Eupen: Claude Makélélé: Bei AS Eupen ist jetzt der Trainer der Star

Eupen: Claude Makélélé: Bei AS Eupen ist jetzt der Trainer der Star

Es ist wie überall auf der Welt, wenn bei einem Fußballverein der neue Trainer seine Arbeit aufnimmt: Die Trainings-Kiebitze teilen sich schnell auf in die, die immer da sind, und jene, die sonst nie da sind. Manchmal — das gibt es nicht.

Doch dass diesmal der Andrang derjenigen so groß ist, die an diesem kalten Dienstagvormittag zum ersten Mal den Weg zum Trainingsplatz der AS Eupen gefunden haben, liegt am noch größeren Namen des Mannes, der den Tabellenletzten der ersten belgischen Liga aus der Krise führen soll.

Claude Makélélé ist in der ostbelgischen Provinz gelandet, und weil das ungefähr so ist, als hätte Lothar Matthäus bei Alemannia Aachen das Zepter übernommen, spricht der Reporter von RTL schon live in die Kamera über eine Veranstaltung, die noch gar nicht angefangen hat. Makélélé hat als Spieler große Erfolge gefeiert, erklärt der Mann seinem unsichtbaren Publikum, hat mit Real Madrid alle Titel abgeräumt, war Lenker im Mittelfeld beim FC Chelsea und bei Paris Saint Germain. Nur als Trainer hätten die Erfolge bislang noch auf sich warten lassen: Beim SC Bastia wurde der 44-Jährige nach nur zwölf Partien entlassen, zuletzt arbeitete er als „Co“ bei Swansea City, immerhin Vorletzter der Premier League.

Das sind Fakten, die diejenigen, die immer zum Training kommen, natürlich schon kennen. Und nicht nur das. Sie erzählen auch bereitwillig, was sie schon immer gewusst haben, bislang aber keiner hören wollte. Etwa, dass der Jordi, wie hier alle den nach knapp sechs Jahren entlassenen bisherigen Trainer Condom beim Vornamen nennen, ja ein netter Kerl ist, aber viel zu zögerlich war, wenn die Taktik geändert werden musste oder eine Auswechselung erforderlich war. So viel ist klar. Der rechte Verteidiger, der steht immer zu weit vom Gegenspieler weg, und wenn man schon mit Fünferkette in der Verteidigung spielt, dann muss das doch eine Mauer sein. Eigentlich.

Mehr Tore als Anderlecht erzielt

Blickt man auf die Tabelle, dann scheint das tatsächlich nicht abwegig, denn das Schlusslicht hat zwar mehr Tore geschossen als der Dritte Anderlecht — dummerweise aber auch fast so viele kassiert, wie die ersten Drei zusammen. „Es war eine schwierige Entscheidung, den Trainer zu wechseln“, räumt AS-Sportdirektor Josep Colomer offen ein. „Aber dann wurde ich losgeschickt: Ich sollte einen Trainer suchen, der eine Herausforderung für die Mannschaft darstellt, der mit jungen Spielern arbeitet und ihnen ein Vorbild ist. Makélélé ist der richtige Mann, die ideale Person. Er vereint Leidenschaft und Erfahrung in sich, er soll uns in der Ersten Liga stabilisieren.“

Es dauert dann einige Zeit, bis der Hochgelobte selbst das Wort ergreifen kann, denn Monsieur Makélélé ist für seine 1,74 Meter erstaunlich klein geraten und versinkt zunächst hinter dem Wald der Mikrofone in die Unsichtbarkeit für die Kameras. So muss erst umständlich gekramt werden, und irgendwie erscheint die AS Eupen dabei doch nicht wie Real Madrid, auch wenn der 71-fache französische Nationalspieler gerade das Gegenteil erzählt. „Einen Unterschied zwischen Real oder Chelsea und Eupen, den gibt es nicht. Wir müssen hart arbeiten, brauchen Disziplin im Team, wir müssen zusammen verteidigen und zusammen angreifen“, betet Makélélé aus dem Fußballlehrer-Buch herunter. „Belgien ist eine sehr physische Liga, stellt aber auch technische Herausforderungen. Die Mannschaft hat Charakter bewiesen“, sagt der Franzose.

Dazu gehört neben dem Klassenerhalt auch das Formen der vielen jungen Talente in Eupen. Denn schließlich schickt die Aspire Academy aus Katar ihre Hoffnungsträger hierhin, und sie dürfte auch noch ein paar gute Argumente auf dem Konto gehabt haben, um den prominenten Übungsleiter verpflichten zu können. „Mir ist klar, dass nicht viel Zeit bleibt“, räumt dieser ein, schließlich geht es bereits am Freitag im eigenen Stadion gegen den FC Antwerpen. Da bleiben trotz des schönen Nachnamens nicht viele Möglichkeiten, Akzente zu setzen. „Wir hatten bislang nur nicht die Resultate“, grenzt Makélélé das Projekt deshalb ein. „Meine Aufgabe ist es nun, den Schlüssel zum Erfolg zu finden.“