Stolberg: Junge Pool-Billard-Profis erobern die Weltrangliste

Stolberg : Junge Pool-Billard-Profis erobern die Weltrangliste

Sie spielt seit mehr als zwölf Jahren erfolgreich Pool-Billard und ist in ihrer Jugend als Pia Blaeser Europameisterin geworden. Zu drei Bronzemedaillen bei Europameisterschaften hat sie zehn Titel bei Deutschen Meisterschaften gesammelt, wurde 13 Mal NRW-Meisterin und holte 27 Verbandsmeistertitel.

Heute ist die 20-Jährige aus Stolberg-Mausbach, die für den Billardclub Alsdorf spielte, ins Profilager gewechselt und heißt Pia Filler. Denn sie hat Joshua Filler geheiratet — ebenfalls ein absolutes Billard-Ausnahmetalent.

Der 20-jährige, aus dem Raum Dortmund stammende Neu-Stolberger gewann die „China Open“ sowie jüngst ein Weltranglisten-Turnier in den USA und belegt Platz vier der Weltrangliste. So erfolgreich ist Pia Filler noch nicht, aber die Tendenz ist steigend: Platz 51 der Weltrangliste scheint nur eine Momentaufnahme zu sein, wenn man die jüngsten Ergebnisse betrachtet. In Taiwan belegte sie unter den 48 besten Frauen der Weltrang 32. In der Euro-Tour ist sie auf Platz elf gelistet, erreichte zuletzt jedoch bei drei Turnieren der Euro-Tour in Folge jeweils den fünften Rang.

Doch können die Beiden, die in sozialen Netzwerken als „Killerfillers“ eine Fangemeinde haben, von ihren Berufen als Pool-Billard-Profis auch leben? Einfach sei es nicht, sagen sie. Einerseits winken bei erfolgreichen Turnieren Preisgelder. „Die Spanne reicht dabei von 1000 bis 150.000 Euro, je nach Größe, Prestige und Austragungsort der Turniere“, erklärt Joshua Filler. „Auf der anderen Seite stehen die Kosten“, beschreibt Pia Filler, dass die Beiden zwar einen Sponsor haben, der aber lediglich das hochwertige Sportmaterial stelle.

„Die Kosten für Reisen und Hotelzimmer müssen wir selber stemmen“, sagt Pia Filler. Bei Turnieren in Ländern von China bis USA und in ganz Europa seien die Reisekosten immens, und eine Garantie, Preisgelder zu gewinnen, gebe es dabei nicht. „Außerdem müssen wir auch an die Altersvorsorge denken, wobei man auch mit Mitte 60 noch erfolgreich als Profi Pool-Billard spielen kann“, sagt Joshua Filler. Genau letzteres hat das Paar vor — und zudem noch einen Traum. Denn Billard sei in Deutschland eher eine Randsportart.

„Was sehr schade ist, weil Billard sich eigentlich ganz hervorragend als Breitensportart eignet. Jung und alt sowie Menschen mit als auch ohne Handicap können es gemeinsam spielen“, betont Pia Filler. Daher haben die Fillers eine Vision: Sie möchten neben ihren Profi-Karrieren eine Billard-Akademie in Stolberg oder Umgebung gründen, um den Stellenwert des inklusiven Präszisionssports für fast alle Generationen zumindest in der Region zu erhöhen. „In einer solchen Akademie könnten Interessierte den Sport mit professionellem Material und unter fachkundiger Anleitung erlernen und trainieren“, erklärt Joshua Filler.

Vor einer möglichen Realisierung des ambitionierten Projekts stehen für die zwei Nationalkader-Spieler allerdings zuerst noch die Billard-Europameisterschaften an, die ab dem 19. Juli im niederländischen Veldhoven ausgetragen werden. Dann geht es mit der Euro-Tour weiter, und mittelfristig haben die beiden Stolberger Pool-Profis nicht nur eine Billard-Akademie in den Fokus genommen, sondern auch die World Games, bei denen in 2021 in den USA Medaillen in den Sportarten vergeben werden, die nicht olympisch sind.