Aachener Fußballer Vinzent Zingel in den USA ausgezeichnet

Aachener Fußballer ausgezeichnet : Vinzent Zingel trumpft in den USA groß auf

Der Spieler Vinzent Zingel von Hertha Walheim, der an der Colorado State University-Pueblo studiert, wird als „Freshman of the year“ in den USA ausgezeichnet. Ein erster Schritt auf dem Weg zum Profi-Fußball?

Vinzent Zingel war ziemlich entspannt, als sein Handy klingelte. „Ich hatte gerade eine Yoga-Stunde, als mich mein Fußball-Trainer angerufen hat“, sagt der 19-Jährige und lacht. Die Unterbrechung war durchaus willkommen, denn Roy Stanley hatte gute Nachrichten. Er teilte dem Studenten der Colorado State University (CSU)-Pueblo mit, dass er ausgezeichnet wird: „Freshman of the year“, also Neuling des Jahres, darf sich Zingel seit ein paar Tagen in den USA offiziell nennen.

Der Titel ist der Lohn für eine starke Debütsaison in der sogenannten Rocky Mountain Athletic Conference. Seit August spielt der gebürtige Aachener für die CSU-Pueblo Thunderwolves, in der zweiten Division, und viel besser hätte es bisher nicht laufen können. Schon in seinem ersten Pflichtspiel traf der talentierte Angreifer, ein Dropkick aus rund 25 Metern mit links in den Winkel. Das geht definitiv schlechter.

Neun Tore und ein Hattrick

Insgesamt neun Tore in 17 Spielen gegen andere College-Teams verbuchte er, zusätzlich bereitete er noch zwei weitere vor. Zuletzt erzielte er sogar einen Hattrick gegen die Adams State University. Innerhalb von 14 Minuten. „Ich habe mich super eingelebt – als Sportler und als Student“, sagt Zingel, der an der CSU-Pueblo Gesundheitsförderung studiert. Ein kleiner Wermutstropfen: Sein Team verpasste die Play-offs, die Spielzeit endete vorzeitig.

Die Entscheidung, Deutschland zu verlassen und seine Zelte in Amerika aufzuschlagen, fiel im Sommer 2018. „Das war für mich die Chance, um weiter Fußball auf hohem Niveau zu spielen und nebenbei zu studieren“, erklärt der ehemalige Jugendspieler von Alemannia Aachen und Hertha Walheim. Empfehlungsschreiben wurden ihm von beiden Klubs ausgestellt, darüber hinaus wurde noch ein fünfminütiges Highlightvideo zusammengestellt. Aufgenommen wurden Trainings- und Spielszenen am Tivoli und am Sportplatz an der Schleidener Straße. Text und Bild sollten gemeinsam dafür sorgen, dass Zingel ein Stipendium an einem College erhält. Und der Plan ging auf. „Ich hatte 18 Angebote, fünf davon sind für mich infragegekommen“, sagt Zingel. „Die CSU-Pueblo hat den Zuschlag bekommen, weil sie das beste Gesamtpaket hatte.“

In den kommenden vier Jahren will Zingel daran arbeiten, dass sich sein Traum vom Profi-Fußball doch noch erfüllt. Die Bedingungen in Colorado seien nahezu perfekt, „die Ausstattung ist vom Feinsten und wir trainieren auf hohem Niveau“, sagt der 19-Jährige. Während der Saison stehen vier Trainingseinheiten auf dem Platz, sowie zwei Einheiten im Kraft- und Fitnessraum an. Hinzu kommen zwei Spiele pro Woche. 38 Spieler umfasst der Kader der Thunderwolves, so wie eigentlich bei jeder College-Soccer-Mannschaft in den USA, die Altersstruktur ist gemischt: von den Neulingen, also den „Freshmen“, bis hin zu den „Seniors“. Natürlich wird auf dem Platz Englisch gesprochen, ein paar deutsche Worte fallen aber auch hin und wieder. Was nach Lage der Dinge keine Überraschung ist: „Wir haben zehn Deutsche im Team.“

Natürlich kennt Zingel auch Julian Gressel. Nicht persönlich, sondern vielmehr dessen Geschichte. Gressel ist sozusagen der Prototyp dafür, wie man in den USA als Deutscher Karriere macht: Bei den Providence Friars machte der Franke in der ersten Division auf sich aufmerksam und sammelte eine Auszeichnung nach der anderen. Dadurch schaffte er es auch in die Major League Soccer, die höchste Spielklasse im amerikanischen und kanadischen Fußball. Sein Raketenstart wurde 2018 mit dem Gewinn des MLS-Cups gekrönt, an der Seite des Eschweilers Kevin Kratz feierte er mit Atlanta den Meistertitel. „Man sieht, dass sich Träume erfüllen können, wenn man hart arbeitet“, sagt Zingel.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat auch der ehemalige Schüler des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs gerade gemacht – was seinen ehemaligen Trainer nicht überrascht. „Vinzent ist ein außergewöhnlicher Fußballer, einer der besten, die ich je trainiert habe“, lobt Walheims Coach Mirko Braun seinen ehemaligen Schützling. Zuerst leitete er den Stürmer bei den A-Junioren der Hertha an, mit dem Wechsel ins Seniorenlager holte Braun Zingel dann zur ersten Mannschaft. „Er war der Garant dafür, dass wir die Klasse in der Landesliga vergangene Saison gehalten haben.“ Wohlgemerkt: als 18-Jähriger. Seine Qualitäten: „Stark im Eins-gegen-eins, schnell und eiskalt vor der Bude.“ Ein Typ der Marke Straßenfußballer, den viele Mannschaften suchen. Und: „Er ist sogar kopfballstark.“ Trotz einer Größe von „nur“ 1,70 Metern. Im Dezember macht Zingel „Heimat­urlaub“ in Aachen, und aktuell sieht es so aus, dass er auch beim Hallencup, den unsere Zeitung präsentiert, für Walheim auflaufen wird. Danach kehrt er in die USA zurück.

Eine Urkunde oder Medaille hat der „Freshman of the year“ noch nicht erhalten, „das wird bestimmt aber noch nachgeholt“, sagt Zingel. Es dürfte nicht die letzte Auszeichnung für den hochveranlagten Stürmer sein, wenn seine Entwicklung so weitergeht.

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