BTB Aachen etabliert sich : „Platz sechs hätte ich mir nicht träumen lassen“

BTB Aachen etabliert sich : „Platz sechs hätte ich mir nicht träumen lassen“

„Platz sechs hätte ich mir vor der Saison sicher nicht träumen lassen.“ Martin Becker strahlt, eine intensive, kraftraubende, aber überaus erfolgreiche Saison liegt hinter dem BTB Aachen. Als Aufsteiger sicherte er frühzeitig den Klassenerhalt und erlebte mit dem Finale um den DHB-Amateurpokal in Hamburg, in dem man erst im Siebenmeterwerfen unterlag, das Highlight.

Grundlage des Erfolgs war die homogene Mannschaft. „Ich konnte aus dem Vollen schöpfen. Alle Positionen waren doppelt besetzt, jeder Spieler hatte quasi ein Backup, wenn er mal nicht so gut drauf war“, sagt der BTB-Coach, dessen Team durchwachsen in die neue Spielklasse gestartet war. „Schon im zweiten Teil der Hinrunde haben wir uns gefangen. Das war der Zeitpunkt, als Simon Breuer nach seiner Verletzung erstmals auflief und mit seiner Erfahrung Sicherheit in unser Spiel brachte.“ An dem 35-jährigen Routinier, der seine Karriere bei seinem Heimatklub nach Stationen in der Zweiten und Dritten Liga ausklingen lassen will, orientierten sich die jungen Akteure. „Danach haben wir zunehmend unsere Fehler minimiert.“

Der zweite Pluspunkt: „Über die gesamte Saison gesehen sind wir von schweren Verletzungen verschont geblieben“, so Becker. Nur die beiden Youngster Felix Horn und Christopher Zylus fielen länger aus. Und nicht zu vergessen das „Wohnzimmer“, die enge Halle Gillesbachtal, in der der BTB auch in der Nordrheinliga gewohnt heimstark agierte. „Wenn man so zu Hause spielt, dann ist die Halle voll“, freute sich Becker, denn im Schnitt verfolgten 250 Zuschauer die Spiele und feuerten „ihren“ BTB lautstark an.

Klassenerhalt hatte das Saisonziel gelautet, und das gibt Becker auch für die kommende Saison aus, die definitiv schwerer wird. Und dass nicht nur, weil es die zweite für einen Aufsteiger meist ist. Mit dem besten Torschützen Simon Bock, der zum HC Weiden wechselt, Abwehrrecke Oliver Rückels und Julius Schlumberger, die es beruflich nach Essen bzw. in die Niederlande zieht, verlieren die Aachener drei wichtige Akteure, die wohl nicht zu ersetzen sind. „Wir haben schon viele Gespräche geführt, aber letztlich hat sich kein Spieler für uns entschieden“, sieht Becker in Sachen Neuverpflichtungen schwarz.

„Aber Simon wird noch ein Jahr dranhängen“, freut sich der Trainer, der mit Breuer in früheren Regionalliga-Erfolgsjahren noch selbst auf dem Parkett gestanden hatte. In der Vorbereitung werden wohl Akteure aus der zweiten Mannschaft mittrainieren, aber „nach dem Aufstieg in die Oberliga wird auch unsere Reserve alle Hände voll zu tun haben, um dort den Klassenerhalt zu sichern“, weiß Becker.

Gibt den Kollegen ­Sicherheit: Simon Breuer. Foto: dag/Dagmar Meyer-Roeger

Erst am letzten Spieltag hatte die BTB-Reserve Titel und Aufstieg gesichert – einen Durchmarsch, den keiner erwartet hatte. „Unsere Vorbereitung war kurz und nicht gut, der EWV-Cup, bei dem es nicht lief, unsere einzige Standortbestimmung“, blickt Philipp Reinertz zurück. „Die Meinungen in Sachen Saisonziel gingen im Team auseinander, geeinigt haben wir uns auf einen Platz unter den Top fünf. Auch ich als Trainer hatte die Mitte gewählt.“

Los ging es mit einer Niederlage gegen Bardenberg, doch dann zeigte die gute Arbeit langsam Wirkung. Der damalige Tabellenführer MTV Köln wurde klar besiegt („Unser bestes Saisonspiel“), ebenso die späteren Mitaufsteiger HC Weiden II und Opladen. „In der Winterpause haben wir einstimmig unser Saisonziel korrigiert und den Aufstieg angepeilt“, so Reinertz, dessen Ex-Team zusammenbleiben wird.

Nach drei Jahren beim BTB verabschiedet sich der 35-jährige Belgier, der zuvor zwei Jahre die BTB-A-Jugend betreut hatte und mit ihr HVM-Vizemeister wurde sowie den Aufstieg in die Nordrheinliga schaffte. Reinertz ist zugleich Trainer der Frauen seines Heimatklubs KTSV Eupen, die in der zweiten Division spielen. „Und diese Doppelbelastung ist nicht mehr tragbar, in der abgelaufenen Saison habe ich es mit Ach und Krach geschafft“, bedauert Reinertz. Sein Nachfolger wird Zbigniew Krzyskow (Schwarz-Rot Aachen).

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