Leichtathletik: „Die Höhe kann schon einschüchternd sein“

Leichtathletik : „Die Höhe kann schon einschüchternd sein“

Einstimmung auf das Domspringen: Die ehemalige Vize-Europameisterin Christine Adams begeistert Kinder für das Fliegen.

„Für Stabhochsprung braucht man vor allem eins. Und das ist Mut.“ Christine Adams muss es wissen. Sie kennt das Gefühl des langen Anlaufs, das Ansetzen des Stabs und das Schweben durch die Lüfte. Zwei Mal wurde die 45-Jährige Vize-Europameisterin im Stabhochsprung. „Die Höhe kann schon einschüchternd sein. Der Respekt vor dem Fliegen darf nicht so groß sein“, weiß die ehemalige Ausnahmeathletin. Die Nervosität vor dem Absprung wollte Adams auch den kleinen Nachwuchsleichtathleten von Alemannia Aachen nehmen, die am Dienstag am beliebten Kindertraining im Vorfeld des
NetAachen-Domspringens teilnahmen. Als Teamleiterin des deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) betreut Adams eigentlich die deutsche Stabhochsprungelite, im Aachener Waldstadion absolvierte die 45-Jährige mit den U 10- und U 12-Junioren der Alemannia eine einstündige Schnuppereinheit.

Kürzere Stange

Los ging es auf der Tartanbahn: Verschiedene Laufübungen, Dehnen und Gymnastik standen auf dem Programm. Den Körper auf Temperatur bringen. Für die kleinen Leichtathleten nichts Ungewöhnliches. Sie trainieren jede Woche zwei Mal jeweils eine Stunde. Laufen, Werfen und Springen stehen auf dem Trainingsplan. Auch an Wettkämpfen nehmen die Kinder schon teil.

Ein herkömmlicher Stab, den ausgewachsene Athleten benutzen, ist für die quirlige Trainingsgruppe aber dennoch viel zu lang. Zu dritt teilen sich die Kinder eine kürzere Stange und heben das unbekannte Gerät im Laufen immer wieder gemeinsam an. „Erste größere Erfolgserlebnisse können Kinder im Stabhochsprung eigentlich erst ab einem Alter von elf bis zwölf Jahren erzielen“, erklärt Adams. „In so jungen Jahren geht es vor allem darum, die Begeisterung für die Sportart zu wecken.“

Nun geht es endlich an die Matte. Die Trainerin stellt einen Sprungkasten auf und schnappt sich einen Stab. „Dann wollen wir mal gucken, wie es sich anfühlt, durch die Luft zu fliegen.“

Zögerlich klettern die Kinder auf den Kasten, klammern sich an den Stab und fliegen mit Unterstützung von Adams auf die Matte. Mit dabei ist auch der achtjährige Pablo. „Am Anfang war ich kurz unsicher, ob ich mir wehtue“, erzählt der junge Leichtathlet und grinst: „Beim zweiten Mal bin ich aber schon ziemlich weit geflogen. Das war ein tolles Gefühl.“ Der Ehrgeiz ist auch schon in jungen Jahren groß. „Bei den Waldläufen war er immer ganz vorne dabei“, verrät Pablos Papa stolz.

Ob es ein Kind oder Jugendlicher zum erfolgreichen Stabhochspringer schafft, hängt von vielen Komponenten ab, erklärt Adams. „Man braucht Geschicklichkeit, ein schnelles Auffassungsvermögen und ein gutes Körpergefühl.“ Für den DLV sichtet sie regelmäßig Nachwuchstalente. Vielleicht schaut sie ja in einigen Jahren noch einmal genauer in Aachen vorbei.