FC Walheim 2018 geht ab der Saison 2019/20 an den Start

Fußball : Daumen hoch für den FC Walheim 2018

Selten hat ein Thema im Amateurfußball so hohe Wellen geschlagen. Ein ganzer Stadtteil ist seit ein paar Wochen in Aufruhr, denn der Walheimer Vereinsfußball steht vor tiefgreifenden Veränderungen.

Ab der Saison 2019/20 werden zwei Klubs aus dem Aachener Süden am Spielbetrieb teilnehmen. Das steht seit Freitagabend fest. Zum einen wird weiterhin die Hertha auf Torejagd gehen, und zum anderen wird der FC Walheim 2018 um Punkte kämpfen.

Im Rahmen eines Informationsabends des neu gegründeten Vereins erläuterte Geschäftsführer Philipp Keus ausführlich, wie es dazu kommen konnte. Am 6. Dezember des vergangenen Jahres seien die Mitglieder von Hertha Walheim darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass die Fußballabteilung ausgegliedert werden soll, um künftig leistungsorientierter arbeiten zu können. „Ich war geschockt. Das hat allen die Farbe aus dem Gesicht getrieben“, berichtet Keus glaubhaft. Kurz danach habe sich eine etwa 20-köpfige Gruppe „Alt-Herthaner“ zusammengefunden, um zu überlegen, wie es weitergehen könne. „Wir haben uns dann dazu entschlossen, einen neuen Verein zu gründen“, führt Keus weiter aus.

„Wir mussten Fakten schaffen“

Da die Hertha-Mitglieder bei einer Abteilungsversammlung am 15. Januar die Ausgliederung in die Wege leiten sollten, habe dem Team um Keus die Zeit im Nacken gesessen. „Wir mussten bis dahin Fakten schaffen. Das Thema Vereinsgründung hat enorm an Fahrt aufgenommen“, erläutert Keus, der in einem Atemzug die „sehr guten Gespräche mit der Hertha-Führung“ hervorhob. Kurz vor dem Jahreswechsel war es dann soweit: Der FC Walheim 2018 wurde aus der Taufe gehoben. „Der Fußball-Verband Mittelrhein hat die Satzung mittlerweile bestätigt. Wir sind guter Dinge und freuen uns, ab der Saison 2019/20 am Spielbetrieb teilnehmen zu können“, stellt Keus zufrieden fest.

Dabei hätte es kurzfristig auch ganz anders kommen können, denn der Hertha-Vorsitzende Harald von Ameln hatte die FC-Führung nicht einmal 24 Stunden vor der FC-Infoveranstaltung am Freitagabend darüber in Kenntnis gesetzt, dass er aufgrund der entstandenen Unruhe keinen Antrag zur Ausgliederung der Fußballabteilung stellen werde. „Wir haben das Thema lange durchleuchtet und diskutiert. An unserem Weg hat sich aber nichts geändert“, erklärt Keus, und Rene Koep, erster Vorsitzender des FC, ergänzt: „Wir haben einen Verein ins Leben gerufen, der für alle da ist. Wir wollen weg von dem Leistungsgedanken, der Spaß soll im Vordergrund stehen.“

Dass die FC-Initiatoren ihre Pläne nach der kurzfristigen „Rolle rückwärts“ in Sachen Ausgliederung nicht sofort über den Haufen werfen würden, damit hatte auch von Ameln gerechnet, der der Veranstaltung im Jakob-Büchel-Haus am Freitagabend ebenfalls beiwohnte. „Ich bin allerdings nicht davon ausgegangen, dass sie die Tür komplett zumachen“, sagt der Hertha-Vorsitzende. „Sie haben ja jetzt das, was sie wollen. Sachgründe können jedenfalls nicht mehr ausschlaggebend sein“, fügt er hinzu. Vielmehr vermutet er, dass persönliche Animositäten gegen seine Person vorliegen könnten. „Ich habe schon vor dem Abend allen gesagt, dass ich mich von all meinen Ämtern bei der Hertha zurückziehen und nur noch als Geldgeber fungieren würde“, unterstreicht der 51-Jährige, der darüber hinaus offen zugibt, dass er und Dirk Offermann für den Wandel bei der Hertha vom Breiten- zum Leistungssport stehen würden.

„Wir haben in der Vergangenheit sicherlich viele unpopuläre Entscheidungen getroffen. Das hat viel Unruhe erzeugt.“ Dabei sei es ihm nie darum gegangen, den Breitensport bei der Hertha zu beerdigen. „Die meisten Leute, die am Freitagabend bei der Veranstaltung des FC Walheim waren, haben sich seit über zehn Jahren nicht mehr für die Hertha interessiert. Da ich alles allein mache, habe ich mir gedacht, dass ich künftig mit Hilfe meiner Firma professionellere Strukturen aufbauen könnte“, benennt von Ameln die Beweggründe für die zunächst geplante Ausgliederung. Umso erfreuter sei er gewesen, dass nach seiner Ankündigung „eine Bewegung“ entstanden sei. Im Winterurlaub sei er dann zu dem Entschluss gekommen, dass es das Beste sei, das Ganze unter dem Dach der Hertha gemeinsam anzugehen. „Mir geht es um die Sache und vor allem um den Verein. Ich werde nicht aufhören, ihnen die Hand zu reichen“, verdeutlicht von Ameln, der die Hertha – egal was passiert – weiterhin finanziell unterstützen wird. „Denn sonst ist der Verein tot.“

Dass man auch am Freitagabend nach der Veranstaltung noch intensiv diskutiert habe, berichtet auch der FC-Vorsitzende Rene Koep: „Die kurzfristige Rolle rückwärts war für uns aber einfach nicht mehr zu händeln. Wir haben konstruktiv über das Angebot diskutiert, jedoch am Ende für uns entschieden, dass es so für uns nicht umsetzbar ist. Wir schließen jedoch nicht aus, dass es irgendwann den Weg zurück gibt.“

Doch zunächst konzentrieren sich die Verantwortlichen auf die Arbeit für ihren neuen Klub. Rund 50 Anmeldungen liegen bereits vor, nun geht es auf Sponsorensuche, denn Trikots, Bälle oder Trainingsmaterialien müssen angeschafft werden. „Wir werden uns nicht in die Abhängigkeit von einer Person begeben“, verdeutlicht Koep. „Ich bin nicht super glücklich, dass ich jetzt Vorsitzender eines Vereins bin, aber ich bin super stolz darauf, was wir in so kurzer Zeit  auf die Beine gestellt haben.“

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