Aachen: Volontärin Laura Laermann testet erstmals Unterwasserrugby

Aachen : So kann es einem ergehen, wenn man erstmals Unterwasserrugby spielt

Da ist er. Ich muss irgendwie dorthin. Meine Luft wird knapper. Ich tauche tiefer und stürze mich in das dunkle Knäuel aus Schwimmern inmitten des blauen Beckens. Dann greife ich nach dem kleinen weißen Ball. Fast schaffe ich es, ihn zu berühren. Doch meine Lunge verlangt Sauerstoff. Ich muss ihn ziehen lassen.

Ein unangenehmes Gefühl. Ich will, kann aber nicht. Doch damit muss ein Anfänger beim Unterwasserrugby wohl erstmal zurechtkommen. Ich jedenfalls bin beim gemeinsamen Training des Aachener Tauchclubs (ATC) und der Tauchsportgemeinschaft (TSG) in der Aachener Osthalle schnell an meine Grenzen gestoßen. Bei der außergewöhnlichen Ausrüstung hat es angefangen: Schnorchel, Maske, Flossen — und eine Kappe mit Ohrschützern. Das sieht zwar merkwürdig aus, ist aber selbstverständlich sinnvoll. Nachdem ich in voller Montur bin, geht es ins Wasser. „Warmschwimmen“, lautet die erste Anweisung des Trainers Matthias Amberg. Die Atmung durch den Schnorchel ist ungewohnt. Doch noch viel ungewöhnlicher ist für mich die nächste Übung.

vxv. Foto: Screenshot

Neben der Fähigkeit zu schwimmen gehört der Druckausgleich zu den Grundlagen beim Unterwasserrugby. Wer diesen nicht beherrscht, muss damit rechnen, dass sein Trommelfell platzt. Denn wie der Name schon sagt, findet das Spiel vor allem unterhalb der Wasseroberfläche statt. Und mit zunehmender Tiefe erhöht sich beim Tauchen der Druck auf die Ohren. Das spüre ich schnell bei dieser Übung. Kopfüber tauche ich senkrecht Richtung Boden. Nun muss ich die Nase zuhalten und dort hineinpusten. Ein leises Knacken, und der Druck ist ausgeglichen. Bei den ersten Versuchen ist es noch ein unangenehmes Gefühl, doch ich gewöhne mich daran. „Wenn es schmerzt, sollte man aufhören“, warnt mich der Trainer.

Im nächsten Schritt üben wir, uns den Ball zuzuwerfen. Unter Wasser werfen? Wie soll das funktionieren? Die Antwort: Der Ball ist mit einer Kochsalzwasserlösung gefüllt und damit schwerer als Süßwasser. Er sinkt also auf den Boden, wenn man ihn lässt. Das „Werfen“ ist zudem eher ein „Stoßen“ — man schickt den Ball sozusagen direkt in eine Richtung. Nach ein paar Pässen zeigt mir Matthias wie man den Ball sichert, nämlich festgeklemmt unter der Achsel. Der Gegner muss dann versuchen den Ball aus der Umklammerung zu befreien — und dabei sollte man auf keinen Fall zaghaft sein. Also versuche ich es bei Matthias: Wir tauchen wieder unter, und ich zerre mit aller Kraft an dem Ball. Nach rechts, links, oben, unten. Keine Chance. Der Ball sitzt fest unter seiner Achsel.

Dreidimensionaler Mannschaftssport

Auch wenn ich es nicht geschafft habe, den Ball zu entwenden, bin ich nun bereit für das Spiel. Wir schließen uns dem Rest der Gruppe an, die schon längst dabei ist, den Ball zu jagen. Zwei Teams von jeweils sechs Personen spielen gegeneinander. Ziel ist es, den Ball in den gegnerischen Korb zu befördern, der jeweils auf dem Beckenboden befestigt ist. Nur ein kleiner hinterer Teil des Beckens markiert das 14x10 Meter große Spielfeld, das zudem vier bis fünf Meter tief ist.

Damit ist Unterwasserrugby der einzige dreidimensionale Mannschaftssport. Das hat einen Nachteil: „Für den Zuschauer ist das ein Desaster“, erklärt Daniel Rieder, der ebenfalls Trainer der Mannschaft ist. Denn vom Spiel unter Wasser sieht man von außen nur sehr wenig. „Ideal wäre ein Glasbecken. Aber auch Live-Übertragung aus dem Wasser wäre eine gute Möglichkeit, um das Publikum teilhaben zu lassen.“ Diese Optionen haben die beiden Tauchvereine leider nicht immer. Aber den Zuschauern steht es jederzeit frei, mit ins Becken zukommen und vom Spielfeldrand aus zuzusehen — und tatsächlich: dieses Angebot wird wahrgenommen.

Zurück ins Becken: Luft holen, untertauchen, Druckausgleich und losschwimmen, den Ball fest in den Händen. Dann kommt mir ein Gegner entgegen. Schnell stoße ich den Ball zu einem Mitspieler. Wer in welchem Team ist, lässt sich an der Farbe der Badebekleidung und eines Armbandes erkennen.

Während ich zum Atmen mal eben an die Wasseroberfläche muss, wird unten fleißig weitergespielt. Eigentlich würde es schon reichen, wenn der Schnorchel an die Luft gelangt. Doch die Angst, zu wenig Sauerstoff zu bekommen, lässt mich auftauchen. Ich frage mich, wie die Spieler es schaffen, so lange ohne Luft auskommen und das, obwohl sie sich bewegen und um den Ball kämpfen. „Bei einer Stunde Sport unter Wasser kann man sich richtig verausgaben“, sagt Rieder. Das Spiel läuft so schnell ab, dass es kaum möglich scheint, den Ball zu verfolgen. Sobald ich in die Nähe gelange, ist er auch schon wieder weg. Es geht hier im wahrsten Sinne des Wortes drunter und drüber.

Gemischte Teams

Das hier eine Strategie im Spiel ist, ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Tatsächlich gibt es aber eine Aufstellung — Torwart, Verteidiger, Stürmer — und einige Spielzüge, die im Training regelmäßig geübt werden. Bei der „Hasenjagd“ beispielsweise spielt man drei gegen drei auf einem kleinen Feld und versucht sich gegenseitig den Ball abzunehmen. Auch kann man einige Angriffs- und Verteidigungstechniken erlernen. „Jede Situation ist anders. Und jeder Gegner ist anders. Es wird nie langweilig“, sagt Matthias Amberg.

Beim Unterwasserrugby spielt man außerdem gemischt. Sowohl Männer als auch Frauen ringen gleichermaßen mit viel Körpereinsatz um den Ball. Eine Sonderbehandlung erfährt dabei keiner. Ich staune nicht schlecht über den Einsatz der Mädels beim Training, die keine Scheu haben, sich in die „Prügelei“ um den Ball zu stürzen.

Insgesamt acht Frauen sind in dem Verein, die allesamt in der Ersten Bundesliga der Frauen mitspielen. Ein Unterschied zu ihren männlichen Mitspielern kann man kaum merken.

„Es geht nicht nur um Kraft, sondern auch um Taktik. Frauen spielen meist ruhiger und überlegter“, erklärt Rieder Auch ich überlege heute sehr viel unter Wasser, allerdings ohne wirklich am Spiel teilzuhaben.

Denn man muss erst einmal einige Fähigkeiten beherrschen, um richtig mitspielen zu können. So motiviert ich auch bin, mir fehlt einfach die Luft.

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