Initiator der Fairplay-Liga will den Nachwuchsfußball reformieren

Fußball : Ralf Klohr: „Ich will für die Kinder etwas ändern“

Vor sieben Jahren hat die Fairplay-Liga einen Schub erhalten. Beim DFB-Amateurkongress 2012 wurde die bundesweite Einführung als Handlungsauftrag formuliert.

Der Masterplan wurde anschließend ausgestaltet und die Umsetzung beschlossen. Die G- und F-Junioren kicken nun im ganzen Land ohne Schiedsrichter und mit einer Fan-Regel, die besagt, dass alle Erwachsenen rund 15 Meter Abstand vom Spielfeld halten müssen. Initiator der Fairplay-Liga ist Ralf Klohr.

Der heute 56-Jährige hatte Ende 2005 in unserer Zeitung einen Artikel über ein F-Jugend-Spiel gelesen, das kurze Zeit später im Rahmen einer Spruchkammersitzung verhandelt werden musste. Die sieben und acht Jahre alten Akteure gehörten nicht zu den „Angeklagten“, verhandelt wurden die gewalttätigen Vorfälle der erwachsenen Begleiter am Spielfeldrand. Klohr, damals Jugendleiter beim SuS Herzogenrath, zeigte sich geschockt und entwickelte die Idee zur Fairplay-Liga. Bei Detlef Knehaus, dem Vorsitzenden des Jugendausschusses im Kreis Aachen, und dem damaligen Kreisjugendwart Thorsten Meier stieß er auf offene Ohren. Anfang 2007 fiel der Startschuss für das wohl einmalige Projekt im Kinderfußball.

Doch obwohl der DFB die bundesweite Einführung der Fairplay-Liga mittlerweile beschlossen hat, bastelt der unermüdliche Kämpfer an einem neuen Konzept. „Ich will für die Kinder etwas ändern. Es muss sich etwas tun, weil der DFB zu wenig macht“, betont Klohr, der einen Fünf-Punkte-Plan zur Neuausrichtung des Kinderfußballs ausgearbeitet hat. „Der DFB ist der Kopf und muss Angebote haben“, ergänzt der Macher.

Zunächst sieht sein Plan die Bildung eines DFB-Ressorts Kinderfußball vor. „Die Hälfte der Fußballspieler unter dem Dach des DFB sind Kinder bis zwölf Jahre. Für den größten Fußballverband der Welt ist es ein Unding, dass Kinderfußball nur nebenher und auf Sparflamme mitläuft“, verdeutlicht Klohr, dessen Vision einen hauptamtlichen Abteilungsleiter vorsieht sowie weitere hauptamtliche Mitarbeiter auf DFB-Ebene. Zum Start kalkuliert der 56-Jährige mit einem Fünf-Millionen-Etat.

Im zweiten Schritt steht die Neuausrichtung im Kinderfußball im Fokus. Hierfür soll eine Projektgruppe gegründet werden, die sich mit dem Ressortleiter an die Arbeit macht. „Diese Projektgruppe muss mit frischem Blut besetzt werden. Vorgefertigte Meinungen von alt gedienten DFB-Mitarbeitern sind bei diesem sensiblen Thema fehl am Platz“, unterstreicht Klohr, der auch Experten aus der Wissenschaft miteinbeziehen will.

Als dritten Punkt nennt Klohr die Festlegung einer verbindlichen Philosophie. Die Ausbildung der Trainer, Vereinsmitarbeiter sowie ehrenamtlichen Mitarbeiter der Fußballkreise soll festgelegt werden. Auch die Frage, wie der Spielbetrieb künftig aussehen kann, soll von der Projektgruppe beantwortet werden. Zudem will Klohr eine DFB-Hotline einrichten, an die sich Eltern, Trainer und Jugendleiter jederzeit wenden können. „Die Sorgen und Anliegen müssen ernst genommen werden, und der DFB muss als Vermittler auftreten“, betont Klohr.

Im vierten Step sollen neue Angebote geschaffen werden. „Stillstand ist Rückschritt“, lautet das Motto des Visionärs. Zunächst will er die Fairplay-Liga überarbeiten, denn „alle Angebote können mit Sicherheit optimiert werden“. Erst danach sollen neue Angebote her.

Als letzter Punkt steht die Weiterentwicklung an. Sollte sich die neue Struktur im Kinderfußball bis dahin etabliert haben, stelle sich die Frage, wie man Synergien in den Jugendfußball transportieren könne. „Auch die jungen Schiedsrichter müssen mit einbezogen werden. Sie müssen Kompetenzen aufbauen können und die Gelegenheit erhalten, langsam zu reifen“, sagt Klohr.

Grundsätzlich merkt er an: „Es ist wichtig, dass bei solchen Veränderungen keine Überforderung der Basis stattfindet. Die Veränderungen müssen sich zuerst beim DFB selbst einstellen, erst dann können sie im Umfeld des Fußballs greifen. Für die Kinder ändert sich nichts. Das Spiel und die Regeln bleiben gleich. Ansonsten muss der Ball vorne ins Tor und hinten soll er nicht rein.“

Weitere Infos zur Fairplay-Liga:

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