Fußball: Gert Engels und der lange Weg zum Aufstieg

Fußball : Gert Engels und der lange Weg zum Aufstieg

Gert Engels ist zufrieden: „Wir sind Spitzenreiter der zweiten japanischen Liga.“ „Wir“ ist das Fußballteam des Kyoto Sanga FC.

Der frühere Fußballer der SG Düren 99 und Profi von Borussia Mönchengladbach ist als Co-Trainer mitverantwortlich für den Höhenflug des Zweitligisten aus der 1,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt auf der Insel Honshu.

Zurück liegt die Zeit mit Lukas Podolski und Andrés Iniesta bei Vissel Kobe. Entlassen wurde der damalige Trainer Takayuki Yoshida wegen Erfolgslosigkeit. Engels und die anderen Trainer, die der Japaner in seinem Team hatte, mussten gleich mitgehen. Und wie das Schicksal es wollte: „Wie Yoshida früher ein Spieler von mir war, so hat mich jetzt mit Ichizo Nakata wieder ein ehemaliger Kicker, den ich trainiert habe, als Assistenztrainer geholt.“ Die Verantwortlichen des Zweitligisten wollten dem 46-Jährigen, der bis dato vornehmlich im Amateurbereich gecoacht hatte, einen erfahrenen „Co“ zur Seite stellen.

Gert Engels sagte zu. „Ich hatte zwar auch andere Angebote, hätte beispielsweise bei einem Aufsteiger in der Zweiten Liga Cheftrainer werden können.“ Doch der 62-Jährige lehnte ab: „Der Job wäre ein Himmelfahrtskommando gewesen.“ Der Klub kämpft gegen den Abstieg. Wie auch sein früherer Verein aktuell in der Kellerregion zu finden ist: „Uns fehlten bei der Entlassung drei, vier Punkte bis zu den Champions League-Plätzen. Jetzt liegt das Team von Trainer Thorsten Fink auf dem viertletzten Platz, vier Zähler vor dem Relegationsplatz.“ Dem ehemaligen Spieler des FC Bayern München fehlt zwar aktuell noch Podolski, aber der Spanier Iniesta lenkt weiter die Geschicke des Teams auf dem Feld: „Es hat mich stolz gemacht, mit diesem Weltklassefußballer zusammenarbeiten zu dürfen. Für japanische Verhältnisse ist der 35-Jährige immer noch ein Knaller. Sein Problem ist aber, dass das Team nicht so auf seine Ideen eingehen kann.“

Dass Engels‘ neues Team ganz oben in der Tabelle zu finden ist, war vor der Saison nicht zu erwarten, kämpfte das Team in der abgelaufenen Spielzeit – in Japan wird im Kalenderjahr gespielt – doch gegen den Abstieg. „Ja, es sieht gut aus aktuell, und Platz eins fühlt sich gut an, aber es liegen vor unserer erfahrenen Mannschaft mit ihren jungen Talenten noch 19 Spieltage – und die Situation an der Tabellenspitze ist sehr eng.“

Die Zahlen zeigen: Kyoto führt dank des besseren Torverhältnisses die Tabelle mit 43 Zählern vor Kashiwa Reysol an. Es folgt Mito HollyHock mit einem Punkt weniger, der Sechste hat 37 Zähler. Platz sechs lautet das Minimalziel Kyotos. Während die beiden ersten Zweitplatzierten in die J League aufsteigen, bestreiten die folgenden vier Teams eine Relegationsrunde. Durch den 3:2-Sieg am vergangenen Wochenende gegen den die Nummer 5, Omiya Ardija, konnte Sanga die Tabellenführung festigen. Engels hofft, dass künftig mehr Zuschauer in das ehrwürdige Nishikyōgoku Athletic Stadium mit seinen etwa über 30.000 Plätzen kommen: „Unsere höchste Zuschauerzahl waren 10.000 Fans, normal kommen rund 4000 Anhänger zu unseren Spielen.“ Die machen aber 90 Minuten Stimmung. Situationsbezogene Unterstützung gibt es in Japan nicht: „Die Stimmung ist eine ganz andere als in Deutschland“, sagt Engels. Die Fans ziehen ihren Support von der ersten Minute bis zum Abpfiff durch. Unmutsäußerungen während des Spiels: Fehlanzeige. Hooligans und Randale? „Gibt es in Japan nicht. Auch das ist anders als in Deutschland“, sagt Engels.

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