Basketballprofi Joe Koschade aus Baesweiler spielt Champions League

Basketball: Von der Oberliga in die Champions League: Der Aufstieg des Joe Koschade

Es war sein erster internationaler Einsatz: Für Basketballprofi Joe Koschade aus Baesweiler hat sich mit dem Champions-League-Spiel gegen BK Opava ein Traum erfüllt.

Es waren nur gut vier Minuten, die Joachim Koschade im letzten Viertel auf dem Feld stand, und die Entscheidung über den Ausgang der Begegnung war da schon längst gefallen. Der 24-Jährige, den alle Joe nennen, wird seinen Kurzeinsatz allerdings nicht so schnell vergessen; es war nämlich ein ganz besonderer. Im Spiel der Telekom Baskets Bonn gegen BK Opava feierte der Baesweiler Basketballprofi sein Champions-League-Debüt, und es passt ganz gut, dass die Partie gegen den tschechischen Vizemeister mit einem klaren Erfolg endete (117:77). Denn aktuell könnte es nicht viel besser für Joe Koschade laufen, der in der Saison 2016/17 noch in der Oberliga für die SG Herzogenrath/Baesweiler auf Korbjagd ging.

„Es war total aufregend und eine super Erfahrung“, sagt Koschade. „Auf so einem hohen Level habe ich vorher noch nie gespielt.“ Dass der gelernte Point Guard überhaupt in der Champions League Einsatzminuten bekommen würde, war vor eineinhalb Jahren noch nicht abzusehen, als er seinen Heimatverein verließ und nach Bonn wechselte. Vorgesehen war der Baesweiler für die Regionalligamannschaft der Baskets, aber sein Talent und sein großer Ehrgeiz sorgten schnell für eine Beförderung. Noch vor der Saison 2017/18 unterschrieb der Sportstudent einen Profivertrag beim
Kooperationsklub der Bonner, dem Pro-B-Team Dragons Rhöndorf. Und seit er für den Drittligisten aufläuft, geht es steil bergauf.

„In Rhöndorf habe ich ideale Voraussetzungen vorgefunden“, sagt der 24-Jährige, der nicht nur mit den Dragons trainiert, sondern auch regelmäßig an den Einheiten des Erstliga-Teams der Baskets teilnimmt. Fast jeden Tag steht der Baesweiler drei bis vier Stunden auf dem Platz, mal in Rhöndorf, mal in Bonn. Und im Fitnessstudio steht weitere Fleißarbeit an. „Ich möchte möglichst viel mitnehmen und dann schauen, was möglich ist“, sagt Koschade.

Im Sommer absolvierte er mit den Baskets ein Trainingslager im slowenischen Rogla und empfahl sich für höhere Aufgaben. Er erhielt zwar keinen Platz für den Bundesliga-Kader, für die Champions League – immerhin ein bedeutender europäischer Basketballwettbewerb – erhielt er aber den Zuschlag. Die Reise zum israelischen Vertreter Hapoel Unet Holon Mitte November trat Koschade mit an, auf seinen ersten Champions-League-Einsatz musste er allerdings noch eine Woche warten.

„Man konnte früh sehen, dass Joe viel Talent mitbringt und sehr ehrgeizig ist“, sagt Thomas Roth. Koschades erster Seniorentrainer bei der SG setzte sich dafür ein, dass sein Schützling, gerade 17 Jahre alt, nicht nur in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga für Leverkusen spielte, sondern auch für Herzogenrath/Baesweiler bei den Senioren. „Es hat ihm gut getan, als Jugendlicher in einer Männermannschaft zu spielen“, hat Roth beobachtet. Koschade sei ein „Musterspieler, den sich jeder Trainer wünscht“, körperlich sehr stark und ein „extrem guter Verteidiger“. „Und er hat einen konstanteren Wurf bekommen.“

Dass die Quote immer noch ausbaufähig ist, weiß Koschade, „vor allem von der Freiwurflinie“. Er sagt aber auch: „Ich definiere mein Spiel vor allem über die Verteidigungsarbeit.“

Zum Shooting Guard umgeschult

Mittlerweile ist der 24-Jährige einer der ältesten Spieler im Team der Rhöndorfer, „deshalb übernehme ich auch in der Offensive mehr Verantwortung. Der beste Werfer werde ich aber nie werden.“ Auch seine Position im Spiel hat sich im Laufe der Jahre verändert, Koschade wird von seinen Trainern vornehmlich als Shooting Guard eingesetzt. Auf der Center-Position wird man ihn vermutlich nie finden, da er mit 1,82 Metern verhältnismäßig klein ist. „Das kann bei der Verteidigungsarbeit aber von Vorteil sein, wenn man etwas flinker ist“, sagt Kochade.

Ob das auch irgendwann Gegenspieler in der Basketball-Bundesliga merken, wird sich zeigen. Für seinen Ex-Trainer wäre es keine Überraschung, wenn sein ehemaliger Schützling den Durchbruch schaffen würde: „In puncto Ehrgeiz steht dem nichts im Wege.“

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