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Würselen/Kapstadt: Radprofi aus Würselen gewinnt Cape Epic

Würselen/Kapstadt : Radprofi aus Würselen gewinnt Cape Epic

Es blieb keine Zeit, eine Weinprobe des sicher exzellenten Tropfens zu genießen, der auf dem Weingut Meerendal in der Nähe von Kapstadt produziert wird. Die Jungs und Mädels mussten los. Der Starter war eben kein Weinliebhaber. Er schickte ein Zweierteam nach dem anderen auf den Weg ins schwerste Mountainbike-Rennen der Welt.

600 Mal senkte er die Fahne beim Prolog. 1200 Mountainbiker, Profis (Männer und Frauen), Mixed-Teams, Masters- (40 +) und GrandmastersFahrer (50 +) nahmen die Strapazen von acht Etappen in Angriff, die als die gnadenlosesten der Branche gelten. Wegen der Rahmenbedingungen (Nächte im Wohnmobil statt im Hotel) und des unwirtlichen, unberechenbaren Geländes.

Das weiß Robert Mennen, der gebürtige Nörvenicher mit Wohnsitz Würselen, nur zu gut. Dem 28-jährigen MTB-Profi des Topeak-Ergon Racing Teams aus Koblenz stellte sich 2013 auf der ersten Etappe des Cape Epic bei einer rasenden Abfahrt eine Antilope in den Weg.

Beide kollidierten, das Tier überstand den Crash, suchte erschrocken das Weite, Mennen stürzte schwer. Der Lenker seines Rades brach. Das war das kleinere Übel. Das größere: Mennens Schlüsselbein brach auch. Aus und vorbei, nachdem er 2012 mit seinem österreichischen Teamkollegen Alban Lakata seine Südafrika-Premiere immerhin als Fünfter beendet hatte.

Diesmal war Mennens Partner Kristian Hynek aus Tschechien, weil Lakate noch an den Folgen einer Verletzung laboriert. „Ich wollte zunächst einmal die erste Etappe ohne Sturz überstehen. Und am Ende vielleicht mit einem guten Ergebnis ins Ziel kommen.“ Aber wieder kam alles ganz anders. Viel besser!

Acht Etappen, 718 Kilometer, 14.850 Höhenmeter sowie insgesamt 30 Stunden, 31 Minuten und 59,2 Sekunden im MTB-Sattel später war das Duo Mennen/Hynek und etwas später auch die Konkurrenz wieder auf einem Weingut nahe Kapstadt. Das Ziel des Spektakels lag auf dem Gelände der Winzerei Lourensford in Somerset West.

Knapp zehneinhalb Minuten vor Christoph Sauser/Frantisek Rabon (Schweiz/Tschechien) überquerten Mennen/Hynek die Ziel-linie. Vor ihnen niemand, hinter ihnen alle anderen. „Unglaublich, dass Kristian und ich das Ding gewonnen haben. Das Cape Epic stand auf meiner Liste ganz oben. Und nun stehen wir zwei ganz oben auf dem Treppchen. Das ist der größte Erfolg meiner Karriere“, sprudelte es auch Robert Mennen heraus.

Studium der Betriebswirtschaft

Voriges Jahr stand er vor der entscheidenden Zukunftsfrage: MTB-Profi oder nach abgeschlossenem Hochschulstudium in den Beruf gehen? Den Bachelor machte der Betriebswirt an der RWTH Aachen, wo Mennen von 2005 bis 2009 studiert hatte. 2013 folgte der Masters-Abschluss an der Fern-Uni Hagen. „Es war keine leichte Entscheidung. Aber ich wollte es als Mountainbiker probieren, um es später nicht zu bereuen“, sagt Mennen, der seit zwei Jahren mit Freundin Elena in Würselen lebt.

„Die Lage ist klasse — von der Lebensqualität und den Trainingsmöglichkeiten“, weiß Mennen sein Umfeld zu schätzen, lebt gerne hier, findet Kraft und Ausgeglichenheit, um sich in einem harten Job durchzusetzen. „Du weißt beim Cape Epic nie, ob du durchkommst. Man kann physisch noch so stark sein, aber Material, Gesundheit, Klima, die unbekannte Strecke — auf diese Dinge hast du keinen Einfluss.“

Diesmal lief es perfekt für das Team der Koblenzer Equipe, die mit Sally Bigham auch eine Fahrerin auf die Strecke schickte. Die 35-Jährige beendete die Tortur mit ihrer Partnerin Esther Süss auf Platz 2 der Frauenwertung.

Mennen/Hynek zogen sich nach der vierten Etappe das Gelbe Trikot über und gaben es bis ins Ziel nicht mehr her. „Als wir das Führungstrikot zum ersten Mal übergezogen hatten, kam auch erstmals der Gedanke auf, dass wir gewinnen könnten“, erzählt Mennen, der amtierende Deutsche Meister im MTB-Marathon. „Ja, ohne Defekte könnte es funktionieren, waren unsere Gedanken.“

Die beiden hatten aber vorgebaut, die wegen diverser Defekte weit abgeschlagenen Konkurrenten Jochen Käß und Markus Kaufmann vom Team Centurion-Vaude prophylaktisch um Hilfe gebeten, wenn sie technische Probleme hätten. Denn zu viel Zeit ginge verloren, hätten die beiden Führenden auf Hilfe warten müssen.

Prompt folgten auf den Etappen 5 und 6 Reifenplatzer bei Hynek. Käß/Kaufmann halfen, warteten dann, da ohnehin abgeschlagen, auf den Materialwagen. „Ich weiß nicht, ob wir ohne sie gewonnen hätten“, dankt Mennen den fairen Kollegen.

Und freut sich nun auf das nächste Abenteuer — das größte und schwerste MTB-Etappenrennen in Europa: das Transalp im Juli von Garmisch-Partenkirchen über die Alpen zum Gardasee.