„Ein wandelndes Fußball- und Musiklexikon“: Hermann Grümmer ist im Alter von 70 Jahren gestorben

„Ein wandelndes Fußball- und Musiklexikon“ : Hermann Grümmer ist im Alter von 70 Jahren gestorben

Es gibt Persönlichkeiten, die hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck: Hermann Grümmer war so ein Mensch. Im Alter von nur 70 Jahren starb der frühere Fußballspieler und -trainer am Samstag – und mitten aus dem Leben gerissen, trifft hier wie selten zu: Grümmer war im Auftrag von Arminia Bielefeld als Scout zu einem Fußballspiel in Belgien unterwegs, als er tot aufgefunden wurde.

Hermann Grümmer war eine der Persönlichkeiten, die seit Jahrzehnten den Fußball in der Region mitgeprägt haben – wenn auch nicht offensichtlich an vorderster Front. Mit neun Jahren startete Grümmer seine Fußballkarriere beim VfL 05 Aachen, mit 16 Jahren wechselte er in die B-Jugend von Borussia Brand. „Er war ein Talent, schaffte mit 18 gleich den Sprung in die erste Mannschaft“, erinnert sich der frühere Brander Obmann Edgar Hausen, langjähriger Weggefährte Grümmers, der damals mit ihm in der B-Jugend der Borussia gespielt und zudem dieselbe Schule besucht hatte.

1970 entdeckte Alemannia Aachen den jungen Fußballer, der gemeinsam mit Rolf Brandenburg und Franz-Josef Mackowiak von der Borussia an den Tivoli wechselte und einen Profivertrag unterschrieb. „Doch Hermann hatte Pech, in seinem ersten Meisterschaftsspiel in Hannover zog er sich eine schwere Sprunggelenksverletzung zu“, erinnert sich Hausen. Die verhinderte den Durchbruch des Talents, das beim Sozialamt tätig war. „Hermann hat sich zwar geschunden und wieder gespielt, aber die Verletzung hat die große Karriere verhindert“, erinnert sich Robert Moonen, die „Stimme vom Tivoli“ und in der Brander A-Jugend aktiv, als er Grümmer kennenlernte. Erst im vergangenen und in diesem Jahr hatte sich Grümmer aufgrund der alten Verletzung zehn Operationen an seinem Sprunggelenk unterziehen müssen.

Zwei Jahre spielte Grümmer für die Alemannia, zwei weitere für die Eschweiler SG, ehe er seine sportliche Heimat 1974 beim TuS Langerwehe fand. Bis 1983 – übrigens mit Rolf und Christoph Brandenburg – spielte er für den TuS, den er anschließend 15 Jahre lang bis 1999 als Trainer betreute. Der TuS Langerwehe verdiente sich den Namen Pokalschreck, da er 77/78 und 79/80 jeweils bis ins Achtelfinale des DFB-Pokals vordrang und dabei u. a. Hertha BSC 2:1 schlug. 80/81 scheiterte man in der zweiten Runde 1:7 an Borussia Mönchengladbach.

Erster Scout der Alemannia

Aachens Trainer Eugen Hach und Dr. Jürgen Linden, dessen Referent Grümmer im OB-Büro war, gewannen Grümmer für die Alemannia. Ab 1999 war Grümmer der erste Scout des Klubs, baute dessen Scoutingabteilung auf und leitete zwischenzeitlich auch die Jugendabteilung. „In der Ära Jörg Schmadtke war Hermann ein wichtiger Baustein in dessen Netzwerk“, weiß Moonen. Grümmers großes Fachwissen machte sich auch Samir Arabi zunutze: 2013 holte der frühere Scout der Alemannia und heutige Geschäftsführer Sport der Arminia ihn als Scout nach Bielefeld.

„Hermann war total fußballbegeistert, ehrgeizig und leidenschaftlich. Wir haben uns 40 Jahre lang jede Woche beim Fußballstammtisch gegenübergesessen. Wir waren oft unterschiedlicher Meinung. Ich habe dann immer gesagt, dass ich mehr Ahnung vom Fußball hätte, ihn aber als Musikexperte akzeptieren würde. Musik war seine zweite Leidenschaft“, sagt Hausen, der ihn wie Moonen seit 55 Jahren kennt. „Hermann war zu 100 Prozent ehrlich und zuverlässig, loyal, ein Gerechtigkeitsfanatiker“, charakterisiert ihn Moonen, der viele Spiele und Konzerte mit ihm besuchte. „Er war ein wandelndes Fußball- und Musiklexikon.“

Grümmer hinterlässt zwei Kinder, Tochter Saskia und Sohn Michael, der fußballerisch in seine Fußstapfen tritt. Der 35-Jährige spielte u. a. für Borussia Brand in der Mittelrheinliga, hat als Co- und dann Interimstrainer des FC Inde Hahn erste Erfahrungen als Trainer gesammelt und ist neuer Co bei Raspo Brand. „Mein Vater war alles für mich, mein Vater, mein bester Freund und mein Vorbild“, traf Michael Grümmer die traurige Nachricht auf einer USA-Reise unerwartet. „Mein Vater war sehr kritisch in fußballerischen Dingen, auch mir gegenüber. Das hat mir bei meiner Entwicklung geholfen. Was ich heute bin, bin ich durch ihn geworden.“