitteln aus der Sportpauschale und über den Kreissportbund ertüchtigt werden. Größtes Problem scheinen die Umkleideräume unter der Tribüne zu sein. Der Landrat geht davon aus, dass nur ein Neubau oder Container die Lösung sein können. Ansonsten ist Spelthahn überzeugt: „Die Westkampfbahn wird als Spielstätte eines Regionalliga-Teams alle Anforderungen des DFB erfüllen.“

Zur Finanzierung der Vision machten Landrat und FC Düren-Niederau keine konkreten Angaben. Spelthahn sagt: „Wir müssen doch in zwei Schritten vorgehen: Zuerst müsen wir die Struktur schaffen, um das Potenzial abrufen zu können. Und ein Etat für ein Mittelrheinliga-Team ist nicht das Problem.“ Und wenn der zweite Schritt erfolgen kann? „In einem Gebiet wie dem Kreis Düren ist der Sponsorenmarkt nicht zu klein für zwei sportliche Aushängeschilder. Sowohl der Volleyball-Bundesligist Powervolleys Düren als auch der 1. FC Düren können bestehen“, sagt Spelthahn.