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Stolberg: Ehemaliger Torwart Stefan Delheid übernimmt Vorsitz des SV Breinig

Stolberg : Ehemaliger Torwart Stefan Delheid übernimmt Vorsitz des SV Breinig

Die Karriere, die Stefan Delheid hingelegt hat, zählt zu den eher außergewöhnlichen. Der ehemalige Torwart von Hertha Walheim, VfL Vichttal und dem SV Breinig ist seit Anfang Juni Erster Vorsitzender der Breiniger. Erst im Sommer 2017 hatte der erst 28-Jährige — nach dem Mittelrheinligaaufstieg — seine Schuhe an den Nagel gehängt.

Delheid engagiert sich darüber hinaus im CDU-Ortsverband Stolberg. Warum Delheid, der bei einem großen Versicherungsunternehmen in Aachen arbeitet, sich dermaßen für den Verein engagiert und welche Ziele er mit dem Klub anstrebt, darüber hat sich unser Redakteur Lars Brepols mit ihm unterhalten.

Herr Delheid, warum sieht man Sie nicht mehr regelmäßig als Aktiver auf dem Platz?

Delheid: Ich habe immer gesagt, dass ich nicht bis Ende 30 spielen und als körperliches Wrack aufhören will. Der Aufstieg in die Mittelrheinliga mit dem SV Breinig war für mich genau der richtige Zeitpunkt, um meine aktive Laufbahn zu beenden.

Dennoch sind Sie dem Verein verbunden geblieben...

Delheid: Das stimmt. Unmittelbar danach habe ich mich als Beisitzer des Vorstandes engagiert. Ich hatte damals schon den Hintergedanken, perspektivisch irgendwann mehr zu machen. Der damalige Vorsitzende Frank Laumen erkundigte sich auch bei mir, ob ich mir grundsätzlich vorstellen könnte, sein Amt zu übernehmen. Das war zu diesem Zeitpunkt aber noch weit weg für mich.

Sie haben als Beisitzer bereits Erfahrungen gesammelt. Was hat sich seit Juni für Sie verändert?

Delheid: Die ersten Wochen waren sehr turbulent. Die Saison war gerade beendet, und als Spieler hast du dann ja erst einmal Sommerpause. Als Funktionär ist das anders, auch wenn ich mich aus dem rein sportlichen Teil noch komplett raushalte.

Wie viel Zeit investieren Sie denn täglich für den Klub?

Delheid: Jeden Tag erreicht mich irgendeine E-Mail oder WhatsApp-Nachricht, die beantwortet werden muss. Zum Beispiel vom Trainer der ersten Mannschaft, vom Jugendleiter oder vom Platzwart. Aber auch von politischer Seite. Ich bin quasi immer erreichbar und stehe zur Verfügung, um das Bestmöglichste für den Verein zu tun.

Ist das stressig?

Delheid: Das ist positiver Stress. Früher habe ich in der Vorbereitung zu festen Terminen auf dem Trainingsplatz gestanden. Jetzt ist es für mich deutlich flexibler einteilbar, auch wenn es vom Zeitaufwand nicht weniger geworden ist.

Sie sind noch jung. Müssen Sie sich denn den Respekt der Älteren noch erarbeiten?

Delheid: Ich habe momentan das Gefühl, dass jeder im Verein versucht, mich mit ins Boot zu holen. Ich versuche, langsam in die Aufgabe hineinzuwachsen. Mein Ziel ist es, alles einmal mitzuerleben, um zu erkennen, was die einzelnen Leute für den Verein leisten. So kann ich gegebenenfalls auch Ersatz besorgen, falls jemand nicht mehr weitermachen kann oder will. Aktuell habe ich eine sehr große Akzeptanz und hoffe nun, dass ich dem Vertrauen gerecht werden kann.

Ist denn schon etwas auf Ihrem Tisch gelandet, was Sie völlig kalt erwischt hat?

Delheid: Bisher hat mich noch nichts total überrascht. In den ersten Wochen wurde ich aber auch viel mit eingebunden.

Was reizt Sie an der Aufgabe? Warum machen Sie das?

Delheid: Ich habe jahrelang davon profitiert. Die Ehrenamtler in den Vereinen haben vieles dafür getan, um mir eine gute Ausbildung zu ermöglichen — sowohl im fußballerischen als auch im persönlichen Bereich. Wenn man so intensiv Fußball spielt, weiß man etwas mit seiner Freizeit anzufangen und hat immer einen Anlaufpunkt. Dieses Gefühl möchte ich nun weitervermitteln, denn es wird immer schwieriger, Ehrenamtler zu finden.

Erhoffen Sie sich von ihrem Engagement eine Signalwirkung?

Delheid: Das ist definitiv ein Ziel von mir. Ich hoffe, dass ich als Vorbild dienen kann, um die Leute zu bewegen, sich im Verein zu engagieren.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Ihrem Verein ein?

Delheid: Grundsätzlich sind wir ganz gut aufgestellt. Ohne das ehrenamtliche Engagement würde das in so einem großen Verein wie unserem nicht funktionieren.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen? Worauf legen Sie Ihren Fokus?

Delheid: Den Vereinsgedanken. Der Verein ist eine Gemeinschaft und kein Dienstleister. Mitglieder sollten Pflichten übernehmen und das Vereinsleben aktiv mitgestalten. Wir sind ein Dorfverein, auch wenn wir in der Mittelrheinliga spielen.

Wie wichtig ist die erste Mannschaft für den Verein?

Delheid: Die erste Mannschaft ist das Aushängeschild, aber wir werden jetzt nicht größenwahnsinnig und auf Biegen und Brechen versuchen, Mittelrheinligist und die Nummer eins hinter der Alemannia zu bleiben. Natürlich versuchen wir mit unseren Mitteln, das Möglichste zu tun, um dort zu bleiben.

Wie bewerten Sie die vergangene Saison des Aufsteigers? War das außergewöhnlich?

Delheid: Auf jeden Fall. Der sechste Platz war hervorragend. Ab der Winterpause hatten wir quasi nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Das zu bestätigen, wird eine große Herausforderung sein. Wenn wir auf die Fairplay-Tabelle der vergangenen Saison schauen, sind wir in der Mittelrheinliga ganz oben dabei. Das ist mir als Vorsitzender fast noch wichtiger als der sportliche Erfolg. Wenn ich vernünftig auf dem Platz auftrete, dann kommt der sportliche Erfolg meist automatisch.

Machen Sie denn konkrete Vorgaben, was das Saisonziel anbelangt, oder halten Sie sich zurück?

Delheid: Momentan halte ich mich überwiegend zurück, bin eher Ansprechpartner. Grundsätzlich liegt die sportliche Verantwortung bei unserem Abteilungsleiter Fußballsenioren und dem zweiten Vorsitzenden. Klare Vorgaben gibt es da aber nicht. Das Ziel ist der Klassenerhalt, aber wichtiger ist es, sich nach außen gut zu präsentieren und die Leistung abzurufen. Wenn es nicht reicht, dann reicht es halt nicht. Da wir die Mannschaft zusammenhalten konnten, bin ich aber überzeugt, dass wir wieder eine gute Rolle spielen können und kein Kanonenfutter sein werden.

Wie schätzen Sie die neue Mittelrheinliga ein?

Delheid: Qualitativ ist sie deutlich stärker. Ich erwarte eine spannende Saison. Wegberg-Beeck als Absteiger, der 1. FC Düren als nicht klassischer Aufsteiger und die Deutzer, die es in der Landesliga-Gruppe 1 souverän geschafft haben, kommen dazu. Vier bis fünf Teams werden wohl um den Aufstieg spielen und der Rest gegen den Abstieg. Das ist ja immer so in der Mittelrheinliga. Es gibt wenige Vereine, die die Ambitionen in Richtung Regionalliga haben, denn der Sprung ist einfach riesig. Für die anderen geht es darum, frühestmöglich die Klasse zu sichern.

Wird man Sie wieder im Tor des SV Breinig sehen, wenn Not am Mann sein sollte?

Delheid: Im vergangenen Jahr habe ich dem Trainer das Versprechen gegeben, dann zur Verfügung zu stehen. Da habe ich aber auch noch regelmäßig bei der ersten Mannschaft mittrainiert. Wie es dieses Jahr aussieht, kann ich noch nicht sagen. Im Zweifelsfall würde ich wohl wieder spielen. Vergangene Saison habe ich zum Ende hin unsere dritte Mannschaft im Abstiegskampf unterstützt. Man sollte also niemals nie sagen. (lacht)