Walheim: Nachwuchsarbeit im Ringersport: Beim „Altmeister“ in der Lehre

Walheim: Nachwuchsarbeit im Ringersport: Beim „Altmeister“ in der Lehre

Kinder laufen, spielen, lachen, und der eine oder andere Ball wird durch die Sporthalle in Walheim am Kirchberg geschossen. Bis ein Pfiff ertönt und jemand laut in die Hände klatscht: „Kommt Aufbauen, wir haben nicht so viel Zeit“, ruft Klaus Sailer durch die Halle. Sofort legen die Kids kleinere Matten auf den Boden und rollen die große Ringermatte aus.

Die Kinder, die Sailer gerade anspricht, sind die Nachwuchshoffnungen der Ringerabteilung des TV Eintracht Walheim — die B-, C-,D- und E-Jugendlichen des Vereins.

Unter fachkundiger Anleitung von Klaus Sailer (hinten auf der Matte) erlernt der Nachwuchs die Kunst des fairen Ringens. Foto: Andreas Steindl

Sailer, der jahrelang Trainer der 1. Bundesligamannschaft der Eintracht war, betreut zusammen mit Karl-Josef Hild die Walheimer Jugend. In den 80er- und 90er-Jahren war Sailer als aktiver Ringer eine wichtige Stütze des Vereins. Insgesamt 25 Kinder, darunter auch einige, die die Sportart noch ausprobieren, trainieren zweimal in der Woche unter dem mehrmaligen Landesmeister und Deutschen Meister der Veteranen (2006).

Wie kommen die Kinder dazu, diesen augenscheinlich harten Sport auszuüben? Dass es kein Geheimrezept gibt, um den Nachwuchs zum Ringen zu bewegen, weiß Sailer: „Erstmal muss jeder, der nach hier kommt, Spaß daran haben, die Kräfte mit anderen zu messen.“ Der 13-jährige Sean Ullrich erzählt: „Das war der einzige Sport, der mir wirklich Spaß gemacht hat, und er hilft mir auch sehr, im Alltag schwere Sachen zu heben.“

Für die Jüngsten und Einsteiger gibt es Anfängerturniere. Eine offizielle Saison oder Liga gibt es für die Junioren nicht. Vielmehr wird an offiziellen Wettkämpfen und Turnieren wie Kreis-, Bezirks- oder Landesmeisterschaft teilgenommen. Das kann bis zur Deutschen Meisterschaft führen. Acht bis zehn Wettkämpfe stehen im Jahr an.

Dabei dauert ein Kampf für die Nachwuchstalente 2 x 2 Minuten. Die jüngsten Ringer sind vier Jahre alt. Für sie kommen die Turniere allerdings noch zu früh, da man erst ab sechs Jahren berechtigt ist, an Wettkämpfen teilzunehmen. Zudem benötigt es ein halbes bis ein Jahr, die Kinder auf Wettkämpfe gut vorzubereiten, wie Sailer sagt: „Keiner, der heute anfängt, kann schon direkt zu Turnieren.“ Zusammen mit Neueinsteigern können die Jüngsten bei Anfängerturnieren antreten, um sich der Sportart zu nähern.

Vorbereitet werden die Kinder im Training. Dabei steht, bevor gerungen wird, das Aufwärmprogramm an. Das ist wichtig für jeden Ringer, egal ob jung oder erfahren. Dehn-, Lauf- und Turnübungen sind dann angesagt. Danach folgt das Technikprogramm: Griffe für das Angriffs- und Abwehrverhalten werden gezeigt und erlernt. „Die Grundbasis muss man sich erarbeiten“, sagt Sailer.

Im Training wird zunächst das Freistilringen geübt. Die Spezialisierung, ob die Kinder später Griechisch-römisch oder im Freistil kämpfen, folgt erst im Alter von 14 Jahren. Dann können die Mädchen und Jungen selber entscheiden, in welcher Stilart sie in Zukunft auf die Matte gehen möchten. Die beiden Stilarten unterscheiden sich technisch voneinander: Im Freistil darf der gesamte Körper angegriffen werden — von Kopf bis Fuß. Im Griechisch-römischen Stil darf der Gegner nur oberhalb der Gürtellinie angegriffen werden.

Neben den Techniken werden Bereiche wie Fitness, Kraftsteuerung und Bewegungskoordination schon früh gefördert. Sailer verspricht weiteren Nutzen: „Die Kinder lernen ihren Körper neu kennen, sie erlernen eine gesunde Härte und erlangen Selbstbewusstsein. Die Jungs und Mädchen werden alle gut durchs Leben kommen.“ Natürlich birgt Ringen, wie jeder andere Sport auch, Verletzungsgefahren. Doch die seien im Jugendbereich eher selten, weiß Sailer. Nachwuchstalent Sean Ullrich gibt jedoch zu, dass er ab und zu Angst vor Verletzungen habe: „Vor Wettkämpfen manchmal.“

Den jungen Ringern wird schon etwas abverlangt. Bevor sie auf die Matte gehen und den Kampf gegen ihren Gegner bestreiten, liegen noch zwei weitere „Kämpfe“ vor ihnen. Sie müssen auf ihr Gewicht achten, denn vor den Kämpfen müssen sie auf die Waage. Wie bei fast jedem Kampfsport, gibt es Gewichtsklassen. Da geht es nicht um mehrere Kilogramm, da geht es um mehrere Gramm. Spezielle Ernährungspläne oder Diäten werden für die Kinder nicht veranlasst, jedoch entscheiden 500 Gramm mehr oder weniger über die Gewichtsklasse, in der angetreten wird.

Das Lampenfieber sei für manche Kinder bereits vor dem eigentlichen Kampf „ein Gegner“, weiß Sailer. Denn sie treten zwar als Mannschaft an, auf der Matte aber kämpft jeder alleine. Erst, wenn sie die beiden „Hürden“ Gewicht und Lampenfieber gemeistert haben, sind die Kinder bereit, in den Wettkampf zu gehen. Sailer: „Dann ist alles vergessen, was vorher war.“

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