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K1-Kämpfer Frederik Fraikin überzeugt in Vaals im Kampfsport

Fraikin überzeugt in Vaals : Strahlemann in weißen Badelatschen gewinnt

K1-Kämpfer Frederik Fraikin überzeugt bei der Knockout-Gala im niederländischen Vaals nach einem Jahr Abstinenz. Tai-kien-Kämpfer Ehsan Molaei ist gegen den erfahrenen Zafar Mohsen chancenlos.

Ein Sieger darf das: In weißen Badeschlappen schwebte Frederik Fraikin geradezu von Interview zu Interview, von Fan zu Fan: Das Gesicht makellos, der Gang federnd, der Aachener wirkte nach seinem überzeugenden Sieg zum Höhepunkt der Knockout-Veranstaltung in Vaals so locker und dynamisch, als hätte er problemlos noch bis in die frühen Morgenstunden weiterkämpfen können.

Freundin Julia hatte die Leistung nicht überrascht. „Ich hab’s schon vorher gespürt.“ Und auch Fraikin selbst war mit einem guten Gefühl in den K1-Kampf gegen den Jülicher Agron Meholli gegangen. „Die Pause von einem Jahr hat mir richtig gutgetan. Ich konnte viele private Probleme lösen.“

Und auch sportlich hat der ehemalige Aachener Sportler des Jahres seine Qualitäten verfeinern können. Seine Tritte kamen mit viel Überzeugung, seine Boxqualitäten waren immer schon gut entwickelt. Sogar sein dauerkritischer Trainer Frederick Jungheim zeigte sich äußerst zufrieden.

„In der ersten Pause habe ich ihm noch mal gesagt, dass er auf Distanz bleiben und sich nicht prügeln soll.“ Das beherzigte Fraikin in der zweiten Kampfhälfte, nachdem er sich zuvor immer wieder zu bereitwillig dem Schlagwirbel Mehollis gestellt hatte. „Ich hatte ihn gut getroffen und kurz überlegt, auf den Knockout zu gehen.“ Aber sein Trainer und seine Vernunft setzten sich durch.

„Klein, aber oho“

Das war auch nötig, denn der Mann vom Fight Club Jülich ließ sich auch durch die klareren Treffer Fraikins nicht aufhalten. „Klein, aber oho“, beschrieb sich Meholli selbst vor dem Kampf, als er darauf angesprochen wurde, sein Gegner sei ja einen Kopf größer. Und das „oho“ bewies er in dem Drei-Runden-Kampf, obwohl auch er aus einer längeren Pause kam.

Das Drehbuch des Abends war perfekt geschrieben: tolle „Vorkämpfe“, zwei brillante Titelkämpfe inklusive eines spektakulären Knockouts, und der letzte Kampf war auch emotional der Höhepunkt für die rund 500 Zuschauer im ausverkauften Grand-Café Zera. Aller guten Dinge sind drei, das war für die dritte Knockout-Veranstaltung in Vaals eher untertrieben.

Dieser Abend stach beide auch bereits guten Vorgänger-Veranstaltungen aus: „Das war wirklich top in allen Bereichen. Wir hatten eine echte Starbesetzung, und die Kampf-
paarungen waren wirklich gut zusammengestellt“, sagte Veranstalter und Tai-kien-Cheftrainer Frederick Jungheim. Die Zuschauer goutierten das und verliehen sportlich fair, aber engagiert dem Abend einen würdigen Rahmen.

Auf der Lauer: Lukas Achterberg auf der Suche nach einer finalen Lücke. Foto: Wolfgang Birkenstock

Diese positive Atmosphäre konnte aber Ehsan Molaei nicht vor einer schmerzhaften Niederlage bewahren. Der Tai-kien-Kämpfer war im einzigen MMA-Kampf (Mix Martial Arts) des Abends Zafar Mohsen (Kiboju Fight Fabrik Mannheim) von Anfang an unterlegen. „Unglaublich, dass er so lange durchgehalten hat“, sagte Mohsens Trainer Niko Sulenta.

Der Handtuchwurf von Tai-kien-Coach Jungheim in der dritten Runde (à fünf Minuten) war fast wie eine Erlösung für Molaei. „Er ist ein zäher Hund“, lobte der Coach seinen Zögling. „Es ist nicht wichtig zu siegen“, sagte Lukas Achterberg, der zuvor seinen K1-Kampf gegen Ahmed Shah Ghazikhani klar gewonnen hatte, „aber man muss Herz zeigen.“

Molaeis Herz war offensichtlich zu groß, sein Trainer musste den Iraner vor sich selbst schützen. Freiwillig hätte der Flüchtling nicht aufgegeben. „Er ist mit den Judotechniken nicht klargekommen“, erklärte Jungheim die mehr als zehnminütige Tortur seines Kämpfers.

Schmerzhafte Konsequenz

Das war die eine Wahrheit, die kleinere vom Vaalser Abend. Die größere: „Sein vorheriger Trainer hat ihn sofort bei den Profis starten, anstatt erst einmal Erfahrungen bei den Amateuren sammeln zu lassen. Da stand wohl das Geldverdienen im Vordergrund.“

Einen Weg zurück gibt es nicht. Die bittere und schmerzhafte Konsequenz: Molaei muss sich bei allem Talent mit einer Kategorie auseinandersetzen, in die er noch nicht hineingehört. „Wir müssen uns was überlegen, Ehsan braucht noch viel mehr Kämpfe. Vielleicht weichen wir auf’s K1 oder Muay Thai aus“, sagt Jungheim. Das Problem: Molaeis Endstation Sehnsucht ist das MMA.

Diese Präferenz teilt er mit Lukas Achterberg. Der Kampf-Riese aus Alsdorf muss auf seine Premiere allerdings noch bis nächstes Jahr warten, da der geplante Käfig-Fight ausfiel. Schadlos hielt er sich am Samstagabend beim K1-Sieg gegen den Ingolstädter Ghazikhani, auch wenn er seine K.o.-Idee fallen lassen musste.

Buchstäblich unterlegen: Tai-kien-Kämpfer Ehsan Molaei ist am Boden chancenlos gegen den erfahrenen Zafar Mohsen, zeigt aber viel, viel Herz. Foto: Wolfgang Birkenstock

„Der konnte unglaublich einstecken“, sagte der Kämpfer von Sparta Aachen über seinen afghanischen Gegner. In der ersten Runde sah alles nach einem vorzeitigen Aus des Ingolstädters aus. Doch dann entpuppte sich dieser als unorthodoxer Kontrahent mit obendrein stahlhartem Schienbein. Lukas Achterberg handelte sich dadurch einen geprellten Mittelfuß und die Erkenntnis ein: „Der war komisch!“

Komisch fand auch Ehsan ­Molaie seine Leistung. „Ich wollte unbedingt einen geilen Kampf bieten.“ Auch, weil er diesen dem Iran-Protest gewidmet hatte, wie er es bei seiner Vorstellung auf einem gelben Shirt signalisierte. „Aber schon die erste Runde war so anstrengend.“

Das hatte seinen Grund: In der Vorbereitung hatten ihn immer wieder grippale Infekte zurückgeworfen. Und am Kampfmorgen fühlte er sich richtig mies. „Meine Freundin wollte, dass ich den Kampf absage, aber das konnte ich nicht.“ Die Lektion zeigte aber neben Schmerzen und Frust auch einen positiven Effekt: „Das nächste Mal werde ich auf sie hören.“