Daan de Groot gewinnt den Powerman in Alsdorf

„Ich dachte, er lügt mich an“ : Daan de Groot gewinnt den Powerman in Alsdorf

Auf der Strecke war er nicht zu bremsen – hinterher bei der Dopingkontrolle ging es dafür um so langsamer. Daan de Groot lacht: „Ich hatte zwar eine Flasche auf dem Rad dabei, aber es war zu kalt, um zu trinken. Hinterher lief es dann im wahrsten Sinn nicht mehr.“

Ein Grad, Graupel, Nieselregen – der Powerman in Alsdorf wurde für die Athleten zum echten Härtetest. Um so mehr Respekt nötigt die Siegerzeit des Niederländers ab: 2:30:20,50 Stunden benötigte der 27-Jährige für zehn Kilometer Laufen, 60 Kilometer Radfahren und erneut zehn Kilometer Laufen.

De Groot hatte seine Kollegen vorher analysiert: „Es war mir klar, dass stärkere Läufer als ich im Feld waren, ich musste also auf dem Rad Zeit wettmachen.“ Als Zehnter mit rund einer Minute Rückstand auf den Führenden wechselte er aus den Laufschuhen aufs Rad. „Ich sah, dass ich schnell war, weil ich bei den Turns die vor mir liegenden Starter sehen konnte. Bei Kilometer 20 kam ein kleiner Hügel, da habe ich dann angegriffen. Die Konkurrenten sahen stark aus, das war wie ein psychologischer Krieg“, so de Groot lachend. Der 27-Jährige holte auf, fuhr vorbei und erarbeitete sich einen Vorsprung. „Ich war eineinhalb Minuten voraus, als ich wieder auf die Laufstrecke ging.“

Auch wenn das Laufen nach dem Radfahren in der Kälte schwer war, konnte er die Konkurrenz auf Distanz halten. „Mein Nationaltrainer hat mir immer wieder zugerufen, dass die Verfolger 50 Sekunden hinter mir wären, aber ich habe gedacht, dass er lügt, um mich zu motivieren und habe versucht, noch schneller zu laufen“ gestand de Groot lachend. Doch es war keine Lüge, mit deutlichem Vorsprung lief er jubelnd über die Ziellinie. Zweiter wurde der Belgier Jan Petrella (2:31:28,43) vor Sascha Hubbert (Rheinberg; 2:32:53,59). Patrick Dirksmeier (Münster), der hinter de Groot in 2:31:25,05 als Zweiter über die Linie gelaufen war, wurde disqualifiziert, da er seine Zeitstrafe nicht in der Penaltybox abgesessen hat.

Jubel nach zweieinhalb Stunden: Der Niederländer Daan de Groot gewinnt den Powerman Classic der Elite. Foto: Wolfgang Birkenstock

Wie auf Eiern gelaufen

Nur 20 Minuten mehr benötigte die schnellste Frau im Feld: Laura Zimmermann (Würzburg) gewann in 2:50:05,24 Stunden vor Katharina Grohmann (Dortelweil; 2:52:05,72) und der Britin Alice Hector (2:53:56,28). „Die Strecke war super, aber das zweite Laufen war schon ein Problem. Als ich vom Rad stieg, war ich eingefroren, bin zuerst wie auf Eiern gelaufen und habe eine Runde benötigt, bis ich meine Beine überhaupt wieder gespürt habe“, berichtete die 28-Jährige, die eigentlich eine Triathlethin ist, 2017 aber auch schon EM-Silber im Duathlon über die Mitteldistanz gewonnen hatte. Sie war als Fünfte aufs Rad gewechselt und hatte Gas gegeben. „Unter den Duathlon-Spezialistinnen sind gute Läuferinnen, ich musste die Zeit auf dem Rad herausholen.“

Ähnlich erging es Lokalmatadorin Steffi Jansen (PTSV Aachen), die in 2:59:17,72 Stunden Achte wurde. „Auf dem Rad habe ich meine Hände und Füße nicht mehr gespürt. Die Temperatur war nicht ideal“, so die Aachenerin, die mit ihrer Zeit nicht ganz zufrieden war. Allerdings: „Ich bin noch in der Vorbereitung, das ist mein erstes Rennen“, räumte die sympathische Triathletin ein. Angefeuert wurde sie auf der Strecke von einer langjährigen Mitstreiterin. Astrid Stienen, erfolgreichste Triathletin aus der Region, verfolgte mit Söhnchen Jakob auf dem Arm die Konkurrenz. „Als ich die anderen auf dem Rad gesehen habe, hat es gekribbelt. Im Training bin ich schon, wann ich wieder den ersten Wettkampf bestreiten kann, ist noch offen“, verriet die junge Mutter.

Zufrieden wie die Sportler waren auch die Organisatoren. „Das war ein toller Wettkampf, Alsdorf wird von Jahr zu Jahr besser“, lobte John Raadschelders, Präsident der Powerman-Organisation – auch mit Blick auf die EM-Bewerbung. „Es ist gut organisiert, die Athleten fühlen sich hier wohl. Schon in den Tagen zuvor laufen sie durch die Stadt und werden freundlich angesprochen. Das ist nicht überall selbstverständlich. Sie fühlen sich hier zu Hause.“ Trotz der widrigen Wettbedingungen war er begeistert von der Siegerzeit seines Landsmanns. „Das ist eine sehr schnelle Strecke. Einige Athleten hatten Probleme auf der zweiten Laufstrecke, sie haben nach dem Radfahren gefroren, obwohl wir ihnen geraten haben, sich warm anzuziehen. Um so höher ist die Top-Zeit zu bewerten.“

Wettkampfchef Patrick Thevis vom ausrichtenden Marathon-Clubs Eschweiler strahlte: „Ich bin vollkommen zufrieden, weil die Sportler sauglücklich waren. Ganz viele haben mir auf die Schulter geklopft und gratuliert. Ich denke, wir haben eine tolle Werbung in Sachen EM gemacht.“ Im Sommer wird die Entscheidung fallen, ob Alsdorf das Championat 2020 ausrichten kann.

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