Stolberg/Odense: Holger Sievers: Mit Duathlon-WM-Titel „überhaupt nicht gerechnet“

Stolberg/Odense: Holger Sievers: Mit Duathlon-WM-Titel „überhaupt nicht gerechnet“

Im Urlaub hatte er die Starterliste schon einmal studiert. In seiner Altersklasse AK 50, das sind die 50- bis 54-jährigen Athleten, starteten bei der Duathlon-Weltmeisterschaft im dänischen Odense auf der Kurzdistanz unter anderem der amerikanische Titelverteidiger David Engstrom, der dänische Europameister auf der Mitteldistanz, Jens Oluf Eriksen, und der Vize-Weltmeister von 2017, Dennis Colburn aus Kanada.

„An einen dieser drei Athleten wollte ich mich orientieren“, erzählt Holger Sievers aus Stolberg. Am Ende des Rennens über eine Gesamtdistanz von 55 Kilometern (zehn Kilometer Laufen, 40 Kilometer Radrennen, fünf Kilometer Laufen), triumphierte der ehemalige Radprofi, der in Stolberg eine Cycling Academy betreibt. Er sicherte sich in einer Gesamtzeit von 1:46:42 Stunden, in seinem insgesamt erst elften Duathlon-Wettbewerb, den WM-Titel. „Mein Ziel war es, unter die besten Zehn meiner Altersklasse zu kommen. Dass ich am Ende Weltmeister werde, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Ich freue mich sehr über den schönen Erfolg“, erzählt Sievers.

„Nach meiner offiziellen Nominierung seitens der Deutschen Triathlon Union habe ich mich zehn Wochen lang so gezielt, wie es mir möglich war, auf dieses Saisonhighlight vorbereitet. Nachdem ich in den letzten beiden Jahren in Alsdorf jeweils Deutscher Vizemeister über die Kurzdistanz geworden bin, wollte ich bei der WM in Top-Form am Start stehen“, sagt Sievers, der seit Februar Vorsitzender des RC Zugvogel 09 Aachen ist. Top-Form, das hieß für ihn, im Laufen besser werden. Fünf Kilo trainierte Sievers ab und tat alles dafür, seine schwächste Disziplin, den finalen Lauf über fünf Kilometer, zu optimieren. Kurz vor der Reise nach Odense war der Athlet zufrieden: „Die Vorbereitung lief großartig, die Form war so gut wie zuletzt in meiner aktiven Zeit als Radprofi.“

In dem Wissen, dass die drei genannten Konkurrenten „das Maß der Dinge sein werden“, ging der Stolberger ins Rennen, orientierte sich an Titelverteidiger Engstrom, kam zeitgleich mit ihm nach 31 Minuten und 20 Sekunden in die Wechselzone und stieg auf sein Zeitfahr-Rennrad. Schnell war Sievers der Konkurrenz enteilt. „Da natürlich auch Konkurrenten aus den anderen Altersklassen unterwegs waren, wusste ich nicht, ob ich schnell genug unterwegs bin.“

Das sollte sich aber bald herausstellen. Denn: In der zweiten Wechselzone waren die Areale, in denen die Räder abgestellt werden mussten, nach den einzelnen Altersklassen aufgeteilt. „Als ich dort ankam und sah, dass noch kein einziges Rad dort abgestellt war, wusste ich, dass ich führe“, so Sievers. 90 Sekunden Vorsprung hatte er herausgefahren, „ohne meine Reserven für den letzten Lauf aufzubrauchen“. Auf den finalen fünf Kilometern ließ er sich nicht mehr aufhalten. „Ich bin etwa drei Kilometer mit einem jüngeren Belgier gelaufen, ehe mich kurz vor dem Ziel noch ein ebenfalls jüngerer Brite überholt hat“, schildert Sievers seinen Lauf.

Ganz sicher konnte er aber selbst im Ziel noch nicht sein, ob er die Linie als Sieger überquert hat. Dafür waren zu viele Teilnehmer unterwegs. Eine halbe Stunde später, als das offizielle Ranking bekanntgegeben wurde, durfte Sievers jubeln. Seine Taktik war aufgegangen, sich im ersten Lauf an die stärksten Konkurrenten zu halten und dann die Vorteile als ehemaliger Radprofi zu nutzen, „nach dem Motto ,lieber vorne sterben, als hinten nichts werden‘“, wie er schmunzelnd sagt.

Ob er seinen Titel 2019 in Spanien verteidigt, weiß Sievers noch nicht. „Ich suche mir jedes Jahr ein Highlight aus. Möglich, dass ich es wieder versuche. Möglich ist aber auch, dass ich etwas anderes mache.“

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