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Wasserspringer aus Aachen: In Tokio kämpft ein Trio um die Tokio-Tickets

Wasserspringer aus Aachen : In Tokio kämpft ein Trio um die Tokio-Tickets

Die Aachener Wasserspringer Alexander Lube, Moritz Wesemann und Jaden Eikermann sind für den Weltcup in Japan nominiert und hoffen auf Tickets für Olympia.

Tokio kennt er noch nicht, „aber außer dem Hotel und der Schwimmhalle werde ich diesmal auch nichts kennenlernen“. Bedauern klingt nicht aus der Stimme von Alexander Neufeld, auch wenn er so ein bisschen Sightseeing auf den Reisen schon zu schätzen weiß. Ändern dürfte sich das auch bei seinem zweiten Tokio-Besuch nicht, der schon im Juli anstehen könnte. „Ich verstehe Trainer nicht, die sich beschweren. Sie können doch wenigstens zu Wettkämpfen fahren“, ist der 68-Jährige froh, in Japan mit seinen Athleten antreten zu dürfen. Mit Alexander Lube, Moritz Wesemann und Jaden Eikermann haben es gleich drei von ihnen in den 15-köpfigen Kader für den Weltcup der Wasserspringer geschafft, der vom 18. bis 23. April in Tokio stattfindet. Und zudem darf sich das Trio des SV Neptun Aachen samt Coach berechtigte Hoffnungen machen, dass man Ende Juli für die Olympischen Spiele nach Japan zurückkehren kann.

Während die meisten Amateursportler coronabedingt zwangspausieren müssen, durften die Wasserspringer mit einer nur kurzen Unterbrechung weiter trainieren. Des Rätsels Lösung: „Elf unserer Wasserspringer gehören dem Bundeskader an, und dessen Mitglieder dürfen auch während einer Pandemie – unter strengen Bedingungen wie Tests, Abstand, Maske und Führen eines Kontakttagebuchs – weiter trainieren. Unser jüngerer Nachwuchs darf natürlich nicht in die Halle, sondern trainiert auf dem Trockenen mit den Coaches nur via Zoom“, erläutert Neufeld. Für seine Trainingsgruppe standen und stehen dagegen Lehrgänge, Qualifikationsspringen mit Blick auf Olympia auf dem Plan. „Auch wenn pandemiebedingt das zweite Qualifikationsspringen in Rostock abgesagt werden musste“, bedauert Neufeld.

Doch die Aachener nutzten ihre Chancen gut: Vom Turm führt der erst 16-jährige Jaden Eikermann, der 2020 Deutscher Meister aus zehn Metern wurde, die interne Qualifikationswertung vor dem Aachener Timo Barthel, der aber für den SV Halle springt, und Lou Massenberg (Berlin) an. Hinter Martin Wolfram (Dresden) steht Alexander Lube vom Drei-Meter-Brett auf Platz zwei vor dem Berliner Lars Rüdiger und Barthel. „Alexander hat eine gute Chance, er hat eine schwere Serie. Und Jaden hat schon bei der DM gezeigt, was er kann“, ist Neufeld zufrieden. An der Seite von Wolfram kämpft Moritz Wesemann synchron vom Brett um das Ticket, muss sich dabei aber mit Patrick Hausding, der schon u. a. 2008 mit dem Aachener Sascha Klein Olympia-Silber gewann, und Rüdiger auseinandersetzen.

Abitur statt Olympia heißt es dagegen für Julia Deng. „Julia ist ebenso wie die Rostockerin Jette Müller Jahrgang 2003. Sie kann bei der Junioren-EM im Juni und bei der Junioren-WM im November teilnehmen“, erläutert der Coach. „Daher haben beide Trainer gesagt, sie sollen sich zuerst um Schule und Abitur kümmern und den Abschluss wegen der Olympia-Lehrgänge nicht um ein Jahr verschieben.“ Zumal das Frauen-Aufgebot von der erfahrenen Tina Punzel (Dresden) angeführt wird. Mit Christina und Elena Wassen sowie Jana-Lisa Rother (alle Berlin) stehen zudem drei ehemalige Neptun-Springerinnen im Kader.

Lutz Buschkow fordert einiges von seinen Springern. Vergangene Woche weilten die Olympia-Aspiranten und Weltcup-Teilnehmer zum Lehrgang in Dresden. Der Bundestrainer hatte einige Sichtungsspringen in die Lehrgänge eingebaut, um seine Olympia-Anwärter unter Wettbewerbsbedingungen zu sehen. Da standen z. B. vom Brett jeweils fünf Durchgänge nacheinander auf dem Programm – also fünf Mal in Folge die komplette Wettkampfserie. „Das ganze dauerte drei Stunden, dadurch sollen Ausdauer, Kraft und Stabilität gefördert werden“, erläutert Neufeld. Die Punkte in den Durchgängen sollten sich nicht zu sehr unterscheiden, „das wäre nicht gut, weil die Serien dann nicht stabil sind“. Härtetest für Wasserspringer, die ansonsten in internationalen Wettkämpfen mit 54 Teilnehmern in einem Vorkampf rund 25 Minuten zwischen den einzelnen Sprüngen warten müssen.

Nach dem Lehrgang ist vor dem Lehrgang, und so müssen die Aachener Wasserspringer, die am Sonntag erst aus der sächsischen Landeshauptstadt zurückgekehrt sind, dort bereits am Ostermontag zum nächsten Lehrgang antreten. Der angedachte Lehrgang in Japan kam pandemiebedingt nicht zustande, auch wenn der Bürgermeister von Fuji das deutsche und Schweizer Team eingeladen hatte. Am 12. April geht nun der Flieger nach Tokio, wo die deutsche Delegation erst einmal vier Tage lang in Quarantäne muss, ehe am 18. April die Wettkämpfe beginnen.