1. Sport

Hückelhoven: Quarterback Felix Rosenstein: Von der Liebe zum American Football

Hückelhoven : Quarterback Felix Rosenstein: Von der Liebe zum American Football

Bevor am späten Sonntagabend der Super Bowl ansteht, wird Felix Rosenstein noch einmal trainieren, am Samstagmittag, das macht er ja immer so. Mitten in Hückelhoven-Baal, am Rand des Kreises Heinsberg, auf einem kleinem Kunstrasenplatz zwischen Einfamilienhäusern; dort, wo eigentlich Fußballer spielen und das American-Football-Feld mit bunten Hütchen abgesteckt wird.

Rosenstein, 19, wird ein bisschen hin- und herlaufen, ein paar Spielzüge ansagen, Bälle werfen; und wenn der Trainer zufrieden ist, gibt es am Ende ein kleines Spielchen, Offensive gegen Defensive. Mit den Gedanken wird Rosenstein dann aber schon beim Duell am Tag darauf sein, eigentlich ist er das jetzt schon, er sagt: „Das wird ein großes Spiel.“

Mit dem Bison auf der Brust: Rosenstein spielt für Heinsberg.
Mit dem Bison auf der Brust: Rosenstein spielt für Heinsberg.

Felix Rosenstein ist Quarterback, aber er wird natürlich nicht auf dem Feld stehen, wenn es im Finale der National Football League (NFL) um den wichtigsten Titel im American Football geht. Er spielt ja weder für die New England Patriots noch für die Atlanta Falcons, die in der Nacht auf Montag um den Super Bowl kämpfen (0.30 Uhr/Sat.1); Rosenstein wird in einer Bar in Teveren sitzen und das Spiel schauen, mit seiner Mannschaft, den Kreis Heinsberg Bisons.

An der Basis

Die Bisons spielen in der Landesliga, unterste Spielklasse, an der Basis des American Football. Den Super Bowl werden weltweit wieder mehr als 100 Millionen Menschen verfolgen; bei den Spielen der Bisons schauen selten mehr als 50 Leute zu. Im Super Bowl stehen austrainierte Profisportler auf dem Feld; bei den Bisons spielen Dünne und Dicke, Jugendliche unter 20 und über 40.

In der Halbzeit des Super Bowl wird Lady Gaga auftreten, in Heinsberg sorgt eine fünfköpfige Cheerleader-Gruppe für Stimmung, die „Bisonettes“. Beim Super Bowl geht es um Millionen Dollar, die Bisons spielen höchstens um die Ehre. Und das gilt ja nicht nur für das Team aus dem Kreis Heinsberg, es gilt für die allermeisten Vereine in Deutschland. Selbst die höchste Spielklasse ist im Vergleich zu NFL eine bessere Amateurliga. American Football wird in Deutschland zwar beliebter; er ist aber immer noch eine Randsportart. Und dennoch sagt Rosenstein: „Football ist der beste Sport, den ich mir vorstellen kann.“

Im vergangenen Jahr sind die Bisons Vorletzter in der Landesliga geworden, zwei Spiele haben sie gewonnen, acht verloren; aber in der nächsten Saison soll ab April alles besser werden. Sie haben ja jetzt auch Rosenstein, der aus der eigenen Jugendmannschaft zu den Männern kommt.

„Ein sehr, sehr, sehr guter Spieler“, sagt Trainer Jamal Walker, obwohl Rosenstein nach zehn Jahren Fußball ja erst seit 2013 Football spielt. In der U 19 der Bisons hat er 2016 in neun Spielen 35 Touchdown-Pässe geworfen. Gute Quote.

Das ist ja die Hauptaufgabe eines Quarterbacks: gute Pässe werfen, damit die Offensivspieler punkten können. „Wenn der Ball ankommt, der Receiver ihn fängt und einen Touchdown schafft, ist es ein großartiges Gefühl“, sagt Rosenstein. Er hatte mit seinen Pässen großen Anteil an der Meisterschaft in der Landesliga, sein Team hat jedes Spiel gewonnen. Als Quarterback stand und steht er immer ein bisschen mehr im Fokus als seine Mitspieler, er sagt: „Wenn es gut läuft, liegt es an mir. Wenn es nicht gut läuft, liegt es auch an mir.“

Und deswegen fokussiert sich die Berichterstattung vor großen Partien ja auch immer auf die Spielmacher. Das ist auch jetzt nicht anders, wenn die Patriots auf die Falcons treffen, ist das auch das Duell der beiden Quarterbacks Tom Brady und Matt Ryan. Felix Rosenstein wird genau hinschauen, natürlich, er holt sich Inspiration in der NFL.

Aber natürlich weiß er, dass das eine andere Liga ist. Eine Qualität, die er nicht erreichen kann. „Was die da machen, ist einfach weltklasse“, sagt er. „Die Quarterbacks werfen so weit, so präzise.“ Er versucht, sich Dinge abzuschauen, sie nachzumachen. „Ob das dann klappt, ist eine andere Sache.“ Das Wichtigste sei doch, dass ihm der American Football Spaß mache, sagt Rosenstein. „Das ist ein Sport, hinter dem unglaublich viel Taktik steckt, und das macht dieses Spiel so interessant.“

Brady vs. Ryan

Sein Lieblingsteam, die Seattle Seahawks, haben es nicht in den Super Bowl geschafft, dort spielt auch sein Lieblingsquarterback Russell Wilson, was den Vorteil hat, dass Rosenstein ziemlich unvoreingenommen an das Spiel gehen kann: „Ich bin nicht für die Patriots, ich bin nicht für die Falcons, ich hoffe einfach auf ein tolles Duell.“

Er hält New England für den Favoriten, glaubt aber, dass Atlanta die Patriots ärgern kann. Und am Ende könnten dann die Quarterbacks den Unterschied machen. „Brady hat große Erfahrung und eine unglaubliche Ruhe am Ball“, sagt Rosenstein. „Und er macht seine Mitspieler besser.“ Ryan mache kaum Fehler, „und seine Teamkollegen in der Offensive sind unglaublich stark“. Alles offen also. Sicher ist nur, dass dieser Super Bowl auch dem American Football an der Basis in Deutschland weiter Auftrieb verleihen wird.

Und dass Rosenstein dabei ist.